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Keine Umwege mehr bei der Umdisponierung Geführte Navigation für Linienbusse

| Redakteur: Susanne Ehneß

Verkehrsbetriebe setzen immer öfter wechselnde und ortsunkundige Fahrer ein. Das macht auch für Linienbusse mit fest vorgegebenen Routen eine Navigation erforderlich. Gerade in Großstädten kommt es zudem immer wieder zu Änderungen der Strecken wegen Sperrungen, Baustellen oder Unfällen.

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Die ATRON electronic GmbH hat ihren Sitz in Markt Schwaben
Die ATRON electronic GmbH hat ihren Sitz in Markt Schwaben
(© ATRON)

Das Bedürfnis nach einer geführten Navigation für Busfahrer ist gestiegen, denn die Verkehrsbetriebe haben Probleme, überhaupt Fahrer zu finden. Diese wechseln häufig und sind in der Regel nicht mehr ortskundig. Wo es früher noch überflüssig war, einem Fahrer eine Wegeführung an die Hand zu geben, da diese in der Regel ortskundig waren, ist das heute oft erforderlich.

Neben der genauen Streckenführung wird auch die Kommunikation mit der Leitstelle immer wichtiger. Gerade in Großstädten ist die Notwendigkeit von Umplanungen groß: Kommt es zu Behinderungen wie Unfällen oder Streckensperrungen, muss die Leitstelle die Fahrstrecke einer Linie umdisponieren. Es kann auch passieren, dass Fahrer und Fahrzeug adhoc umgesetzt und ihnen eine neue Route zugewiesen wird, etwa, wenn ein Bus ausgefallen ist und eine Linie mit Priorität bedient werden muss.

Die Kommunikation erfolgt in der Regel als Text- oder Sprachanweisung. Beide Formate sind allerdings problematisch, sobald mehrere Fahrzeuge betroffen sind. Es kostet die Disponenten viel Zeit, jeden Fahrer mündlich neu zu briefen. Und Textanweisungen erreichen schnell eine große Länge, außerdem können Sprachbarrieren zu Verständnisproblemen führen. Sind die Fahrer ortsunkundig, ist ihnen auch mit der Nennung von Straßennahmen nicht geholfen.

Schneller ans Ziel

Die Atron electronic GmbH aus Markt Schwaben entwickelt modulare Systemlösungen für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) – vom Fahrscheinautomaten und Bordrechner bis zum Vertriebshintergrundsystem und Leitstellensystem. Der Bordrechner wurde ursprünglich für den fahrerbedienten Verkauf entwickelt, inzwischen stellt er die Kommunikationszentrale zwischen Fahrzeug, Peripherie, Fahrer und Hintergrundsystem sowie Leitstelle dar.

Um den Verkehrsbetrieben unter die Arme zu greifen, wurde die Software des Atron-Bordcomputers mit der Navigationssoftware „MapTrip“ der infoware GmbH aus Bonn ergänzt. Wegepunkte und Haltestellenkoordinaten werden aus den Fahrplanplanungstools in die Applikation importiert, damit die Linienführungen zur Verfügung stehen.

Die geführte Navigation kann Fahrer nun durch akustische und optische Hinweise auf einer Straßenkarte beim Abfahren der Wegstrecke einer Linie (sog. Referenzroute) unterstützen, die in der Regel von der Anfangs- bis zur Endhaltestelle reicht.

Bei Störungen, die eine Umplanung der Wegstrecke erforderlich machen, überträgt die Leitstelle die neue Referenzroute an die betroffenen Fahrzeuge: Dafür werden die Wegepunkte sowie geänderte Haltestellen der neuen Referenzroute der Linienfahrt auf den Bordrechner geladen. Das Kartenmaterial ist im System hinterlegt – es ändert sich nur der Weg, also die Kette von GPS-Punkten, die ihn ausmachen.

So wird dem Fahrer die neue Fahrstrecke vorgegeben und auf dem Rechner angezeigt, so dass er sie abfahren kann. Die Anzeige auf dem Bordrechner wird als klassische Navigation mit Wegepfeilen und Ansagen unterstützt.

Entscheidung

Horst Sander
Horst Sander
(© ATRON)

Im Auswahlprozess fanden Gespräche und Demonstrationen mit verschiedenen Anbietern statt. „Wir hatten den Eindruck, dass infoware mit ihrer Erfahrung mit Referenzrouten unseren Bedürfnissen am nächsten kommt“, kommentiert Atron-Produktmanager Horst Sander. Das Unternehmen rüstet Stadtwerke und Müllabfuhren mit Navigationssystemen aus – deswegen war der Schritt zum Einsatz in Bussen als weiterer Anwendungsfall nicht mehr weit.

Ende 2018 fiel die Kaufentscheidung für die Navigation. Der „Route Guide“ befindet sich aktuell in der Testphase. Geplant ist, diese Software-Funktion Mitte des Jahres an die ersten Kunden auszurollen. Mehrere Verkehrsbetriebe haben diese Funktionalität bereits gekauft.

Schnittstelle zum Fahrplansystem

Der große Vorteil der Lösung liegt laut Anbieter darin, dass die Referenzrouten per se im Hintergrundsystem, in dem die Fahrpläne verwaltet werden, vorhanden sind. Die Schnittstelle, um Fahrpläne zu importieren, aufzuarbeiten, zu verarbeiten und an die Bordrechner zu verteilen, liege vor und müsse nicht neu programmiert werden. Anderen Navigationssystemen fehle diese Schnittstelle zum Hintergrundsystem – sie könnten Referenzrouten aus verschiedenen Quellen nicht ohne Weiteres importieren.

Route Guide
Route Guide
(© ATRON)

„Route Guide“ kann via „APP ASV“ Lauch auf Android-Tablets oder -Smartphones eingesetzt werden. Damit stehen dem Fahrer die gleichen Funktionen wie beim Bordrechner zur Verfügung. Tablet oder Smartphone werden als Fahrerterminal in Kleinbussen, Bedarfsverkehren oder Ruftaxis, die den ÖPNV unterstützen, eingesetzt.

Fazit

Neue, unbekannte Routen, überraschende Umdisponierung oder Umwege durch Baustellen: Gerade in Großstädten kann sich die Streckenführung von Buslinien schnell verändern. Um die Fahrer sicher zu führen, bietet sich ein Tool an, das eine Navigation mit dem Fahrplanungssystem im Hintergrund verbindet. So kann die Leitstelle schnell reagieren und die neuen Routen an die Fahrer direkt im System übermitteln.

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