Berufsverband Deutscher Anästhesisten

Gefährdete Patientenversorgung durch das Versorgungsstärkungsgesetz?

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Götz Geldner / Jürgen Sprenzinger

Die Deutschen Anästhesisten fühlen sich der Gewährleistung der Patientensicherheit verpflichtet
Die Deutschen Anästhesisten fühlen sich der Gewährleistung der Patientensicherheit verpflichtet (Bild: BDA)

Nachstehend ein Kommentar von Prof. Dr. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. zum Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (Versorgungsstärkungsgesetz).

Prof. Dr. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V.
Prof. Dr. Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V. (Bild: BDA)

Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt oder die viel diskutierte Über- und Unterversorgung mit Fachärzten in der Stadt und auf dem Land sind nur einige Punkte, bei denen das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage der medizinischen Versorgung in Deutschland deutlich wird. Die Gründe hierfür sehen wir beim Gesetzgeber und nicht bei den (Fach-)Ärzten: Die Politik hat über Jahre hinweg ein Gesundheitssystem aufgebaut, das einerseits medizinische Leistungen budgetiert, reglementiert und damit einschränkt.

„Blankoschecks für die Bevölkerung“

Andererseits hat sie der Bevölkerung mit der Versichertenkarte „Blankoschecks“ an die Hand gegeben, die den Fehlanreiz setzen, diese Leistungen maximal zu nutzen. Das geplante Gesetz verfehlt sein Ziel der Versorgungsstärkung, schlimmer noch: Es bewirkt das Gegenteil.

Besonders die Debatte um zu lange Wartezeiten wird medial genutzt, ambulant tätige Fachärzte zu diskreditieren. Wenn das Angebot der medizinischen Versorgung im Vergleich zum Bedarf zu gering ist, kann die Lösung nicht in den Ansätzen des sogenannten Versorgungsstärkungsgesetzes liegen.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass freie Arztsitze in überversorgten Gebieten von den Kassenärztlichen Vereinigungen eingezogen oder aufgekauft werden können.

Weiterer Abbau von Facharztpraxen

Dies führt unserer Einschätzung nach zu einem weiteren Abbau von Facharztpraxen. Dadurch werden Wartezeiten eher länger und lange Anfahrtswege müssen zusätzlich in Kauf genommen werden. Für Praxisinhaber wird es zunehmend schwieriger, Nachfolger zu finden.

Weiterhin sieht der Gesetzesentwurf vor, neu geschaffene „Service-Stellen“ bei den Kassenärztlichen Vereinigungen Patienten bei Terminvereinbarungen für schnellere Facharzt-Termine unterstützen, indem sie Termine bei weiter entfernten Ärzten oder sogar im Krankenhaus auf Kosten der praxisambulanten Versorgung vermitteln.

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