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Handel mit Lizenzen Gebrauchtsoftware trifft auf Blockchain

| Autor: Dr. Stefan Riedl

Blockchain-Technologie ist in aller Munde. Marktauguren bescheinigen ihr großes Potenzial neben dem Anwendungsfall „Kryptowährung“. Nun soll via Blockchain die Dokumentation im Gebrauchtsoftwarehandel vorangetrieben werden.

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Wird Blockchain-Technologie neue Impulse für den Gebraucht-Software-Handel bringen?
Wird Blockchain-Technologie neue Impulse für den Gebraucht-Software-Handel bringen?
(Bild: © the_lightwriter - stock.adobe.com)

Die Krux bei Gebrauchtsoftware liegt in der Abgrenzung zwischen illegal vertriebenen Keys und legaler Gebrauchtsoftware. Der Teufel liegt hier im Detail. Ein Beispiel: Angenommen ein Händler von gebrauchter Software kauft 1.000 Nutzungsrechte einer Software und hat dies gut dokumentiert. Woher weiß der Endkunde, dass dieser Händler auch nur maximal 1.000 Stück weiterverkauft?

Nehmen wir an, er verkauft 200 an Kunde A, 200 an Kunde B, 200 an Kunde C, 200 an Kunde D und 200 an Kunde E. Jedem gibt er jeweils eine Kopie seiner Dokumentation über den Erwerb der 1.000 Nutzungsrechte. Damit ist er eigentlich fertig. Alles ist verkauft, aber wer hindert ihn daran, nochmal 200 Lizenzen an Kunde F mit einer weiteren Kopie seiner Dokumentation zu verkaufen? Ab dem Zeitpunkt ist es nicht mehr legal, aber für den Käufer ist das nicht transparent.

So ist beispielsweise nachzuweisen, dass es sich um eine Kauflizenz handelt und dass diese nicht parallel von mehreren Nutzern verwendet wird. Ferner muss dokumentiert werden, woher eine Lizenz stammt und welche Benutzer zeitweise über sie verfügt haben.

„Mit der Blockchain lassen sich all diese Aspekte nun automatisiert und eindeutig nachvollziehbar durchführen“, sagt Michael Helms, Vorstand der Soft & Cloud AG. Kunden des Grevener Spezialisten für Lizenzen aus zweiter Hand können Transaktionen ab sofort zusätzlich durch das Kryptoverfahren validieren lassen. Die Blockchain reduziert den Aufwand beim Lizenztransfer für Käufer und Verkäufer und erhöht die Transaktionssicherheit zusätzlich, verspricht das Unternehmen.

Michael Helms, Vorstand der Soft & Cloud AG
Michael Helms, Vorstand der Soft & Cloud AG
(Bild: Soft and Cloud)

Eine Frage der Dokumentation

Neben dem Nachweis, dass es sich um eine gültige Kauflizenz handelt, die nicht mehrfach im Einsatz ist, muss für den Fall eines Audits dokumentiert werden, woher eine Lizenz stammt und welche Benutzer zeitweise über sie verfügt haben. „Mit der Blockchain lassen sich all diese Aspekte nun automatisiert und eindeutig nachvollziehbar durchführen“, sagt Helms.

Und das könne man sich so vorstellen: Die Blockchain ist als technologische Grundlage von Krypto-Währungen wie Bitcoin bekannt. Um Einheiten der digitalen Währung eindeutig identifizierbar zu machen, ist jede einzelne mit einem sogenannten distinktiven Code versehen. Dieser verhindert es, dass einzelne Einheiten mehrfach vergeben werden. Transaktionen werden durch ein dezentrales System bestätigt und mithilfe von Algorithmen validiert.

Identifikation nach dem Blockchain-Verfahren

Auf den Gebrauchtsoftwarehandel übertragen, ergibt sich folgendes Szenario: Für den Lizenztransfer auf Blockchain-Basis stellt Soft & Cloud den Kunden ein Online-Portal zur Verfügung. Hier können Käufer ein eigenes Konto einrichten und die erworbenen Lizenzzertifikate sowie die Lizenzkette direkt abrufen. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüft nach Angaben von Soft & Cloud die Konformität der gehandelten Lizenzen und bescheinigt diese in Form eines Zertifikats innerhalb eines sogenannten Smart Contracts. Die Ausgabe der darin enthaltenen Lizenzen wird mithilfe besagter Blockchain eindeutig identifiziert.

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Über den Autor

Dr. Stefan Riedl

Dr. Stefan Riedl

Leitender Redakteur