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Orte wie der GovTech Campus: „Für Innovationen in der ­Verwaltung ein ideales ­Beschleunigungsinstrument“

Vor Kurzem öffnete der GovTech Campus Deutschland in Berlin seine Pforten. Künftig werden in diesem gemeinnützigen Verein Staat und Verwaltung, Start-ups sowie Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft an einer modernen und digitalen öffentlichen Verwaltung arbeiten. Markus Schlosser, Leiter Public Sector bei Sopra Steria, erläutert im Interview, was Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen vom GovTech Campus erwarten können und welche Rolle die Fördermitglieder spielen.

Der GovTech Campus in Berlin
Der GovTech Campus in Berlin
(© Vitra_Fotograf Eduardo Perez)

Markus Schlosser, warum braucht es Orte wie den GovTech Campus Deutschland?

2020 arbeiteten 13 Prozent der Verwaltungen mit Start-ups zusammen, ergab die Studie „Branchenkompass Public Sector“ von Sopra Steria und dem F.A.Z-Institut. Die Zahl ist heute wahrscheinlich deutlich höher, bewegt sich allerdings nicht auf einem Niveau, um bei Innovationen und Modernisierung systematisch Tempo aufnehmen zu können. Sicher, die Budgets für Digitalisierungsprojekte stehen zur Verfügung.

Aber es kommt darauf an, diese ­finanziellen Möglichkeiten in zusammenwirkende, digitale Lösungen zu verwandeln. Hierbei helfen Formate, die Kräfte bündeln und übergreifendes Interagieren fördern.

Orte wie der GovTech Campus sind daher ein ideales Beschleunigungsinstrument. Der Campus bringt Gründerinnen und Gründer aus der Tech-Szene, Unternehmen, Wissenschaft und Staat und Verwaltung an einen Tisch. Im Rahmen der gemeinnützigen Vereinsarbeit, zu der sich alle Mitglieder verpflichtet haben, können Innovationen aus einem Guss entstehen und im geschützten Rahmen erprobt werden. Das ist eine neue, einzigartige Form der Zusammenarbeit.

Welchen konkreten Output können die Bürgerinnen und Bürger vom GovTech Campus erwarten?

Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen wollen und müssen den Mehrwert in der Interaktion mit Behörden deutlich spüren, sonst schaffen wir digitale Servicewüsten. Ein Mehrwert von vielen ist, dass behördliche Dinge weniger Zeit in Anspruch nehmen, vielleicht sogar gar keine mehr.

Die Campus-Community wird somit hoffentlich unter anderem daran arbeiten, in welchem Umfang Bürgerinnen und Bürger am Verwaltungsprozess aktiv beteiligt werden müssen, um eine Leistung zu erhalten. Ist es möglich, die Mitwirkung auf ein Minimum zu reduzieren?

Ein kurzes Beispiel: Die Verlängerung der Gültigkeit von Dokumenten lässt sich prinzipiell automatisieren, sodass Bürgerinnen und Bürger eventuell nur ein aktuelles Foto hochladen und Daten aktualisieren müssen. Noch besser wäre es, zu überdenken, ob so eine Gültigkeitsverlängerung überhaupt noch notwendig ist.

Es geht also auch um neue Denkrichtungen und den Aufbau von Tech-Kompetenz: Wenn Verwaltung, Start-ups, Wissenschaft und Unternehmen an einem Ort sind und gemeinsam Fragestellungen bearbeiten, können sie Hürden schneller beseitigen und an den Erfahrungen aller Mitglieder des Vereins partizipieren.

Beratungsunternehmen, auch Sopra Steria, stehen Staat und Verwaltung mit Know-how seit vielen Jahren zur Seite. Nun etablieren sich mehr und mehr Start-ups als neue Dienstleister. Müssen Sie befürchten, dass sie Ihnen womöglich Mandate streitig machen?

Wir fühlen uns den Zielen dieses gemeinnützigen Vereins verbunden und wollen mit allen anderen Mitgliedern unsere Gesellschaft in das digitale Zeitalter führen.

Konkret zur Frage: Nein. Wir betrachten die GovTech-Szene als Bereicherung und als das teilweise fehlende Puz­zlestück bei der beschriebenen gesellschaftlichen Aufgabe. Sopra Steria praktiziert daher bereits seit einigen Jahren die Zusammenarbeit mit Start-ups. Wir verstehen die Start-up-Szene nicht als Konkurrenz, sondern als Komplementär, und für die öffentliche Verwaltung ist diese Verknüpfung von Expertise eine neue Innovationsquelle.

Ein gutes Anwendungsfeld ist die Umsetzung des Ziels, bürgerorientierte Verwaltungsleistungen nach dem Lebenslagenprinzip bereitzustellen. Künftig sollen Bürgerinnen und Bürger beispielsweise bei einem Umzug sämtliche damit verbundenen Dienstleistungen in einem Rutsch online erledigen können: Wohnungssuche, Umzugsorganisation, Wechsel der Meldeadresse, Schulanmeldung der Kinder, Meldung des Hundes an die Steuerbehörde oder die Aktualisierung der Daten bei Energieversorgern und Banken sowie Online-Händlern. Unterschiedliche Behörden sowie private Dienstleister werden zu einer ganzheit­lichen Serviceleistung verknüpft. Vernetzte Systeme passen die erforderlichen Daten automatisiert an, sobald der Umzug gemeldet wurde.

GovTechs haben teilweise sehr gut passende kundenzentrierte Geschäftsmodelle für dieses Zielbild und können einzelne Bausteine viel schneller und wahrscheinlich auch besser entwickeln als eine Kommune, ein Bundesland oder der Bund. Es braucht jedoch ebenfalls Akteure, die die entstehenden digitalen Services und Plattformen überblicken, betreiben, sichern und weiterentwickeln.

Und diese Rolle übernehmen Sie?

Wir verstehen uns mit unserer fachlichen und technologischen Expertise als exzellentes Bindeglied und Übersetzer zwischen dem komplexen Verwaltungskosmos und der dynamischen GovTech-Welt. Diese Rolle wollen wir auch in der Arbeit auf dem GovTech Campus Deutschland ausfüllen. Darüber hinaus wollen wir uns konkret beim Aufbau digitaler Kompetenzen einbringen. Diese Kompetenzen sind wichtig, um effektiver mit Start-ups und Tech-Unternehmen zusammenzuar­beiten.

Wir verstehen uns als Technologieunternehmen. Unsere Expertinnen und Experten bauen zusammen mit unseren Kunden, der GovTech-Szene und weiteren Partnern ganze Ökosysteme auf, und wir können diese Plattformen in Eigenverantwortung effizient betreiben.

Die operative Arbeit auf dem GovTech Campus beginnt nun. Welche Projekte sollten im Fokus stehen?

Klar ist: Wenn Staat und Verwaltung stärker auf GovTech-Lösungen setzen wollen, müssen unter anderem Regeln, Standards, Prozesse, IT-Systeme und Datenhaushalte interoperabel sein. Dies herzustellen, ist eine der drängenden Aufgaben für alle Beteiligten und ein Kraftakt. Es geht um die Bereitstellung von APIs, aber nicht nur. Es geht zudem um eine andere Verarbeitung von Daten – beispielsweise weg von der Batch- hin zur Echtzeitverarbeitung für ein unmittelbares Nutzerfeedback. Interoperabilität kann sogar so weit gehen, dass in einem Einsatzleitsystem für Feuerwehren unterschiedlich genutzte Begriffe automatisiert übersetzt werden, damit die Systeme regional übergreifend funktionieren.

Es ist jedoch wichtig, Interoperabilität nicht misszuverstehen und mit Vereinheitlichung gleichzusetzen. Die unterschiedlichen Systeme müssen aber miteinander sprechen können und dürfen sich nicht gegenseitig aussperren.

Zusammen mit PUBLIC arbeiten wir aktuell an einem Report, um das gegenseitige Verständnis zwischen Verwaltung und privatwirtschaftlichen Dienstleistern zu fördern. Dazu findet derzeit eine Umfrage unter verschiedenen Start-ups und Verwaltungen in Europa statt. Über die Ergebnisse werden wir im Sommer berichten. Heute und in Zukunft kommt es deshalb vermehrt darauf an, die Technologieszene und das GovTech-Ökosystem aktiv in die digitale Verwaltungstransformation einzubeziehen – und ich bin davon überzeugt, dass wir das als starker E-Government-Partner auch leisten können. Nicht nur im Zusammenhang mit interoperablen Prozessen, sondern vor allem als Schnittstelle im Aufeinandertreffen von digitalen Innovationen und Technologien für Staat, Verwaltung und Demokratie – als systemisches Bindeglied, um Technologien für eine zukunftsfähige Verwaltung anwendungsorientiert dort zur Verfügung zu stellen, wo sie auch wirklich gebraucht werden.

Weitere Informationen zu den Lösungen von Sopra Steria finden Sie hier.

Markus Schlosser
Leiter Public Sector bei Sopra Steria

Kontakt:
E-Mail: public-sector.de@soprasteria.com
Tel.: +49 40 22703-0

Bildquelle: Sopra Steria

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