Herausforderung für Städte & Kommunen

Fünf Leitplanken für Smart-City-Projekte

| Autor / Redakteur: Kai Tepe* / Susanne Ehneß

Hinzu kommen häufig weitere Schwierigkeiten: Viele Pilotprojekte zeigen, dass die Abstimmung zwischen den verschiedenen involvierten Ämtern überaus wichtig ist.

Nicht immer ist klar, welches Amt welches Budget einbringt. Ebenso werden die Daten oft nicht auf einer einheitlichen, zentralen IT-Plattform zusammengeführt und ausgewertet, was ein übergreifendes Controlling verhindert.

Auch für die Schnittstellen zwischen den eingesetzten Technologien existieren bisher kaum Normen und Standards. Damit besteht die Gefahr, dass nur schwer zu erweiternde Insellösungen implementiert werden. Aus diesen Erfahrungen lassen sich Voraussetzungen ableiten für langfristig erfolgreiche Projekte:

1. Verwaltung und Organisation anpassen

Der Einsatz neuer vernetzter Technologien erfordert sowohl eine Optimierung der Organisations- und Kommunikationsstrukturen zwischen den beteiligten Ämtern als auch neue Wege der Zusammenarbeit mit Bürgern, Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

Dazu ist es sinnvoll, eigene Abteilungen mit speziell geschultem Personal zur Koordination der Smart-City-Aktivitäten zu schaffen, die moderne Management-Methoden einsetzen. Als Basis für die Zusammenarbeit sollten mittels einer Bedarfsanalyse langfristige Ziele definiert und potenzielle Lösungen entwickelt werden.

2. Zukunftsfähige Datenplattformen aufbauen

Bestehende eGovernment-Lösungen sollten ausgebaut und die Integration zukünftiger Dienste eingeplant werden, die den Bürgern Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen und Prozesse etwa beim Abfall-, Verkehrs- und Energiemanagement optimieren. Stadtverwaltungen sollten hierzu effiziente Datenplattformen planen und betreiben, die die Daten aus den verschiedenen Bereichen zusammenführen und verarbeiten.

Abhängigkeiten von Technologieanbietern lassen sich durch den Einsatz offener Standards umgehen. Eine Open-Data-Strategie stellt sicher, dass auch andere Akteure, wie Start-ups oder Forschungseinrichtungen, an neuen Anwendungen arbeiten können.

3. Lokale Innovationskraft fördern

Innovation ist die Triebfeder einer Smart City. Sie schöpft die Potenziale der lokalen Start-ups, KMUs und Universitäten optimal aus, indem sie geeignete Beteiligungs-, Kommunikations- und Fördermodelle, wie „City Labs“, entwickelt. Ziel ist es, die Qualität und Akzeptanz der Smart-City-Lösungen zu maximieren. „City Labs“ haben sich unter anderem im niederländischen Eindhoven in der Praxis bewährt. Hierbei werden in einem begrenzten Gebiet Lösungen und Projekte implementiert, mit Vorteilen für alle Beteiligten.

Bürger können unter Realbedingungen erste Erfahrungen sammeln, während Technologiehersteller und Stadt ihre Angebote basierend auf dem Feedback optimieren können. So testet Eindhoven im ehemaligen Industrieareal „Strijp-S“ unter anderem innovative Funktionen an Straßenlaternen, bevor diese im gesamten Stadtgebiet eingesetzt werden.

4. Spielregeln definieren

Durch geeignete regulatorische Rahmenbedingungen und Anreizsysteme kann die Entwicklung hin zu einer Smart City beschleunigt werden. Ein Beispiel dafür ist ein City-Maut-System. Während Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren hohe Mautgebühren innerhalb des Stadtgebiets zahlen müssen, sind emissionsfreie Elektrofahrzeuge von der Gebühr ausgenommen.

Für den Erfolg solcher Maßnahmen ist es notwendig, dass die Vorschriften konsequent überwacht werden.

5. Innovativ finanzieren und ausschreiben

Innovative, technologiebasierte Lösungen sind oft komplex und betreffen gleich mehrere Ämter und Abteilungen der Stadtverwaltung. Daraus ergeben sich häufig Hürden bei der Ausschreibung. Unter anderem ist zu klären, welche Stelle welches Budget zur Verfügung stellt.

Zudem sind neue Verfahren gefragt: Städte können mit Forschungspartnerschaften und Co-Investment-Strategien gezielt die Entwicklung neuer Technologien fördern. Im wettbewerblichen Dialog können gemeinsam mit potenziellen Auftragnehmern Details der Ausschreibung diskutiert werden, um Anforderungen genauer zu definieren. Auch sollten Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte verstärkt als ­Zuschlagskriterium herangezogen werden, um die Lebensqualität der Bürger zu verbessern.

Der Autor: Kai Tepe*
Der Autor: Kai Tepe* (Bild: TÜV Süd)

Fazit

Die Transformation hin zu einer Smart City ist ein lohnender, aber anspruchsvoller Prozess, für den es kein Patentrezept gibt. Pilot­projekte sind wichtig, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Städte, die die fünf beschriebenen Erfolgsfaktoren berücksichtigen, verbessern ihre Chancen, sich langfristig smart, effizient und innovativ weiterzuentwickeln.

Analyse für mehr Nachhaltigkeit

Im „TÜV SÜD-Smart City Assessment“ wird anhand von über 100 Indikatoren und rund 90 Handlungsfeldern der Ist-Zustand einer Stadt analysiert. In einem Ergebnisbericht werden die Stärken und Schwächen sowie der Handlungsbedarf aufgezeigt. Das Smart City Lab nutzt diese Ergebnisse und entwirft zusammen mit den Beteiligten eine Gesamtstrategie für die Stadt der Zukunft. Mehr Informationen hierzu gibt es hier.

* Kai Tepe, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, TÜV SÜD ImmoWert GmbH

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