Vernetztes Gesundheitswesen

Fünf Jahre nationale Patientenakte in Schweden

| Autor: Manfred Klein

„Erfolgreiche eHealth-Projekte haben meist eine Grundlage: Sie folgen einer klaren politischen Strategie und sind Teil einer umfassenden Gesundheitsreform“, sagt InterSystems-Manager Hofmann. Die Technologie hat in diesem Transformationsprozess die Rolle des „Enablers“. Entscheidend für den Erfolg sind aber die Gestaltung der Abläufe und Prozesse sowie die rechtlichen Grundlagen. So war es auch bei der nationalen Patientenakte in Schweden, die seit fünf Jahren im Einsatz ist. Die gesetzliche Grundlage lieferte 2004–2005 der New Swedish Healthcare Act.

Heute sind in Schweden alle Gesundheitseinrichtungen landesweit vernetzt. Die medizinischen Daten können ohne Barrieren dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden: zu Fachärzten, Kliniken, Pflege oder Apotheken. Die Nationell Patientöversikt (NPÖ) zieht die relevanten Daten aus den regionalen Systemen und stellt den berechtigten Personen eine übersichtliche Behandlungshistorie bereit – online und passwortgeschützt. Die Daten werden in der NPÖ nur temporär für die Behandlung gespeichert. Eigentümer der Daten bleiben die Gesundheitseinrichtungen, die sie angelegt haben.

Der Weg zur landesweiten Gesundheitsvernetzung wurde Schritt für Schritt geebnet: Zuerst erfolgte – im Rahmen einer nationalen Gesundheitsreform – die Konsolidierung von Technik und Organisation in den Regionen. Diese wurden dann auf Basis eines einheitlichen Standards landesweit vernetzt. Die Umsetzung gelang in wenigen Jahren.

Sehr gute Akzeptanz

99,5 Prozent der schwedischen Bürger gaben ihr Einverständnis zur Teilnahme am Programm. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die nationale Patientenakte erhöht die Qualität der Behandlung vor allem für chronisch Kranke und pflegebedürftige Menschen. Im nächsten Schritt will die schwedische Regierung die Patienten stärker einbinden und ihnen ermöglichen, ihre Daten einzusehen und eventuell auch selbst Daten in das System einzugeben.

„Aus deutscher Perspektive könnte man jetzt einwenden, Schweden sei ohnehin ein zentral gesteuertes Gesundheitssystem. Doch das Beispiel Schweiz zeigt, dass eine nationale Patientenakte auch in einem föderalen System umsetzbar ist“, sagt Volker Hofmann.

Föderalismus ist kein Hinderungsgrund für Vernetzung

In der Schweiz sind die Kantone für die Gesundheitsversorgung der Bürger verantwortlich. Trotz dieses föderalen Systems arbeitet die Schweiz aktuell daran, eine nationale Patientenakte erfolgreich einzuführen. Die Grundlage dazu legt die Strategie eHealth Schweiz. Den Anfang machte 2013 der Kanton St. Gallen, als er mit dem Projekt Ponte Vecchio seine Spitalverbünde und die niedergelassenen Ärzte vernetzt hat.

„Es war das erste intersektorale Vernetzungsprojekt in der Schweiz. Zuvor waren die Prozesse wegen des föderalen Systems und der diversen Verbünde von Kliniken und niedergelassenen Ärzten sehr kleinteilig. Fehler waren sozusagen im System immanent“, so Volker Hofmann.

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Sehr geehrter Herr Klein, ich darf darauf hinweisen, dass auch Österreich in Sachen elektronische...  lesen
posted am 19.01.2016 um 10:07 von Unregistriert


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