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Vernetztes Gesundheitswesen

Fünf Jahre nationale Patientenakte in Schweden

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Ponte Vecchio bildet heute eine Brücke zwischen den Kliniken und Arztpraxen. Auf dieser Brücke werden Dienste angesiedelt, wie etwa die elektronische Patientenakte. Man spricht von Shared Services, die zentral gehostet und bereitgestellt werden. Dadurch sind bei den Kliniken keine größeren technischen Änderungen nötig.

Die technische Umsetzung erfolgte in nur neun Monaten in enger Zusammenarbeit der drei Partner BINT GmbH, Gesundheitsdepartement St. Gallen und Health Info Net AG (HIN) unter Einsatz der Standardsoftware von InterSystems. Dabei verwendeten die Partner die bestehende und bewährte Sicherheitsinfrastruktur in der Schweiz und banden das Shared Service Center IT der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen ein. Die Veränderung fand, wenn es möglich war, auf Basis der bestehenden Infrastruktur statt.

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Nun können durch die Vernetzung die niedergelassenen Ärzte und Kliniken relevante Patientendaten digital einsehen. Die Daten stehen in Sekunden bereit, ohne dass in den Kliniken große organisatorische oder technische Veränderungen vorgenommen werden mussten.

Da das System auf den Empfehlungen der nationalen eHealth-Strategie fußt, sind eine Skalierung und die Einbindung weiterer Kantone möglich. Die guten Erfahrungen und eine positive Resonanz – Ponte Vecchio wurde in der Evaluation durch die Berner Fachhochschule in fast allen Kriterien als gut bis sehr gut eingestuft – legen es zumindest nahe.

Die klaren rechtlichen, organisatorischen und technischen Vorgaben einer nationalen Strategie sorgen in der Schweiz dafür, dass sich alle Beteiligten gleichermaßen auf eHealth vorbereiten können. Eine verteilte nationale Patientenakte kann in kurzer Zeit realisiert werden.

„Deutschland sollte nun nachziehen, um den Anschluss nicht zu verlieren und den Patientennutzen zu stärken“, rät Volker Hofmann. „Es geht darum, ein Plus an Qualität, Innovation und Bezahlbarkeit zu erzielen.“

Die Schweiz plant ebenso wie bereits Schweden, neben dem medizinischen Fachpersonal auch die Patienten aktiv in das System einzubeziehen – zunächst mit Lese- und später auch Schreibrechten. Mittelfristig kann auch die Wirtschaft Teil des Systems werden. Technisch ist das schon heute möglich. Die größten Hürden dürften die rechtlichen Bestimmungen und das Schaffen von klaren Prozessen sein, die allen Beteiligten ein Gefühl der Sicherheit geben. Allen muss klar sein: Die eHealth-Strategie hilft, notwendige Prozesse über Sektoren hinweg zu etablieren und Fehler, die möglicherweise Leben kosten können, zu vermeiden.

Mit dem eHealth-Gesetz hat Deutschland einen Anfang gemacht, dem nun weitere Maßnahmen folgen müssen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, eine klare eHealth-Strategie zu entwickeln. Anregungen dazu können sich die Verantwortlichen in der Schweiz holen.

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