Bürgerdienste beim eGovernment Führerscheinanträge über Web Services

Redakteur: Gerald Viola

Wie können Organisationen aus Wirtschaft und Verwaltung miteinander verknüpft werden und dennoch ihre eigene Sicht behalten? LaIF-eBD perfektioniert die Abwicklung von Fahrerlaubnisanträgen zwischen Fahrschulen und Führerscheinstellen. Aus Sicht der Fahrschule verschwinden die Landkreisgrenzen; deshalb ist der eBürgerdienst auch für den Einsatz in Metropolregionen bestens geeignet.

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Erfassung eines Fahrschulantrags über das Internet (Quelle: DZBW)
Erfassung eines Fahrschulantrags über das Internet (Quelle: DZBW)
( Archiv: Vogel Business Media )

Ein Blick in den Alltag von Fahrschule und Führerscheinstelle zeigt, dass die einzelnen EDV-Produkte überwiegend den Innenbereich im Blick haben. Daraus resultieren Insellösungen, die auf Papier geführt werden müssen. Daten werden ausgedruckt und erneut erfasst.

Die Fahrschule ist in einer Region tätig. Größere Fahrschulen besitzen oft Zweigstellen, sodass ihre Fahrschüler häufig aus unterschiedlichen Stadt- oder Landkreisen kommen. Der Antrag auf eine Fahrerlaubnis ist in der örtlich zuständigen Führerscheinstelle zu stellen, also in der Führerscheinstelle, in deren Kreisgebiet der Antragsteller wohnt. Je nach Antragsart – zum Beispiel Ersterteilung, Erweiterung oder Führerschein ab 17 – gibt es unterschiedliche Antragsvordrucke. Für den Bürger ist es sehr aufwendig, den richtigen Vordruck zu verwenden und alle erforderlichen ergänzenden Unterlagen beizubringen.

Deshalb bieten viele Fahrschulen als Service an, den „Papierkram“ mit zu erledigen. Die Folge ist, dass die Fahrschulen für jede Vorgangsart und für jede Führerscheinstelle Papieranträge in ausreichender Anzahl vorhalten und damit einen ganzen Aktenschrank füllen können. Diese Anträge werden von Hand ausgefüllt. Die erforderlichen Unterlagen werden angehängt. Die Vollständigkeit der beigebrachten Dokumente muss manuell sichergestellt werden. Zu den angeforderten Unterlagen gehört auch die Meldebestätigung der Gemeinde. Diese muss der Bürger vorab beim Rathaus seines Wohnortes beantragen.

Einmal pro Woche muss ein Mitarbeiter der Fahrschule jede Führerscheinstelle persönlich aufsuchen und die Anträge abgeben. Die Führerscheinstelle prüft jeden Antrag auf korrekt ausgefüllte Daten und vollständig angehängte Unterlagen. Anschließend werden die qualifizierten Daten von Hand erfasst. Falls eine Archivsoftware eingesetzt wird, werden die Papierunterlagen zum Antrag eingescannt.

Aus dieser gelebten Praxis ergeben sich spannende Aufgaben, die über bekannte eBürgerdienste weit hinausgehen. Zum einen müssen unterschiedliche räumliche Sichten für die Fahrschule und für die Führerscheinstelle angeboten werden. Zum anderen gehören nicht nur qualifizierte Daten zu einem Antrag, sondern auch Dokumente. Diesen Anforderungen wird LaIF-eBD mit praktikablen Lösungen gerecht, wie bereits im Echteinsatz in zwei Kreisen in Baden-Württemberg unter Beweis gestellt wird.

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Was ändert sich durch den Einsatz für die Fahrschule?

Die Fahrschule behält ihren Blick auf alle Fahrschüler, unabhängig davon, in welchem Landkreis der Fahrschüler wohnt. Die Prüfung der Zuständigkeit ergibt sich aus dem Regionsgedanken. Anhand der eingegebenen Postleitzahl wird die Führerscheinstelle ermittelt, die den Antrag bearbeitet. Ergänzend kann die Führerscheinstelle zu jedem Internetantrag individuelle Vorgaben machen.

Große Fahrschulen setzen gerne eine Fahrschulsoftware ein, die die Verwaltung der Bewerber vereinfacht. Erfasste Daten können durch eine neutrale Importschnittstelle wiederverwendet werden. Dazu werden von großen Anbietern bereits Implementierungen angeboten.

Zu einem Fahrerlaubnisantrag gehören neben qualifizierten Daten auch Dokumente wie das Passbild oder der Nachweis über einen Sehtest. Für das Beifügen dieser Dokumente gibt es eine komfortable Oberfläche, die abhängig von der Führerscheinstelle, vom Vorgang und von der beantragten Klasse alle erforderlichen Unterlagen auflistet. Die Unterlagen können direkt über eine integrierte TWAIN-Schnittstelle eingescannt werden. Wahlweise ist der Import von bereits elektronisch vorliegenden Dokumenten über die FILE-Schnittstelle möglich. Als weitere Alternative kann ein Internetantrag gedruckt werden, dem die Papierunterlagen angefügt werden.

Die an LaIF-eBD teilnehmenden Fahrschulen sind nicht mehr auf die Öffnungszeiten der Führerscheinstelle angewiesen. Sie können sich jederzeit über den Bearbeitungsstand der Führerscheinanträge informieren.

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Welche Vorteile hat die Führerscheinstelle?

Neben den Fahrschulen profitiert auch die Führerscheinstelle selbst von dem neuen eBürgerdienst. Die Erfassungsarbeit verringert sich. Routineanfragen der Fahrschulen brauchen nicht mehr von Mitarbeitern der Führerscheinstelle bearbeitet zu werden. Ein separater Eingangskorb weist auf offene Internetanträge hin. Die Prüfung dieser Anträge erfolgt jetzt komfortabel am PC. Die elektronisch zur Verfügung stehenden Daten können individuell weiterverwendet werden.

Die Personendaten werden online mit den Daten des Melderegisters aller Gemeinden innerhalb eines Landkreises verglichen. Je Gemeinde kann eine individuell eingesetzte Meldesoftware angebunden werden. Hier wird festgestellt, ob der Antragsteller im Landkreis wohnhaft ist; dabei werden abweichende Daten automatisch korrigiert. Passbild und Unterschrift werden für den digitalen Antrag bei der Bundesdruckerei über DIGANT FS verwendet. Die formalen Prüfungen – wie beispielsweise Mindestgröße des Lichtbilds – finden bereits beim Scannen in der Fahrschule statt. Damit werden Fehler und die sich daraus ergebenden aufwendigen Nacharbeiten vermieden.

Alle weiteren Unterlagen werden entweder im Dokumentenmodul von LaIF gespeichert oder an eine angeschlossene Archivsoftware weitergereicht. Hierzu werden die Unterlagen in LaIF in das für Langzeitarchive übliche Standardformat PDF/A konvertiert. Eine Statussteuerung ermöglicht auch die Prüfung und Weitergabe in Teilschritten. Steht beispielsweise die Archivsoftware nicht zur Verfügung, kann der Rest des Antrags abgearbeitet werden, und die Weitergabe der Dokumente wird später nachgeholt.

Gibt es bei der Bearbeitung des Antrags noch Fragen an die Fahrschule, wird der Antrag an die Fahrschule zurückgereicht. Dabei kann die Unklarheit in einer eMail an den zuständigen Bearbeiter formuliert werden. Die Fahrschule klärt die Fragen und kann den korrigierten Antrag über LaIF-eBD wieder bei der Führerscheinstelle einreichen. Über die Weiterverarbeitung des Antrags in der Führerscheinstelle wird die Fahrschule ebenfalls über LaIF-eBD informiert. Dabei wird der jeweilige Zustand des Antrags erkannt: Ist der Antrag auf den Führerschein bei der Bundesdruckerei bereits erstellt oder weitergeleitet? Ist der TÜV bereits mit der Prüfung beauftragt worden?

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Gewinn

Mit dem Webservice LaIF-eBD wurde nicht nur ein modernes Hilfsmittel zur Kommunikation zwischen Fahrschulen und Führerscheinstellen geschaffen. Es ist auch von Vorteil, dass Fahrschule und Führerscheinstelle ihre unterschiedlichen Sichten auf die Fahrschüler behalten. Die Fahrschule hat für jede Führerscheinstelle das gleiche elektronische Formular, das gleichzeitig unterschiedliche Anforderungen der einzelnen Führerscheinstelle darstellt.

Besonderes Plus von LaIF-eBD: Der Dienst integriert bereits bestehende Software auf hohem Niveau. Hauptkomponenten sind hierbei die Verwaltungstools für die Führerscheinstellen und die Software, die die Fahrschule zur Verwaltung ihrer Daten einsetzen. Aber auch die Software der Meldeämter, Archivsysteme und die Programme für die Kommunikation mit der Bundesdruckerei werden einbezogen. Die einzelnen Softwareinseln werden durch diesen Web Service optimal miteinander verbunden. Die Daten können medienbruchfrei von der Fahrschule an die Führerscheinstelle weitergereicht werden. Plausibilitätsprüfungen durch Spezialsoftware werden so früh wie möglich durchgeführt.

Als Systemvoraussetzung für den Betrieb reicht ein Apache Tomcat ab Version 5.5 als Webserver aus; mit Mozilla Firefox und Internet Explorer werden die gängigen Browser unterstützt.

Der eBürgerdienst LaIF-eBD ist ein neues Produkt aus dem Haus der Datenzentrale Baden-Württemberg (DZBW). Mit der gelungenen Anwendungssoftware für Kommunen und Kreise beweist das Softwareentwicklungs- und Beratungsunternehmen einmal mehr sein profundes Know-how und Verständnis hinsichtlich der Aufgabenstellungen und Geschäftsprozesse Öffentlicher Verwaltungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Dezember 2009 im „eGovernment Kompendium 2010“. Der „Call for Papers“ für das „eGovernment Kompendium 2011“ startet am 21. Juni 2010.

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