Der Redaktionsbeirat im Dialog

Frontalangriff auf den klassischen Staat?

| Redakteur: Manfred Klein

(© mk)

Immer mehr Experten gehen davon aus, dass Blockchains, Chatbots und der zunehmende Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI) unsere Gesellschaft in dramatischer Weise verändern werden. Ob das auch für die Öffentliche Verwaltung gilt, hat der ­Redaktionsbeirat der eGovernment Computing in seiner aktuellen Sitzung untersucht.

Der Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) Franz-Reinhard Habbel fasste zu Beginn der Diskussion die gegenwärtige Situation so zusammen: „Ganz sicher werden sowohl Blockchain wie auch Chatbots und KI die Öffentliche Verwaltung in den nächsten Jahren massiv verändern. Auf diesen Wandel vorbereitet sind wir jedoch nicht. Das gilt sowohl für die Öffentliche Verwaltung wie auch für die Politik.“

Habbel warnte zugleich davor, dass Europa und insbesondere Deutschland in diesem Bereich – wie in vielen anderen Feldern der IT auch – wieder einmal den internationalen Anschluss verpassen könnten. Noch seien sich die Experten darin einig, so Habbel, dass Europa in diesem Bereich vor anderen Ländern derzeit noch einen Vorsprung von etwa zwei Jahren habe. Dies gelte auch für die USA und Japan. „Die Frage ist jetzt, verspielen wir diesen Vorsprung wieder einmal oder nutzen wir ihn auch für die Modernisierung der Öffentlichen Verwaltung“, so Habbel.

Personalabbau oder Serviceerweiterung?

Im Zusammenhang mit dem Einsatz neuer IT-Technologien wird ja gerne die Frage diskutiert, ob damit ein Personalabbau innerhalb der Öffentlichen Verwaltungen einhergehe. Franz-Reinhard Habbel erteilte dieser Ansicht in seiner Äußerung eine klare Absage: „Dabei geht es mir nicht um das Verdrängen von Mitarbeitern durch automatisierte Prozesse, sondern um die Frage einer Serviceerweiterung der Verwaltungen.“

Dazu gehöre auch eine Vereinfachung der Verwaltungsprozesse und insbesondere der Zugänge zur Verwaltung. Zudem müsste auch über die Um- oder Neugestaltung von Politikfeldern nachgedacht werden. Dazu Habbel: „Ich habe kürzlich die Entwicklerkonferenz in den Vereinigten Staaten bei Apple verfolgt und wenn man sich vergegenwärtigt, dass in einem Raum etwa 5.000 Software-Entwickler aus der ganzen Welt sitzen und kein einziger Politiker sich in dem Raum befindet, dann kann man sich relativ schnell ausrechnen, wer eigentlich die Welt definiert, wenn es um die Frage geht, wie digitale Dienste und Services in Zukunft aussehen werden.“

Auch für den Einsatz der KI sieht Habbel großes Potenzial. So verwies er auf ein Projekt des DStGB in einem Wuppertaler Pflegeheim, bei dem es darum gehe, Roboter einzusetzen, die Demenzkranke daran erinnern, genügend zu trinken. Dies sei keine Ersatzpflege, sondern es gehe in diesem Projekt darum, Assistenzleistungen zu entwickeln.

Dem Einsatz von Chatbots sieht Habbel mit besonderer Spannung entgegen, da dieser Zugang zur Öffentlichen Verwaltung über Messenger-Dienste mit einer persönlichen Sprachkomponente, neue Dienstleistungen der Öffentlichen Verwaltung ermöglichen würden. So habe die Stadt Berlin gerade begonnen, so ein System aufzubauen und die Stadt Wien habe ein solches bereits im Einsatz. Zudem gebe es in Österreich, in der Schweiz und auch in Deutschland mittlerweile verschiedene Projekte in diesem Bereich.

Dazu Habbel: „Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass die Homepage für das Angebot von Dienstleistungen der Verwaltungen tot ist. Solche Dinge werden in den kommenden Jahren direkter – etwa über Chatbots – organisiert werden.“

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