Prototyp fertiggestellt

Fraunhofer IPA entwickelt einen intelligenten Pflegewagen

| Autor: Ira Zahorsky

Der intelligente Pflegewagen fährt autonom zum Einsatzort.
Der intelligente Pflegewagen fährt autonom zum Einsatzort. (Bild: Fraunhofer IPA)

Der vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA vorgestellte Pflegewagen soll die Pflegekräfte im Berufsalltag informatorisch und physisch unterstützen. Das Gerät kommt auf Anforderung, hält Pflegematerial vorrätig und dokumentiert den Verbrauch.

Bisherige Pflegewagen bieten noch nicht die optimale Unterstützung für die Pflegekräfte. Vor allem in Notfällen stehen die Wagen oft nicht dort, wo das Personal sie gerade braucht. Außerdem sind sie oft unzureichend bestückt. Dadurch verlieren die Pflegekräfte Zeit, weil sie fehlendes Material erst separat aus dem Lager holen müssen, zumal die Laufwege in den Wohnbereichen oder Stationen sehr weit sind. Die Dokumentation der durchgeführten Pflegetätigkeiten und des dabei verbrauchten Materials erfordert selbst bei Nutzung elektronischer Medien viel Zeit, weshalb die Pflegekräfte diese Arbeit oft noch nach Schichtende erledigen müssen.

Verbesserungen für den Berufsalltag

Technische Assistenzsysteme können die schwierigen Arbeitsbedingungen in der stationären Alten- oder Krankenpflege verbessern, indem sie die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit unterstützen und entlasten und ihnen somit mehr Zeit für die Interaktion mit den Pflegebedürftigen verschaffen. Großes Entlastungspotenzial sowohl gesundheitlicher als auch zeitlicher Art bietet der Pflegeprozess selbst, bei dem der intelligente Pflegewagen unterstützen soll.

Über das Touchpad kann der Verbrauch an Pflegeutensilien dokumentiert werden.
Über das Touchpad kann der Verbrauch an Pflegeutensilien dokumentiert werden. (Bild: Fraunhofer IPA)

Für einen ersten Prototyp haben die Wissenschaftler die mobile Basis des Serviceroboters „Care-O-bot 4“ mit einem neuen Aufbau versehen, der mit Pflegematerial befüllt werden kann. Wenn der Pflegewagen an die Rufanlage einer Einrichtung angebunden ist, kann er automatisch zu dem Zimmer fahren, in dem ein Patient geklingelt hat. Über den integrierten Touchscreen kann die Pflegekraft ihre Anwesenheit quittieren oder den Roboter – wenn er nicht mehr benötigt wird – wieder freigeben. Zudem kann sie über das Display einfach dokumentieren, welche Pflegeutensilien sie verbraucht hat.

Pflegewagen fährt bei Fuß

„Wir möchten den Pflegewagen so weiterentwickeln, dass er mit seinen intelligenten Assistenzfunktionen den Berufsalltag verbessert. Der Wagen soll beispielsweise immer dort sein, wo die Pfleger ihn brauchen und so unnötige Laufwege ersparen“, erklärt Dr. Birgit Graf, Gruppenleiterin für Haushalts- und Assistenzrobotik am Fraunhofer IPA. Dafür ist er mit einem Navigationssystem ausgestattet, mit dem er selbstständig zum vorgegebenen Ziel fahren kann. Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen, erkennt er automatisch und umfährt sie. Neben der Anbindung an die Rufanlage ist die Anforderung des Wagens auch per Smartphone möglich.

In weiteren Ausbaustufen soll der Wagen den Pflegekräften automatisch folgen. Mithilfe eines komplett automatisierten Anreichemechanismus soll er die Pflegematerialien ergonomisch und hygienisch bereitstellen. Die Pflegedokumentation erfolgt direkt vor Ort am Bildschirm des Pflegewagens.

Schließlich möchten die Wissenschaftler die Anbindung an ein automatisiertes Zentrallager untersuchen, das die Pflegewagen bestückt, Lagerbestände elektronisch überwacht und bei Bedarf nachbestellt.

Ergänzendes zum Thema
 
Pflegewagen als Teil des Projekts „SeRoDi“
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