Thema: Thomas Hobbes und die Blockchain

erstellt am: 29.06.2016 14:12

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Die Auswirkung einer Technologie auf den Begriff der „Staatlichkeit“
Thomas Hobbes und die Blockchain


Hat die Blockchain-Technologie – die derzeit schon die Vorstände von Traditionsbanken umtreibt – auch das Zeug, unser Verständnis von Staatlichkeit zu revolutionieren oder wird es bei der Etablierung Serviceleistungen der Verwaltungen beim „weiter-wie-bisher“ bleiben?

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woksoll





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Kommentar zu: Thomas Hobbes und die Blockchain
29.06.2016 14:12

Theoretisch bieten Blockchain-Technologien Vorteile. Aber wie sieht es praktisch aus?
Bei Bitcoin wächst die Blockchain-Größe exponentiell:
https://blockchain.info/de/charts/blocks-size?timespan=all&showDataPoints=false&daysAverageString=1&show_header=true&scale=0&address=
Allein im letzten Jahr hat sie sich auf 70 GB verdoppelt. Das heißt aber, dass diese recht junge Technologie recht schnell in Größenordnungen wächst, die a) über die Ideen aus der Torrent-Szene hinaus wächst, die mit initiierend war, und b) sehr schnell in den Terabyte und Petabytebereich zu wachsen scheint und damit die Dezentralität stark eingeschränkt wird. Schon der Club of Rome lehrte in den 70ern, dass man bei exponentiellem Wachstum immer die Augen offen halten sollte.

Auf der anderen Seite ist diese Technologie für deutsche Verwaltungen überhaupt nichts. Wir tun uns mit der Digitalisierung schwer, egal wie gut Amazon, Facebook, Google, Ebya, Bitcoin, usw. in den USA damit zurecht kommen.

Wir schaffen es dagegen nach 20 Jahren Signaturgesetzgebastele, dieses flächendeckend einzuführen. Das Juristen-Projekt beA fährt von Wand zu Wand, um dagegen zu fahren. 20 Jahre nach der Geburt gibt es kein akzeptables Userinterface dazu? Not fit for purpose? Bei den anderen Basteleien wie nPA und De-Mail hat der Normenkontrollrat längst aufgegeben, seiner Aufgabe nachzukommen und die zugrunde liegenden Normen zu evaluieren, ob sie denn Bürokratie abgebaut haben. Staat dessen übt er Durchhalteparolen und behauptet, missratene Normen können man durch Durchhalteparloen und immer neue Gremien sowie starke Hände substituieren. Da liegt dann Leviathian und das Staatswohl zugrunde, sondern eher Die unendliche Geschichte als gar ewigliches Entertainment ohne jeglichen Nutzen. Wie Märchen nun mal so sind.

Die US-Firma Gartner rät seit Jahrzehnten, dass man auch auf die Ability to execute achten solle. Und die fehlt weitestgehend in der deutschen Verwaltung. In D wurde ein zentrales Melderegister boykottiert und Bürgern und Polizei die Arbeit erschwert, um ein paar Gröschelchen Mehreinnahmen für Kommune und IT-Dienstleister zu haben. Anders als in Österreich. Für das Gewerberegister braucht man in Berlin eine qualifizierte Signatur. Das Signaturgesetz aber will das BMWi abschaffen, weil es inkompatibel zu eIDAS ist. Für das elektronische Fürhungszeugnis braucht es einen freigeschalteten nPA und ein Lesegerät. Der nPA hat aber andere elektrische Technologie als die früheren Qualsigs. Der Business Case fliegt dahin und landet wie das beA an der Wand.

In einem solchen Environment mit mangelhaftem Reifegrad ist es zwar als Entspannungsübung schön, über fortgeschrittene Technologien zu sinnen, bei denen man noch nicht weiß, ob sie skalieren werden, aber es könnte auch die Überforderungsgeschwindigkeit erhöhen und noch mehr Projekte vor die Wand setzen. Wir müssen doch schon alle Kräfte zusammenreißen, wenn ein paar hunderttausend Flüchtlinge kommen und wir feststellen, dass das, was die Süßmuth-Kommission 2001 auch für dei IT empfohlen hatte, einfach nicht umgesetzt wurde. Und in machen Kontexten wird mir dann noch um die Ohren gehauen, dass der eine oder die andere bei der Generierung von CSV-Dateien aus Excel heraus überfordert sei. Ability to execute?

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