Thema: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen

erstellt am: 25.09.2019 14:31

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Beschaffung quelloffener Software
Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen


Bundesbehörden sollen bei IT-Ausschreibungen künftig auf die Verwendung vollständig quelloffener Betriebssysteme und Anwendungen bestehen. So will es der Petitionsausschuss des Bundestags.

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woksoll





dabei seit: 14.03.2012

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Kommentar zu: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
25.09.2019 14:31

Ich halte die Petition für falsch. Heartblead hat gezeigt, dass Open Source mitnichten sicherer ist als proprietärer Code. Lange Zeit wurde der OpenSSL-Big nicht entdeckt: https://de.wikipedia.org/wiki/Heartbleed
Beim DDoS-Angriff auf Twitters DNS wurden Kameras mit Linux genutzt, deren telnetd-Port standardmäßig offensteht, was bei MacOS und Windwos erst freigeschaltet wurde.
Beim Bundeshack riefen die Open-Source-Lobbyisten, Microsoft müsse aus der Bundesverwaltung wegen Sicherheitsproblemen raus. Dann stellte sich raus, dass der Einbruch über einen schlampig gemanagtes Open Source LMS erfolgte. Die Open Source Lobbyisten hatten einfach gelogen und nicht recherchiert. Ihre Ideologie gefährdet die Sicherheit der Verwaltung.
In München (Limux), Niedersachsen (Polizei und Finanzen) ist man nach Kostenexplosion wieder aus Linux ausgestiegen. LibreOffice war lange Zeit nicht zu Powerpoint kompatibel und ich musst über Google Docs gehen, damit meine Entwickler meine Slides auch auf ihren Linux-Rechnern sehen konnten. Alleine bei Inpol-neu musste die Polizei für 400.000 DM ein Gateway bauen lassen, weil es für ihre Linux-Installation keinen Internet-Explorer 6 mit Oracle-Plugin gab.
Auf der anderen Seite nutzen viele selbstverständlich seit Jahrzehnten Open Source: Thunderbird (mein erstes X.509-Zertifikat für S/MIME von 1999 ist immer noch in Gebrauch), Firefox, CKAN, DKAN, um nur einige zu nennen. Viele haben heute auch einen Github-Account, um Open Source zu verwalten und nutzen.
Aber ein dogmatischer Einsatz, wie er von den Open Source Lobbyisten gefordert wird, ist unwirtschaftlich, genauso unsicher wie proprietäre Lösungen. Die Heilsversprechen der Lobbyisten sind empirisch längst widerlegt und in München mit vielen zig Millionen Lehrgeld bezahlt worden.
Der Bund sollte nicht auf die unhaltbaren Versprechen der Lobbyisten hören und für jeden Zweck die wirtschaftlichste und appropriate Lösung nehmen. Der Bund baut auch nicht seine Autos selber, weil er (zu Recht) befürchten muss, die Hersteller jubeln im manipulierte Software unter, wie es derzeit von Staatsanwälten erzählt wird. Trabbi aus dem 3d-Drucker für die Lobbyisten? Hat bei der SED zum Systemsturz geführt.

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Kommentar zu: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
25.09.2019 14:39

Die personelle Zusammensetzung des Ausschusses ist hier falsch wiedergegeben, s. https://www.bundestag.de/ausschuesse/a02

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Ehneß





dabei seit: 23.07.2013

Beiträge: 26

RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
25.09.2019 14:58

Lieber Leser,
danke für die Information. Die Namen sind nun korrekt - die Änderung müsste in Kürze live gehen.
Mit freundlichen Grüßen
S. Ehneß

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RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
25.09.2019 15:21

Lieber woksoll,
wenn, wie du schreibst, Aber ein dogmatischer Einsatz, wie er von den Open Source Lobbyisten gefordert wird, ist unwirtschaftlich, genauso unsicher wie proprietäre Lösungen., dann spricht doch aus Sicherheitsgründen nichts gegen einen Open Source Einsatz.
Und zum Thema unwirtschaftlich empfehle ich den Artikel von Heise: Your text to link here...
Die Heilsversprechen der Lobbyisten sind empirisch längst widerlegt und in München mit vielen zig Millionen Lehrgeld bezahlt worden. Heilsversprechungen von Lobbyisten sollte man niemals vertrauen, und die Vertreter der Proprietären Software sind viel zahlreicher, oder etwa nicht? Und dem Entscheid von München lag ja auch nur ein Gutachten des Microsoft-Partners Accenture zugrunde.

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nicht registrierter User


RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
25.09.2019 15:43

Seit wann ist ein Petitionsausschuss für IT-Themen zuständig? Oder hat sich eine Wende-Errungenschaft schon so weit ausgebreitet, dass man wie einst als Ingenieur für Tierproduktion (Schweinezucht) oder Landmaschinenmechaniker IT-Chef bzw. CIO werden kann?

Motto: Parteibuch ersetzt Fachwissen, Schmalspur-Fachschule vor Jahrzehnten ergibt heute Akademiker-Status, Brieftasche ermöglich auch ohne Abitur Einzug in den Bundestag als Doktor der Philosophie...

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woksoll





dabei seit: 14.03.2012

Beiträge: 355

RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
25.09.2019 19:31

Der Petitionsausschuss ist für alles zuständig. Er behandelt Petition, die der Souverän (also jeder) beim Bundestag (als den Repräsentanten des Souveräns eingereicht hat. Das haben wir im Grundgesetz so hingenommen: Art. 17
Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.
Der Petitionsausschuss schaut sich alle Petitionen an. Ab einer bestimmten Anzahl Unterstützer muss er sie dem Bundestag vorlegen.
Man kann heute Petition auch elektronisch eingeben (einer der wenigen Services, die seit Jahren funktionieren und auch genutzt werden ohne Technoschncikschnack zur Bürgerabschreckung wie QualSig, eID oder De-Mail:
https://epetitionen.bundestag.de/
Die hier beschriebene Petition ist von 2018 und hat mit 154 Mitzeichner das Quorum nicht erreicht, dass der Petionsausschuss das dem Bundestag vorlegen müsste. Er tut es dennoch.
https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_03/_08/Petition_77203.nc.html
Die Diskussion dort war auch eher gering. Da hatten wir da schon andere, wo tausende von Kommentare gegeben wurde, bis dann ein Admin im Bundestag durchknallte und anfing eigenmächtig zu löschen. Als wir dann ein paar Abgeordnete weckten am Wochenenden hörte der Unsinn des Admins auf.
Dennoch halte ich die aktuelle Petition für Unsinn, da die Open Source Lobbyisten teilweise mit Falschaussagen operieren. Dessen unbeachtet nutzen ja viele deutsche Behörden Open Source für verscheiden Zwecke. Es handelt sich bei der Petition also eher um ein antiamerkanische Hasskampagne deutschnationaler Lobbyisten, die um Deutschland wieder eine Mauer haben wollen wie bei Erich statt globale Probleme zu lösen. Der katastrophale Bug bei Heartblead (gravierendes Sicherheitsproblem bei Open Source)wurde auch nicht deutschnational sondern global behoben.

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Owala





dabei seit: 03.11.2016

Beiträge: 8

RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
27.09.2019 19:44

Das Open Source Software öffentlich ist und damit von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann, läßt sich ziemlich schlecht mit dem deutschen, paranoiden Sicherheitswahn vereinbaren. Und schon garnicht für Sicherheitsbehörden. Das ist ein Widerspruch in sich selbst.

Und das Open-Source-Software oft kostengünstiger ist oder vielleicht sogar kostenlos genutzt werden kann, ist ja nun völliger Blödsinn.

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RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
02.10.2019 08:14

Der Kommentar von woksoll ist völlig richtig. Das Open Source Software per se billiger (keine Lizenzkosten) und sicherer (Schwarmintelligenz) sei, ist ein seit Jahren immer wiederholtes Ammenmärchen, was durch die ständige Wiederholung auch nicht richtiger wird. Trotzdem kommt die öffentliche Verwaltung möglicherweise nicht darum herum, den Einsatz von Microsoft-Produkten aufzugeben. In den letzten Jahren wird immer offensichtlicher, dass Microsoft auf Sicht ihr on premise - Geschäft aufgeben wird und fortgeschrittene Funktionalitäten nur noch in der Cloud anbieten wird. Bereits heute ist der Betrieb und die Konfiguration der aktuellen Microsoft-Landschaft extrem problematisch und aufwändig. Der Verdacht liegt nahe, dass Microsoft absichtlich die Unterstützung für on premise Kunden herunterfährt um ihr Cloud-Geschäft zu stützen. Es ist für (Sicherheits-)Behörden jedoch ein absolutes k.o.-Kriterium, wenn eigene Daten nicht mehr ausschließlich unter der eigenen Hoheit gehalten werden können.
Wenn man diese Entwicklung extrapoliert gibt es im Grunde nur drei Möglichkeiten:
1. Die Bundesverwaltung schafft es, eine eigene funktional brauchbare Private Cloud bereitzustellen, die nicht auf Dienste von Microsoft zurückgreifen muss.
2. Die Bundesverwaltung gibt die Hoheit über ihre Daten auf und hostet sie bei Microsoft.
3. In einem finanziell und organisatorisch gigantischem Kraftakt wird alles auf OSS migriert.
An die Realisierung von (1) glaube ich angesichts der aktuellen Entwicklung bei der IT-Konsolidierung nicht, (2) verbietet sich bei Erhaltung der digitalen Souveränität von selbst, bleibt also nur (3)

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nicht registrierter User


RE: Bundesbehörden sollen Open Source bevorzugen
27.11.2019 11:16

Wolf_XL
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Vor 12 Stunden

#31
...was bin ich froh, dass damit 2021 für mich Schluss ist. Open Source - wenn ich das schon höre, bekomme ich Schnappatmung. Das, was bei uns aus dieser Ecke eingesetzt wurde/wird, hat sich bis jetzt immer als Geldverbrennungsmaschine zu Gunsten einiger weniger herausgestellt. Klar, das Programm an sich kostet ja erstmal gar nix - bloß um dieses Gerippe dann soweit zu bekommen, dass es das tut, was wir brauchen, das geht nur über Outsourcing. Meist hat man dann die grandiose Auswahl unter genau einem Anbieter, der sich mit dem Kram auskennt.
Unterm Strich ist Open-Source dann dreimal so teuer, wie ein Standardprodukt, welches out-of-the-box i.d.R. weitaus mehr kann, als wir jemals brauchen... Der Witz dabei ist ja, wir bekommen dann von ahnungslosen Entscheidern fabuliert, dass man durch Open-Source unabhängiger wird. Da kann ich wirklich nur lachen... Bei Microsoft und Co. hab ich wenigstens die Auswahl unter zig Dienstleistern und kann auch sicher sein, dass gängige Standardprodukte auch ständig weiterentwickelt werden. Bei Open-Source bin ich meist von kleinen Klitschen abhängig und von dem, was die Open-Source-Gemeinde gerade für hip hält. Mal davon abgesehen - wie soll jemand lang oder mittelfristig mit Open-Source vernünftig IT planen, wenn keiner weiß, ob die Open-Source-Gemeinde mein Produkt plötzlich nicht mehr als weiterentwicklungswürdig betrachtet? Denn wenn das eintritt, übernimmt garantiert dann ganz schnell eine Firma das ehemals Open-Source-Produkt. Und spätestens dann ist man in der Hand eines Monopolisten, der den Preis bestimmt!
Und nicht zu vergessen - mein Brötchengeber ist eine international tätige Behörde, die es sich einfach nicht leisten kann, beim Dokumentenaustausch den Quasi-Standard einfach zu ignorieren. Unsere Kollegen können nicht darauf warten, bis die Open-Source-Gemeinde es für nötig empfindet, z.B. für ne neue MS-Office-Version einen brauchbaren Konverter für eines ihrer Open-Source-Office-Derivate zu kreieren...

Neee, lasst mich bloß in Ruhe mit dem Bastelkram...

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