Thema: Deutsche Justiz muss Digitalisierung bis 2022 umsetzen

erstellt am: 06.12.2013 17:49

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Fachanwendungen werden zur Herausforderung
Deutsche Justiz muss Digitalisierung bis 2022 umsetzen


Auch für die deutsche Justiz bricht das Zeitalter der Digitalisierung an. Bis 2022 sollen alle Vorgaben umgesetzt sein. Eine besondere Herausforderung sind Fachanwendungen, die gemeinschaftlich in Länderverbünden entwickelt werden und dabei oft in völlig unterschiedliche IT-Architekturen eingebettet sind.

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woksoll





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Kommentar zu: Deutsche Justiz muss Digitalisierung bis 2022 umsetzen
06.12.2013 17:49

Der Blick nach Großbritannien lohnt immer.

Was mich aber irritiert, ist die Zerstückelung des Problems.
1.) Wir haben einerseits das E-Governmentgesetz, wo wir den Zugang zur Verwaltung durch technischen Firlefanz behindern, der einerseits nicht verbreitet ist und andererseits Deutschland in Europa und der Welt isoliert.
2.) Dann haben wir in D, wie hier berichtet, die Juristen in eine Sonderbehandlung genommen durch das E-Justice-Gesetz.
3.) Davon abgespalten haben wir noch die Anwälte in eine Splitteranwendung genommen, die es noch nicht gibt: das Anwaltspostfach.
Nirgendwo gibt es einen Business Case oder eine ordentliche WiBe zu dieser Zerhackung des Zugangs zur Justiz. Das sieht eher nach willkürlichem Chaos aus als nach hoher Staatskunst. Die juristische Sonderbehandlung.

Dass nun eine zentrale Anwendung mittels eine SOA mehrere Anwendungen zueinander fließen lassen kann, ist seit vielen Jahren außerhalb der Justiz Stand der Dinge.

Aber wenn schon der Blick ins Vereinigte Königreich gewendet werden soll, dann bitte ich ergänzend auch auf die Abweichungenen vom deutschen nationalen Isolationssonderweg zu beachten:

In England entfalten elektronische Dokumente auch mit einfachen elektronischen Signaturen nach der EU-Signaturichtlinie Rechtskraft, d.h. mit einer einfachen Zeichenkette oder gar einer eingescannten Unterschrift. (In der Schweiz ist man noch brutaler: dort sind Fälschungen an E-Mails Urkundenfälschung. Für die man ins Gefängnis geht. In D dagegen ist das nicht so schlimm, da Juristen beschlossen, dass E-Mails in Deutschland keine Urkunden sind.

Es bleibt die Frage, was den Deutschen so besonders macht, dass er im internationalen Vergleich seinen Bürger, Richtern und Anwälten so erheblich erschwert durch eine Verzettelung der IT mit unreifen Technologien? Ist die deutsche Justiz wirklich so kriminell, dass wir besondere Sicherheitsmaßnahmen ergreifen müssen über die im Ausland üblichen hinaus, damit in der deutschen Justiz der Betrug nicht überhand nimmt? Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass deutsche Juristen dieses Ausmaß an Kriminalität zeigen würden. Woher kommt also der Generalverdacht gegen Juristen?

Wirtschaftlich ist diese Sicherung gegen Kriminalität unter Juristen katastrophal: die Lösungen werden nicht fertig oder nicht eingesetzt, jede winzige Splittergruppe bekommt ihre eigene Technologie: In England, wohin sich der Blick zu richten wirklich lohnt, scheint es nicht so viel Kriminalität in der Justiz zu geben, sondern eher mehr Vertrauen. Das Ergebnis ist dann, dass die SOA-basierte Lösungen auch für den Export anbieten können

Man könnte auch vermuten, dass die Marktinterventionen der deutschen Regierung bei Sicherheitstechnologie die deutsche IT-Industrie weiter sterben lässt und die deutsche Verwaltung massiv behindert. Aber ich lass mich gerne vom Gegenteil durch Business Case oder WiBe überzeugen.

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