Thema: eGovernment: Nutzungszahlen nehmen ab

erstellt am: 04.08.2015 15:53

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eGovernment Monitor 2015
eGovernment: Nutzungszahlen nehmen ab


Geringe Bekanntheit, mangelndes Vertrauen, aber auch wenig Interesse vonseiten der Bürger: eGovernment in Deutschland ist noch immer nicht dort, wo es schon längst sein könnte. Der aktuelle „eGovernment Monitor“ gibt einen Überblick, wie und wo digitale Verwaltungsdienstleistungen hierzulande genutzt werden.

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woksoll





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Kommentar zu: eGovernment: Nutzungszahlen nehmen ab
04.08.2015 15:53

Na, da geht aber einiges durcheinander.
Der bekannteste und meistgenutzte Bürgerdienst stammt in Deutschland
und Österreich aus dem Bereich Verkehr, nämlich eine Fahrplanauskunft für
den öffentlichen Nahverkehr online einholen.

Das soll E-Government sein? Das ist doch völlig egal ob die Bahn dem Staat oder wie in UK einem Privaten gehört, wenn ich wissen will, wie ich von A nach B komme. Das als E-Govrnment verkaufen zu wollen ist peinlich.

Das Pochen auf die fehlende Bekanntheit der Angebote hört sich an wie ein Anbiedern für eine Marketing-Kampagne, um schlechte Leistungen mit den Mitteln der Werbewirtschaft doch noch zu verkaufen.

Ein Beispiel aus Berlin: zu den wenigen E-Government-Anwendungen die tatsächlich vollständig online sind, gehört die Gewerbeanmeldundg. Nach mehreren Seiten Ausfüllen kommt dann die Information, dass man eine qualifizierte Signatur bräuchte (keine eID, kein De-Mail). Was nützt es mir, wenn es bekannt wäre? Ich kann keine Signaturkarte mehr bei der Telekom erwerben wie früher, bei der Post nicht mehr, die Banken haben Trustcenter.de verkauft und das hat den Service eingestellt. Die Jobcard wurde mit Elena beerdigt. Bei der Gesundheitskarte schaute mich die sonst fortschrittliche Technikerkasse entsetzt an, als ich fragte, wie ich eine Zertifikat auf die Karte für die Qualsig bekommen kann, was rechtlich und technisch vorgesehen ist. Die QualSig auf den nPA zu bekommen ist eine Wissenschaft für sich. Hat es einer geschafft?

Wir haben technologischen Schrott im nationalen Alleingang designt und weigern und zu evaluieren, dass das zeug nichts taugt. Statt dessen wollen wir den Mist mit mangelhafter Bekanntheit begründen. Ja, sollen wir den wirklich jedem Bürger bekannt machen, wie unsinnig das Gewerberegisterangebot ist, damit er dann gut informiert weiß, dass eine Online-Anmeldung für ihn unmöglich ist? Lachhaft. Gute Services verbreiten sich wie im Fluge auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Dazu braucht man aber gute Services, nicht gute Propaganda.

Anderes Beispiel, auch Berlin. Die Mitarbeiter des Landes sollten unter Sarrazin von 140.000 auf 90.000 reduziert werden. Der Überhangpool funktionierte nicht wie geplant und man verhandelte doch 10.000 weniger abzubauen. Die Berliner Bezirken haben es nun zum Mantra erhoben, dass man den Hass auf den Personalabbau den Bürger im Bürgeramt spüren lässt, die die niedrigste Priorität haben. In den letzten 20 Jahren wurde es auch vermieden, E-Governmentangebote (bis auf 3) bereitzustellen. Um dem Bürger zu zeigen, wie wenig man von ihm hält, kann er jetzt Termin mit dem Bürgeramt online beantragen. Er kriegt aber zwei Monate keine. Wenn sich nun ein Startup erdreistet, die Online-Terminkalender automatisch abzusuchen und die Termin verkauft, reagiert die Berliner Verwaltung sofort: Techniker werden beauftragt die Telekommunikationseinrichtungen rechtswidrig zu stören, damit der Bürger keine Termine bei dem Startup kaufen kann. Er soll gefälligst in allen Bürgerämter selber händisch nachsehen, ob man die Gnade ihm zu Teil werden lassen will, vor dem Ablauf der zwei Monate einen Termin zu gewähren. Sabotage mit Hass auf den Bürger. Das habe ich in keiner andere Kommune so brutal gesehen.

Ähnlich ist es mit der Jahrhunderte langen Prüfung der Schriftformerfordernisse. Jedes Bundesland und der Bund prüfen seit Jahren selber, selbst wenn sie nur Bundesrecht operieren wie das SGB. Und nur in Deutschland haben wir die elektronische Form so benachteiligt, selbst noch mit Abschaffung der Urkundenfälschung bei der elektronischen Form.

Meine Analyse ist, dass wir mit den gegenwärtigen Akteuren nicht weiter kommen und immer weiter hinter anderen europäische Länder zurückfallen, die sich nicht in nicht brauchbaren Technoschnickschnack verliebt haben, sondern einfach so seit vielen Jahren da Internet nutzen, wie es ist. Der E-Gov-Mon ist auch ein vernichtendes Abschlusszeugnis für die scheidende CIOerin: der Stillstand wurde unter ihrer Ägide zum Rückschritt bei einem ohnehin schon niederen Niveau. Die Bürger werden auch weiterhin kein Interesse haben, sich mühsam Kenntnisse zu verschaffen, die am Ende sagen: es geht nicht wie im Ausland elektronisch. Das macht man einmal, zweimal, dann kuckt man nicht mehr danach ob man mit oder ohne eID des freigeschalteten nPA zu irren Kosten (des nPA) sich eine Mülltonne online bestellen kann. Da ruft man lieber an.

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RE: eGovernment: Nutzungszahlen nehmen ab
05.08.2015 08:36

+1

dem ist wohl kaum etwas hinzuzufügen!

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