Thema: Die Herausforderung, Daten zum Reden zu bringen

erstellt am: 27.06.2016 13:23

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Business Intelligence in der Verwaltung
Die Herausforderung, Daten zum Reden zu bringen


Pünktlich zum zehnjährigen (!) Jubiläum von Twitter legte sich das Bundesinnenministerium einen Account bei dem Kurznachrichtendienst zu. Ein Zeichen, dass „digital“ nun vollständig in der Verwaltung angekommen ist? Nicht ganz: Digitalisierung ist in Deutschlands Behörden weiterhin keine Selbstverständlichkeit – trotz aller Ansätze, Big Public Data zu nutzen.

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woksoll





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Kommentar zu: Die Herausforderung, Daten zum Reden zu bringen
27.06.2016 13:23

Doch immerhin: Vorreiter wie der „ZUGFeRD“-Standard für elektronische Rechnungen machen Mut.
ja, dem einen machen Sie Mut, den anderen erfüllen Sie mit Sorge. Ende der 1990er Jahre habe ich einen Diplomanden betreute, der den elektronischen Beschaffungsprozess untersuchte. Auf der einen Seite waren da das etablierte EDI, auf der anderen Seite kamen gerade XML-Standards für den gleichen Zweck auf. Das US-Verteidigungsministerium verpflichtete seine Lieferanten vor 2000, Rechnungen elektronisch zu stellen. Für Pizzabäcker, die man nicht zu einer komplexen IT zwingen wollte, baute man ein Web-EDI, mit dem sie ihre Rechnungen eingeben konnten mittels Browser. Und nun soll es mir Mut machen, dass mit ZUGFerD die Umsetzung eine EU-Richtlinie mit einem nationalen Standard erprobt werden, der schon nicht mal mehr in anderen deutschsprachigen Ländern gilt? Wir haben doch den Kummer mit den qualifiziert zu signierenden Rechnungen gehabt, was EU-Ausländer von der elektronischen Rechnungsstellung bösartig ausschloss (wie auch bei dem Boykott der EU-DLR durch Deutschland, Artikel 8) bis endlich der Bundesfinanzminister in §14 das Signiererfordernis aufhob und Rechnungen einfach so elektronisch übermittelt werden können. Im Inland und im Ausland. Und da soll es mir Mut machen, dass in einer globalen Welt Rechnungen nach lokalen Standards 20 Jahre später als in führenden Industrienationen übermittelt werden sollen? Und österreichische E-Akten-Hersteller in Österreich nach anderen Formaten Rechnung stellen als in Deutschland?
Mir kommt es eher so vor, als wenn die Flut der Hypecyclen auf abgehobenen weltfremden Kongressen sich vollständig von der ability to execute, wie gartner immer so schön sagt abgekoppelt haben, und die Announcements ihr Eigenleben führen in einer anderen Welt als in der der Behörden.
Wie sich das jetzt beschleunigt sehen wir in der Justiz: beA fährt von Wand zu Wand, um dagegen zu prallen. Und während man dort bei den Anwälten den Glauben an die qualifizierte Signatur nach 20 Jahren Erfolglosigkeit immer noch hoch hält, plant der Wirtschaftsminister, das Signaturgesetz abzuschaffen, weil es zu eIDAS nicht kompatibel ist. Es nähert sich immer mehr dem religiösen Eifer, dass das Paradies jenseits dieser Welt versprochen wird und das irdische Dasein schlimmes Darben ob unserer Erbsünden sei.
Wann kehrt die Vernunft nach Preußen zurück? Muss ja nicht Königsberg sein, das wir verloren haben wie offenbar das UK in Europa.

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