Thema: Erfolgreiche Einführung mit der XRechnung?

erstellt am: 08.01.2020 09:37

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Workshop eRechnung
Erfolgreiche Einführung mit der XRechnung?


Das Land Bremen hat im Rahmen der XÖV-Konferenz einen Workshop zur Einführung der elektronischen Rechnung bei Ländern und Kommunen durchgeführt. Unsere Autoren fassen in diesem Beitrag die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

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nicht registrierter User


Kommentar zu: Erfolgreiche Einführung mit der XRechnung?
08.01.2020 09:37

Der Weg, den der Bund hier beschreitet, ist wieder ein wunderbares Beispiel, wie man Digitalisierung nicht machen sollte. Es wird versucht, über gesetzliche Vorgaben (Zwang zur Einreichung von Rechnungen in einem neu erfundenen, international unüblichen Format) Druck auf Lieferanten auszuüben, anstatt auf lange bekannte und geübte Verfahrensweisen zu rekurrieren. In unserer Behörde wollten wir schon vor Jahren auf elektronische Rechnungen umstellen, sind aber durch die bunsdesweiten Planungen über die der Autor hier berichtet, abgehalten worden.
Seit Jahren bereits gibt es Dienstleister, die Rechnungen aller Art (sei es Papier, PDF oder elektronische Formate wie ZUGFeRD) in ein gewünschtes elektronisches Format umwandeln und dem Kunden zustellen. Dieses Vorgehen hat erhebliche Vorteile:
1. Man kann sofort auf 100% elektronische Rechnung umstellen, wenn ich bei allen Rechnungsstellern die Rechnungsadresse auf den Dienstleister geändert habe. Ich glaube kaum, dass man diesen Prozentsatz durch das jetzt geplante Vorgehen erreichen wird.
2. Die Übergangszeit könnte für den Lieferanten sehr komfortabel gestaltet werden. Er hätte die Wahl, Rechnungen weiterhin im jetzigen Format über den Dienstleister oder elektronisch direkt beim Kunden einzuliefern. Mischformen wären möglich.
3. Erst wenn ich 100% elektronische Rechnungen erreicht habe, lässt sich die digitale Dividende einstreichen. Vorher muss ich zusätzlich immer noch den papiergebundenen Workflow vorhalten.
4. Ohne Jurist zu sein, könnte ich mir vorstellen, dass Gerichte nicht unbedingt für den Bund entscheiden, wenn dieser versucht, durch einseitige Änderung von Lieferverträgen eine bestimmte Form der Rechnungslegung, die für den Lieferanten mit erheblichem Aufwand verbunden ist, durchzusetzen. Wenn dies aber passiert, hat der Lieferant überhaupt keinen Anreiz seine Rechnungslegung in irgendeiner Form zu verändern.
Es bleibt daher ein Rätsel, warum der Bund hier ohne Not diesen komplexen, risikobehafteten Weg beschritten hat. Irgendwie erinnert der Vorgang an die Umsetzung der elektronischen Signatur, die nach einem knappen viertel Jahrhundert Signaturgesetz immer noch nicht richtig fliegt.

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nicht registrierter User


RE: Erfolgreiche Einführung mit der XRechnung?
15.01.2020 16:40

Das Thema XRechnung ist in der aktuellen Form weit komplexer als vielfach angenommen und birgt für die öffentlichen Stellen eine vielfach übersehene Gefahr. Gründe dafür sind:

1) Die Verlagerung der Verantwortlichkeit auf die Länder führt zu unterschiedlichen Verordnungen, Vorschriften und Umsetzungsanforderungen: In machen Bundesländer besteht eine Pflicht für Lieferanten, in anderen nicht. Die zugelassenen Formate können von Land zu Land unterschiedlich sein. Teilweise ist Papier zugelassen, woanders PDF oder beide oder keines von beiden. Welcher Lieferant, der in mehrere Bundesländer liefert, soll da noch durchblicken? Es gibt ja noch nicht einmal eine aktuelle verbindliche und allgemein verfügbare Zusammenstellung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede für alle 16 Bundesländer.

2) Die Vielzahl unterschiedlicher Formate (XRechnung, ZUGFeRD und PEPPOL) zwingen zur Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standards und Übertragungs-/Empfangsmethoden, die von einer Verwaltung in der vollständige Breite i. d. R. nicht oder nur mit einem erheblichen Aufwand geleistet werden kann. Die gewählte Alternative ist üblicherweise eine Beschränkung durch verbindliches Festlegen des jeweils präferierten Standards. Dadurch wird die Unübersichtlichkeit für den Lieferanten aber noch größer.

Soweit die Lieferanten also verpflichtet werden, das jeweils geforderte bzw. zulässige Format zu liefern, ist diese Forderung streng genommmen nicht zumutbar. Gleichzeitig ist diese Haltung aber auch gefährlich, denn sie wird dazu führen, dass sich der Kreis der Anbieter bei öffentlichen Ausschreibungen spürbar reduziert. Bei guter Auftragslage wird auf die Abgabe eines Angebots immer dann verzichtet werden, wenn das Thema Rechnungstellung zu einem zusätzlichen Aufwand führt. Gerade im handwerklichen Bereich werden aber bereits heute kaum mehr genügend Bieter gefunden, was neben dem Problem des Investitionsstaus auch Auswirkungen auf die angebotenen Preise hat. Leistungen werden künftig also eher überteuert bezogen werden müssen.

Aus diesem Grund sind die öffentlichen Stellen gut beraten, hier die Verantwortung selbst zu übernehmen und mit Hilfe von Dienstleistern einn formatunabhängiges Einreichen der Rechnungen zu ermöglichen. Serviceprovider, die dieses Problem format- und länderunabhängig mit erprobten und bezahlbaren Leistungen lösen, gibt es ausreichend. Erstaunlich ist, dass viele Verwaltungen immer noch nicht bereit sind, diesen Weg zu gehen und stattdessen auf Zwischenlösungen oder eingeschränkte Funktionen der ERP Anbieter setzen.

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nicht registrierter User


RE: Erfolgreiche Einführung mit der XRechnung?
19.01.2020 13:39

Vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Sie haben Recht, wenn Bund und Länder bei der Digitalisierung der Verwaltung kooperieren, benötigen gute und abgestimmte Lösungen auch Zeit. Bürger und Unternehmen erwarten zu Recht, dass sie E-Rechnungen über eine ausgereifte und sichere Technologie einreichen können.

Bei der Einführung der E-Rechnung setzt Deutschland eine europäische Richtlinie im Interesse von Bürgern, Wirtschaft und Verwaltung so um, dass die von der EU gesetzten Übergangsfristen für eine planbare Umsetzung komplett ausgenutzt werden.

Richtig ist, dass Deutschland mit XRechnung auf einen – entsprechend der Vorgaben des Europäischen Komitees für Normung (CEN) konformen – Standard setzt, der von allen Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung akzeptiert wird. Das schafft Verlässlichkeit.

Richtig ist auch, dass Lieferanten der öffentlichen Verwaltung nach wie vor Dienstleister und Software zur Erstellung von E-Rechnungen frei wählen können. Und: Es stehen natürlich mehrere Kanäle zur Einreichung von E-Rechnungen zur Verfügung. Schließlich können E-Rechnungen in der Regel auch in weiteren Formaten, sofern sie dem europaweiten CEN-Standard entsprechen, eingereicht werden.

Die E-Rechnung bietet für Lieferanten der öffentlichen Verwaltung viele Vorteile. Und weil wir unsere Lösung anhand des Nutzerfeedbacks laufend verbessern, sind wir davon überzeugt, einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung zu erreichen. Übrigens zeigen Erfahrungen aus anderen EU-Ländern, dass eine gute Digitalisierungsdividende schon bei weniger als 100% E-Rechnungen erzielt wird.

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