Interview

Forderung: radikale Abkehr von den Methoden der Postkutschenzeit

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Welche Summen ließen sich in den vielfach längst auf Kante genähten kommunalen Haushalten durch Shared Services einsparen?

Kammer: Das dürfte in die Milliarden gehen. Shared Services kann viel mehr leisten, als die meisten ahnen, die den Begriff nur als Modewort kennen. Dazu müssen sich die Verwaltungen jedoch der Aufgabe stellen, retardierende Faktoren zu beseitigen. Bei Dataport sind wir hier insgesamt auf einem guten Weg, weil Shared Services im IT-Bereich etwas sehr Naheliegendes sind. Einen Zauberstab hat niemand, aber die Ergebnisse unsere Studie sollten Politik und Verwaltungen Mut machen.

Ein weiteres interessantes IT-Projekt, der elektronische Personalausweis, droht in der aktuellen Diskussion um Datenmissbrauch unterzugehen.

Der jüngste Skandal um illegalen Datenhandel ist ein Problem für dieses Projekt. Dabei dient der elektronische Personalausweis doch vor allem gerade der Sicherheit: Statt etwa im Internet ständig neue Formulare auszufüllen und dabei immer mehr persönliche Daten preiszugeben, kann sich künftig jeder Bürger an seinem Computer mit der ID-Karte ausweisen und dabei selbst entscheiden, wer welche Informationen erhalten soll.

Soll die Bundesregierung trotz aller Bedenken an diesem Projekt festhalten?

Kammer: Natürlich, denn es gibt ja gar keine vernünftige Alternative. Moderne Industrienationen benötigen unbedingt eine neue Infrastruktur zum Management von elektronischen Identitäten. Leider wird die Diskussion wieder einmal so geführt, dass die vielen Vorteile hinter den durchaus berechtigten Warnungen fast völlig verschwinden.

Was sind für Sie die wichtigsten Vorzüge?

Kammer: Der elektronische Personalausweis führt als unwiderstehlicher Freifahrtschein durch alle Pass- und Grenzkontrollen der Zivilisation, vor allem wenn die Besitzer freiwillig ihre nur für Polizei- und Zollbeamte lesbaren Fingerabdrücke speichern lassen, wie es unter dem Druck des internationalen Terrorismus immer mehr Staaten verlangen. Als elektronischer Schlüssel öffnet er die Schranke zu einem Safer Shopping von Waren und Dienstleistungen via Internet, vom Online-Banking über Tickets für Flug, Fahrt und Freizeitvergnügen bis zum weltweiten Angebot aus dem bargeldlosen Rund-um-die-Uhr-Business per Monitor und eMail. Als elektronische Signatur schließlich spart er Zeit und Wege: Wer ihn an seinem Computer einsetzt, kann künftig etwa zur Behörde gehen oder beim Notar einen Kaufvertrag unterschreiben, ohne seine Wohnung zu verlassen. Und auch ohne lange Listen von Passwörtern, PIN- und iTan-Nummern zu führen, die wiederum in falsche Hände gelangen könnten.

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