Interview

Forderung: radikale Abkehr von den Methoden der Postkutschenzeit

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Gibt es schon erste Ergebnisse?

Kammer: Schon die ersten Resultate der Studie haben bestätigt, was zu vermuten war: Die Probleme sind größer als erwartet, die Widerstände ebenfalls. Generische Prozesse und Verfahrensschnittstellen sollen ja vor allem unnötige Ausgaben sparen, die heute etwa durch die große Vielfalt uneinheitlicher Fachverfahren sowie die Zersplitterung in zu viele und oft zu kleine Verwaltungseinheiten entstehen. Als weitere Ursache für vermeidbare Kosten gilt der zu geringe Grad der Infrastruktur-Konsolidierung, speziell die zu große Zahl der IT-Dienstleister im öffentlichen Bereich. Aber leider reicht selbst die Verlockung größerer Effizienz zu geringeren Kosten offenbar nicht aus, um überall den Wunsch nach Verbesserungen unter den dazu nötigen Anstrengungen zu wecken.

Was schlägt die ISPRAT-Studie in diesem Zusammenhang vor?

Kammer: Das Team der Hertie School of Governance unter Leitung von Prof. Jobst Fiedler zeigt zahlreiche Möglichkeiten der Verwaltungsvereinfachung und zudem erhebliche Einsparpotenziale auf. Zusammenfassend lässt sich feststellen: Es gibt in der Öffentlichen Verwaltung ein erhebliches Potenzial, Aktivitäten zu bündeln, es gibt aber auch Barrieren vielfältigster Art, etwa die starken institutionellen Verfestigungen. Die ISPRAT-Studie nennt die günstigsten und die weniger günstigen Voraussetzungen, unter denen ein Durchbruch zu einer Shared-Services-Kultur in Deutschland gelingen kann.

Wie optimistisch sind Sie, was den Erfolg betrifft?

Kammer: Eine funktionierende Shared-Service-Kultur kann eine ziemlich starke Eigendynamik entwickeln. Die große Frage ist: Wie kommt man trotz der vorhandenen Organisationsegoismen zu einem Durchbruch? Wir hoffen, dass unsere Studie zumindest eine gewisse Anstoßwirkung erzielt. Das ist auch bitter nötig, denn allein der Bevölkerungsrückgang in manchen Gebieten zwingt viele kleinere Kommunen, ihre Verwaltung unter ökonomischen Gesichtspunkten zu reorganisieren. Auch die Verschuldungsgrenzen könnten dabei eine Rolle spielen. Der Druck, nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen, wird ganz sicher steigen. Durch Shared Services können Verwaltungen aber nicht nur sparen, sondern es ergeben sich auch neue Nutzungen.

Zum Beispiel?

Kammer: Bei Dataport etwa bündeln wir IT-Services für Öffentliche Verwaltungen in vier norddeutschen Bundesländern. Das Potenzial für Shared Services bestand in Konsolidierung, Kostenreduzierung und Standardisierung. Nach einem längerfristig angelegten Fusionsprozess mit vorangegangener intensiver Kooperation ist der Umsatz in unserer Einrichtung in drei Jahren von 186 Millionen auf 240 Millionen Euro gestiegen. Wir sind also auf dem richtigen Weg!

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