Interview

Forderung: radikale Abkehr von den Methoden der Postkutschenzeit

06.11.2008 | Autor / Redakteur: Manfred Klein / Manfred Klein

Koordinator. Matthias Kammer tritt bei ISPRAT die Nachfolge von Harald Lemke an. Besonders wichtig ist ihm, Standardisierungs- und Bündelungsansätze im Öffentlichen Sector zu identifizieren und umzusetzen
Koordinator. Matthias Kammer tritt bei ISPRAT die Nachfolge von Harald Lemke an. Besonders wichtig ist ihm, Standardisierungs- und Bündelungsansätze im Öffentlichen Sector zu identifizieren und umzusetzen

Matthias Kammer, Vorstandsvorsitzender der öffentlich-rechtlichen Vierländeranstalt Dataport, wurde am 10. September zum neuen Vorstandsvorsitzenden des gemeinnützigen Forschungsverbundes ISPRAT e.V. gewählt.

Im Interview mit eGovernment Computing sprach er über die neue Aufgabe.

Herr Kammer, was hat Sie bewogen, sich dieser Herausforderung zu stellen?

Kammer: Seit mein Vorgänger Harald Lemke Interessierte aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und mich vor zwei Jahren eingeladen hat, ISPRAT zu gründen, zeigen sich die Aufgaben für diesen Forschungsverbund deutlich vermehrt. Die Notwendigkeit, die Öffentliche Verwaltung mithilfe modernster Informations- und Kommunikationstechnologie noch leistungsfähiger und noch bürgernäher zu machen, wird auch wegen der neuen Vorgaben etwa auf europäischer Ebene immer dringender. Deshalb möchte ich mich auch in Zukunft nachdrücklich für die fällige Um- und Neugestaltung der entsprechenden Verwaltungsprozesse engagieren.

Was kann ein gemeinnütziger Forschungsverbund wie ISPRAT heutzutage in Deutschland bewegen?

Kammer: Auf dem IT-Sektor offensichtlich mehr denn je. Es ist jetzt gerade mal zwei Jahre her, als Harald Lemke und ich von einer Informationsreise durch die USA nach Hause flogen und uns über die Frage unterhielten, ob man nicht versuchen könne, nach dem Beispiel der in New York so erfolgreichen Hotline 311 einen Bürgerservice mit einheitlicher Telefonnummer auch in einem föderalen Flächenstaat wie der Bundesrepublik Deutschland einzurichten. Die Schwierigkeiten waren uns natürlich klar: Dort eine Millionenmetropole mit amerikanischem Innovationstempo, hier ein föderales System mit sechzehn Ländern, rund 14.000 Kommunen und einem Grundgesetz, das aus gutem Grund vor jede Vereinheitlichung durch IT hohe Hürden stellt. Im Herbst 2006 hat ISPRAT die Idee vorgestellt. Im Dezember hat die Bundeskanzlerin auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung ihre Unterstützung erklärt. Im März 2007 beauftragte die Konferenz der eGovernment-Staatssekretäre dann Hessen und den Bund mit dem Aufbau eines entsprechenden Deutschland-Online-Projektes, und seither geht es unaufhaltsam voran.

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