TETRA und LTE verschmelzen auf Critical Communications World 2018

Fliegende Funkbasen und Hybridterminals

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Gemächlicher Übergang und Hybride

Wenngleich Huawei auch auf die Technik MulteFire verweist – LTE also in lizenzfreien Bändern zu nutzen gedenkt – spricht der Anbieter selbst noch von einem allmählichen Übergang von existierenden Schmalbandnetzen zu Breitbandlösungen. Dem entsprechend hatte der Anbieter auf der CCW 2018 auch ein Gateway im Gepäck, um bestehende TETRA-Terminals in seine Lösung einzubinden.

Nicolas Hauswald vom französischen Kommunikationsanbieter ETELM zeigte in einem Fachvortrag zudem auf, auf welch verschiedene Arten sich LTE und TETRA miteinander kombinieren lassen. Zu den diskutierten Ansätzen zählten neben „TETRA over LTE“ und Gateways auch eine integrierte Architektur mit gemeinsamen Core-Netzwerk.

Auch bei Airbus glaubt man, dass TETRA dem Markt noch mindestens zehn bis 15 Jahre erhalten bleibt. Und dennoch sieht man offenbar schon jetzt genug Potenzial im Mobilfunk, um Lösungen dafür zu entwickeln. War eine auf Microsofts HoloLens basierende AR-Anwendung dabei noch ein früher Prototyp, präsentierte man unter der Bezeichnung Tactilon eine Reihe von Lösungen für hybride Netzwerke: Mit Tactilon Management lassen sich entsprechende Netze aufsetzen, die mobile Software Tactilon Agnet bindet Smartphones in sichere Infrastrukturen ein.

Mit Tactilon Dabat hat der Hersteller zudem ein hybrides Android-Smartphone mit integriertem Tetra-Funkgerät vorgestellt. Das robust ausgeführte Gerät ermögliche es Anwendern nicht nur, in Gruppen zu kommunizieren. Künftig sollen überdies auch speziell auf die Zielgruppe zugeschnittene Anwendungen auf den Geräten laufen. Ein entsprechendes App-Ökosystem will Airbus mit dem Entwickler-Programm SmarTWISP aufbauen. Das Tactilon Dabat werde übrigens weniger kosten als ein hochwertiges Smartphone sowie ein TETRA-Terminal in Summe.

Als hybride Strategie lässt sich auch die Roadmap der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) lesen. Die mit Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung des digitalen Behördenfunks BOS betraute Einrichtung plant zwar, den bisherigen TETRA-Sprechfunk im Rahmen künftiger Mobilfunkstandards um breitbandige Datendienste zu erweitern. Ob die per LTE oder 5G bereitgestellten Dienste dann lediglich einsatzunterstützend oder einsatzkritisch genutzt werden ist allerdings noch offen.

Fliegende Basen und Hybride für DMR

Neben dem Ringen zwischen TETRA und LTE gab es in Berlin freilich auch noch jede Menge weitere spannende Dinge zu beobachten. So kündigte der chinesische Anbieter Kirisun Communications mit dem TD80 etwa ein Hybridgerät an, das Digitalen Mobilfunk (DMR) und LTE vereint. Erscheinen soll das Terminal noch in diesem Jahr.

An zahlreichen Ständen waren überdies für Katastrophenszenarios gedachte Mobilfunkstationen im Rucksackformat zu sehen – gleichwertige Lösungen hätten vor zwei Jahren im mobilen Rack noch den Platz von knapp zehn Höheneinheiten benötigt – hieß bei dazu bei Huawei. Anbieter Athonet trieb das Konzept schließlich auf die Spitze und installierte ein Core-Netzwerk samt Nokia-Pico-Zelle an einer Drohne von Elistair – und weil die Drohne nur eine Nutzlast von etwa zwei Kilogramm bewältigt, darf die Ausrüstung natürlich auch nicht mehr wiegen.

Die Verbindung zum Backhaul und zur Energieversorgung hält die stationär schwebende Fesseldrohne über ein Kabel. Die Reichweite des Netzes bewegt sich jedoch im eher bescheidenen Bereich von einigen 100 Metern. Durch die erhöhte Position und eine direkte Sicht könnte das System bei Einsätzen in unwegsamem Gelände oder in von Erdbeben zerstörten Gebäuden dennoch seine Stärken ausspielen.

Im kommenden Jahr findet die CCW in vom 29. bis 31. Mai in Bangkok statt. Messe und Kongress werden von TCCA sowie MA Exhibitions veranstaltet.

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Der Autor wurde von Huawei zur CCW 2018 eingeladen; der Anbieter übernahm Reise- und Hotelkosten.

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