TETRA und LTE verschmelzen auf Critical Communications World 2018

Fliegende Funkbasen und Hybridterminals

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Mit neuen Endgeräten und datenintensiven Nutzungsszenarien wachsen auch die Anforderungen an Anwendungskritische Kommunikationsnetze.
Mit neuen Endgeräten und datenintensiven Nutzungsszenarien wachsen auch die Anforderungen an Anwendungskritische Kommunikationsnetze. (Bild: Airbus)

Mit Mixed-Reality-Brillen und von Drohnen getragenen Mobilfunkbasen gab die Critical Communications World 2018 einen Ausblick auf die Zukunft missionskritischer Infrastrukturen. Trotz aller Fortschritte bei LTE ist TETRA anscheinend noch lang nicht abgeschrieben.

Die 4.500 Besucher der Critical Communications World 2018 konnten sich Mitte Mai nicht nur über verschiedenste Handfunkgeräte, netzwerktaugliche Entfernungsmesser für den Rangierbetrieb oder Mobilfunkbasen im Rucksackformat informieren.

Die diesmal in drei Messehallen am Berliner Funkturm gastierende Konferenzmesse thematisierte insbesondere auch die Zukunft von Standards für missionskritische Infrastrukturen – sprich: Das Spannungsfeld zwischen bewährten aber schmalbandigen TETRA-Netzen (Trans European Trunked Radio bzw. Terrestrial Trunked Radio; Standard für digitalen Bündelfunk) und leistungsfähigen Mobilfunkverfahren für besonders datenhungrige Anwendungen.

Die Kontroverse wurde dabei von verschiedensten Seiten befeuert. So stellten Vertreter der Land Transport Authority Singapur etwa eine modernisierte TETRA-Lösung vor, mit der auch künftige, fahrerlose Nahverkehrzüge effizient gesteuert und überwacht werden könnten. Huawei lud uns und weitere Pressevertreter derweil eigens nach Berlin ein, um eine Alternative zu eben solchen Schmalband-Kommunikationsnetzwerken aufzuzeigen: Das „eLTE Multimedia Critical Communications System“.

Dieses eLTE MCCS wurde als Schlüsselkommunikationslösung beschrieben, die auf 4.5G basiert, neben Sprache damit eben auch große Datenmengen übertragen kann und somit wachsende Bedürfnisse der öffentlichen Sicherheitsindustrie erfülle. Stellvertretend hierfür wurden etwa AR-Brillen für Polizisten vorgeführt, die Gesichter des Gegenübers erkennen und mit Fahndungslisten abgleichen. Dabei zeigte der Anbieter eine Dispachting-Plattform, die Daten und Videoressourcen in der Cloud zusammenführt. Weitere Highlights auf dem Messestand waren vernetzte Bodycams, Entfernungsmesser für den Rangierbetrieb sowie Terminals.

Exkurs TETRA vs. LTE

Auch die in Berlin vertretenen Standardisierungsgremien legten sich für ihre Schützlinge ins Zeug. Von der als „Guardian of the TETRA Standard“ agierenden TCCA (The Critical Communications Association) ausgelegte Broschüren verwiesen etwa auf den mit TETRA 2 verfügbaren TEDS (TETRA Enhanced Data Service), der Datenraten zwischen 100 und 691 kbit/s möglich mache.

Obwohl die TCCA als „3GPP Market Representation Partner“ agiert, lieferte das 3rd Generation Partnership Project (3GPP) eine etwas andere Perspektive. Dabei stellte das 3GPP dar, wie ab Release 13 immer mehr missionskritische Features in die Mobilfunkstandardisierung einfließen. Seit Release 13 ist etwa Mission Critical Push to Talk (MCPTT) verfügbar, mit Release 14 folgten Funktionen zur Gruppenkommunikation (Group Call). Ab Release 15 sollen weitere Features dann für 5G verfügbar werden.

Neben Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit der beiden Standards sind auch die regulatorischen Voraussetzungen nicht zu vernachlässigen – denn gerade bei missionskritischen Infrastrukturen wollen sich Organisationen oft nicht auf die Dienste eines Service Providers verlassen, sondern Netze in Eigenregie betreiben. Der deutsche Anbieter von TETRA SCADA- und Telemetrielösungen Piciorgros begründet das beispielsweise so: „Nicht zuletzt die Tatsache, dass man als Energie- und Gasversorger, oder in der Wasser- und Abwasserwirtschaft ein TETRA Funknetz auch in Eigenverantwortung betreiben kann, ermöglicht es, das Funknetz mit Notstromversorgung auszustatten, [und] somit vor einem potentiellen Blackout, der die öffentlichen Netze umgehend unbrauchbar macht, zu schützen.“

In Deutschland stehen für schmalbandigen Bündelfunk (TETRA) die Frequenzbereiche von 410-420 MHz (Unterband) sowie 420-430 MHz (Oberband) mit Kanalbreiten von 25 kHz zur Verfügung und werden auch entsprechend nachgefragt. Laut Bundesnetzagentur sei eine Nutzung durch weitbandige Funksysteme wie LTE nicht abzusehen. Bestehende Frequenzzuteilungen im Frequenzbereich 450 MHz laufen allerdings Ende 2020 aus. Danach will die Bundesnetzagentur eine qualifizierte Frequenzbedarfsabfrage durchführen und entscheiden, in welchem Umfang hier missionskritische LTE-Netzwerke bereitgestellt werden können.

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