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Branchenkompass Fachkräftemangel verzögert eGovernment

| Autor: Manfred Klein

Der Kampf der Öffentlichen Verwaltungen um die besten Köpfe hat sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. Laufende Großprojekte und Corona haben ein Übriges getan, die Situation zu verschärfen. Das hat Konsequenzen über die Projektumsetzung hinaus. eGovernment Computing stellt die Ergebnisse des neuesten Branchenkompasses von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut vor.

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IT-Spezialisten werden zur Mangelware
IT-Spezialisten werden zur Mangelware
(© Olivier Le Moal– stock.adobe.com)

Der Öffentlichen Verwaltung gehen die IT-Spezialisten aus. Fast drei Viertel (72 Prozent) der Entscheiderinnen und Entscheider bei Bund, Ländern und Kommunen berichten von nicht besetzten IT-Stellen. Die Öffentliche Verwaltung setzt daher laut Steria verstärkt auf Anreize.

So erlaubt das Besoldungsstrukturenmodernisierungsgesetz, seit 2020 in Kraft, beispielsweise Prämien und Zulagen, um neue Digitalfachkräfte zu gewinnen und das bestehende IT-Personal halten zu können. 61 Prozent der Behörden investieren zudem seit circa zwei Jahren verstärkt in Skill- oder Personalressourcenmanagement, so die Autoren im Branchenkompass Public Sector 2020. Bund, Länder und Kommunen seien vor allem gefordert, stärker um Talente und IT-Profis zu werben, damit sie im Personalmarketing mit Unternehmen mithalten können.

Die Experten von Steria bezweifeln jedoch, dass dies allein ausreichen wird, um genügend Fachpersonal für die digitale Transformation zu gewinnen. Immerhin beklage bereits jeder dritte Behördenmanager fehlendes Spezialwissen und Know-how-Lücken bei vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hier stünden also signifikante Investitionen in Fortbildungsmaßnahmen an.

Dazu meinte Ulf Glöckner, stellvertretender Leiter von Next Public, der Strategie- und Managementberatung für den Public Sector bei Sopra Steria: „Wichtig ist, dass Behörden ihren IT-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern nicht nur Schulungen in neuen Technologien anbieten. Sie sollten zusätzlich in strukturelle und organisatorische Veränderungen investieren.“

Immerhin, ein Umdenken scheint bereits stattgefunden zu haben. Um innovativer zu werden, aber auch attraktiver für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer planen bereits 88 Prozent der befragten Behörden mehr Beteiligung der Beschäftigten an digitalen Veränderungsprozessen.

Mehr als jede zweite Behörde will die Arbeit zudem künftig in crossfunktionalen Teams organisieren und führt agile Methoden ein. IT- und Fachseite sollen besser voneinander lernen, um Projekte beschleunigen zu können.

Darüber hinaus überprüfen laut Studie viele Behörden die Zusammenarbeit mit ihren IT-Dienstleistern. Ziel sei es hier, Leistungen effizienter zu managen und die Dienstleister besser einzubinden. 56 Prozent der befragten Entscheider können sich vorstellen, dass Verwaltungsdienstleistungen und Fachverfahren auch von privaten IT-Unternehmen bereitgestellt werden können.

Behörden könnten digitale Prozesse und Technologien aus einer Hand von außen beziehen und so einen Teil des notwendigen Digital-Know-hows einkaufen, statt es selbst aufzubauen.

Auch das ein spannender Aspekt der digitalen Souveränität, auf den die Autoren in der Studie allerdings nicht näher eingehen.

Mittelfristig werden Bund, Länder und IT, genauso wie Unternehmen, allerdings nicht um einen breiten Aufbau interner digitaler Kompetenzen herumkommen, so die Autoren. „Die Leistungsangebote der Öffentlichen Verwaltung werden immer digitaler. Allein das Automatisierungspotenzial ist enorm. Deshalb ist IT-Know-how für jede Behörde eine Schlüsseldisziplin, allein schon um Technologieentwicklungen für die eigene Nutzung zu bewerten“, so Ulf Glöckner abschließend.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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Details zur Studie
Branchenkompass Public Sector 2020

Von Februar bis März 2020 befragte das Marktforschungsinstitut ForschungsWerk im Auftrag von F.A.Z.-Institut und Sopra Steria 100 Entscheider aus 100 deutschen Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen zum Status und zu den Herausforderungen der Digitalisierung im öffentlichen Sektor. Die Befragten sind für Digitalisierung oder eGovernment in ihrer Behörde zuständig. Die Befragung wurde in Form von Computer Assisted Telephone Interviewing (CATI) durchgeführt.

Die befragten Öffentlichen Verwaltungen setzten sich zu 30 Prozent aus Bundes- und Landesbehörden und zu 70 Prozent aus Behörden von Kommunen – 23 Prozent Landkreise und 47 Prozent Städte und andere Gemeinden ab 20.000 Einwohnern – zusammen. In vertiefenden Interviews wurde Ende März 2020 mit drei Verwaltungsentscheidern über ihre Erfahrungen und Standpunkte gesprochen.

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