„Stellschraube“ Personal

Fachkräftemangel im Gesundheitswesen – ein Mythos?

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Offene Stellen im Gesundheitswesen können häufig nicht besetzt werden, was zur Arbeitsüberlastung der Mitarbeiter führen kann
Offene Stellen im Gesundheitswesen können häufig nicht besetzt werden, was zur Arbeitsüberlastung der Mitarbeiter führen kann (Bild:Healthcare Computing)

Nein – kein Mythos, sondern die pure Wahrheit: Glaubt man aktuellen Studien, dann sehen sich fast 40 Prozent der gesundheitswirtschaftlichen Einrichtungen häufig nicht in der Lage, offene Stellen zu besetzen – und dieser Zustand zieht sich in der Regel nicht selten über Monate hin. Das Gesundheitswesen ist davon deutlich mehr betroffen als die Gesamtwirtschaft.

Das Gefährliche daran ist, dass dadurch ein Domino-Effekt entsteht: Bedingt durch diese Situation wird die Arbeitsbelastung erhöht, das wiederum schwächt die Mitarbeitermotivation und bringt last but not least die Rentabilität der Einrichtungen in Gefahr.

Um dieser Negativspirale entgegenzuwirken, sind neue Methoden im Personalmanagement gefragt. Am Mittwoch, 15. Oktober 2014 erhalten Betriebe dazu in der Themenreihe „Personal & Gesundheitswirtschaft“ auf der Messe Zukunft Personal in Köln vielfältige Anregungen.

Geboten wird ein hochkarätiges Programm

Ein Markenzeichen von Europas Leitmesse für Personalmanagement ist das laut Aussage der Messeleitung hochkarätige Programm aus mehr als 200 Vorträgen und Podiumsdiskussionen. Die Themenreihe „Personal & Gesundheitswirtschaft“ stellt als Teil dieser geballten Expertise bereits zum achten Mal Trends der Healthcare-Branche in den Mittelpunkt. In diesem Jahr nehmen die Referenten insbesondere den anhaltenden Kostendruck sowie den demografischen Wandel zum Anlass, um praxisnahe Ansätze für die Personalarbeit zu präsentieren.

Personalstrategie: Neuausrichtung der Krankenhäuser

Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen Holding AG, unterbreitet in der Themenreihe am Beispiel ihres eigenen Hauses Vorschläge für zukunftsweisende Personalstrukturen. In und um Kassel betreibt der kommunale Klinikverbund neben Krankenhäusern der Grund-, Regel- und Maximalversorgung auch Fachkrankenhäuser. Arbeitsdirektorin Dilchert setzt dabei vor allem auf ein ganzheitliches Personalmanagement – von der strategischen Neuausrichtung über die Begleitung und das Coaching der Führungskräfte bis hin zu verschiedenen Teamentwicklungsaktivitäten.

Die Sicht eines privaten Unternehmens in der Gesundheitswirtschaft bringt Dr. Axel Paeger, CEO und Vorsitzender des Vorstands der Ameos Gruppe Zürich, ein. Der Gesundheitsdienstleister betreibt Krankenhäuser, Pflege- und Eingliederungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei ist Paeger als harter Verhandler in Personalangelegenheiten bekannt, der sich dem Ziel verschrieben hat, die stationäre Versorgung besser zu organisieren. Auf der Zukunft Personal berichtet er, welche Strategie im Personal- und Organisationsmanagement dahinter steckt.

Kommunal versus privat? Beide Seiten können voneinander lernen

Beide Seiten – privat und kommunal – bringt Ralph Freiherr von Follenius, Geschäftsführer des Vereins der kommunalen Großkrankenhäuser Region Mitte e.V. (VKG), in seinem Messebeitrag zusammen: Er berichtet darüber, wie er in Kooperation mit einem Automobilwerk ein Lean-Management-Modell für ein Krankenhaus der Maximalversorgung adaptiert hat.

In einer Podiumsdiskussion treffen die Vortragenden Birgit Dilchert, Ralph Freiherr von Follenius und Dr. Axel Paeger gemeinsam mit Wolfgang Rentsch, Director Global Facilities der Opel Vauxhall Rüsselsheim, aufeinander. Sie diskutieren unter der Moderation von Anne Kohlbrecher, die als Verkaufsleiterin bei der ZEIT Anzeigenkunden aus dem Public & Health Sector betreut, zum Thema „Ethik, Markt und Management im Krankenhaus“. Dabei beschäftigen sie sich auch mit der Frage, wie sich das Personal der Zukunft zusammensetzt, was es von einem Arbeitgeber erwartet und wie die Unternehmen sie für sich gewinnen können.

Der demografische Wandel erfordert ein Umdenken

In der Gesundheitswirtschaft ist vor allem im Zuge des demografischen Wandels ein Umdenken in der Betriebs- und Personalpolitik erforderlich, findet Prof. Dr. Friedemann W. Nerdinger von der Universität Rostock. Er hat im Rahmen eines BMBF-geförderten Verbundprojektes die aktuelle Situation in der Branche im Hinblick auf Engpässe bei Fach- und Hilfskräften sowie auf psycho-soziale und physische Arbeitsbelastungen untersucht. In der Themenreihe „Personal & Gesundheitswirtschaft“ präsentiert er als Ergebnis ein Qualifizierungskonzept, das Personaler dabei unterstützt, die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersgruppen zu erkennen und das Führungsverhalten darauf einzustellen.

Gesundheitspersonal muss mental gestärkt werden

Aspekte des Betrieblichen Gesundheitsmanagements haben zwei Beiträge von Ausstellern der Zukunft Personal im Visier: Birgit Kersten-Regenstein, Geschäftsführerin von teamkompetenz, erläutert, wie Mitarbeiter in herausfordernden Situationen mental belastbarer werden sowie handlungsfähig und emphatisch bleiben. Patrick Sourek von den CDC Carl Duisberg Centren zeigt, wie interkulturelles Verständnis bei Vorgesetzten, Kollegen und Patienten in einem internationalisierten berufliche Umfeld von Ärzten und medizinischem Fachpersonal einen stressfreien Arbeitsprozess garantieren kann.

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