Kommentar

„Facebook-Präsenz der Bundesregierung verhindert Bemühungen um mehr Datenschutz“

| Autor / Redakteur: Martin Kuppinger / Susanne Ehneß

Informationen monetarisieren

Martin Kuppinger, Principal Analyst und Gründer von Kuppinger Cole, kritisiert den Facebook-Auftritt der Bundesregierung
Martin Kuppinger, Principal Analyst und Gründer von Kuppinger Cole, kritisiert den Facebook-Auftritt der Bundesregierung (Bild: KuppingerCole)

Hier zeigt sich, wie auch bei vielen Unternehmen, dass oftmals die Implikationen von geschäftlichen Facebook-Profilen nicht verstanden werden. Auf der einen Seite steht die Vernetzung mit interessierten Facebook-Nutzern. Deren Wert wird oftmals überschätzt – es handelt sich nicht um Kunden, nicht um Leads und auch nicht um Wähler, sondern bestenfalls um Personen mit einem mal mehr, oft aber nur vagem Interesse.

Auf der anderen Seite steht das, was ein Unternehmen, eine Regierung, eine Partei oder jeder andere mit Facebook-Profil an Facebook preisgeben: Wer interessiert sich für meine Produkte, meine politischen Stellungnahmen (und welche) oder für meine sonstigen Aussagen auf Facebook?

Das Geschäftsmodell von Facebook besteht dann aber genau darin, diese Informationen zu monetarisieren – heute, mit den neuen Geschäftsbedingungen, noch mehr denn je zuvor. Für ein Unternehmen heißt das, dass die Informationen auch für den Wettbewerb nutzbar werden.

Man könnte auch sagen: Facebook ist die beste Möglichkeit, den Wettbewerb über seine (mehr oder minder interessierten) Follower zu informieren. Im Marketing, aber auch in der Politik, sollte man diesen Zusammenhang verstehen und abwägen, ob der Mehrwert den implizit zu zahlenden Preis in Form von für Wettbewerber interessanten Daten zahlen möchte.

Facebook mag in sein – aber es lohnt sich keineswegs für jedes Unternehmen, jede Regierung, jede Partei oder sonstige Organisation.

Follower sind keine Wähler

Die Bundesregierung wäre in jedem Fall gut beraten, wenn sie sich erst einmal über den tatsächlichen Nutzen ihrer Facebook-Präsenz klar würde. 50.000 Follower sind keineswegs 50.000 Wähler – der Wert dieser Zahl wird oft massiv überschätzt.

Der Bundesregierung empfehle ich, sich über den Widerspruch zwischen ihrem Anspruch an starke Datenschutzregeln und ihrem Handeln klar zu werden. Jetzt noch auf Facebook zu gehen, ist nicht einmal mehr modern – es ist schlicht der falsche Schritt zur falschen Zeit.

Martin Kuppinger, Principal Analyst und Gründer vonKuppinger Cole.

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