Weiterentwicklung des Europäischen Datenportals EU vergibt Rahmenvertrag

Autor Manfred Klein

Einen dicken Fisch hat das Beratungsunternehmen Capgemini an Land gezogen. Die Europäische Union hat nämlich einen sechsjährigen Rahmenvertrag zur Weiterentwicklung des Europäischen Datenportals an das Unternehmen vergeben.

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Was in Deutschland das Einer-für-Alle-Prinzip, das ist auf europäischer Ebene das Motto „In Vielfalt geeint“ – in beiden Fällen steckt dahinter das Bemühen um ein ebenenübergreifendes eGovernment
Was in Deutschland das Einer-für-Alle-Prinzip, das ist auf europäischer Ebene das Motto „In Vielfalt geeint“ – in beiden Fällen steckt dahinter das Bemühen um ein ebenenübergreifendes eGovernment
(© WrightStudio – stock.adobe.com)

Gegenstand des Vertrags ist es, die Entwicklung des Europäischen Datenportals zum neuen Leistungsangebot Data.Europa.EU. fortzuführen, einschließlich der damit verbundenen Beratungs- und Rechercheleistungen. Der neue Dienst soll die beiden derzeitigen europäischen Datenportale zusammenführen und die Bemühungen um die Veröffentlichung und Wiederverwendung offener Daten in ganz Europa bündeln.

Das neue Data.Europa.EU soll im Frühjahr 2021 starten und das Europäische Datenportal mit dem Open-Data-Portal der Europäischen Union zu einer kohärenten und zentralen Komponente der Dateninfrastruktur des öffentlichen Sektors integrieren. Das Angebot wird von der Europäischen Union, ihren Institutionen und den Mitgliedstaaten bereitgestellt und soll wie seine Vorgänger auf drei Säulen basieren:

  • Dem Portal als zentrale Anlaufstelle für öffentliche Datenressourcen aus ganz Europa und damit zu mehr als einer Million Datensätzen aus 36 Ländern, sechs EU-Institutionen und 79 weiteren EU-Einrichtungen und -Agenturen.
  • Der Unterstützung von EU-Institutionen und Mitgliedsstaaten durch die Gründung von Anwendergemeinschaften für Verantwortliche der nationalen Open-Data-Portale und der Politik sowie durch Beratung und Schulungen, um Datenveröffentlichungspraktiken zu dokumentieren, beizubehalten und zu verbessern.
  • Aufzeigen des sozio-ökonomischen Mehrwerts durch die Wiederverwendung öffentlicher Datenressourcen und die Schaffung von Anreizen, um Akzeptanz von und Wertschöpfung durch Open Data zu fördern und sichtbar zu machen.

Marc Reinhardt, Leiter Public Sector bei Capgemini in Deutschland, erklärte zum Vertragsabschluss: „Open Data ist ein zentraler Baustein des angestrebten datengetriebenen Regierungs- und Verwaltungshandelns in der EU und den Mitgliedsstaaten. Die Zusammenlegung der Datenportale und das erweiterte Leistungsportfolio von Data.Europa.EU werden den Einsatz und Reifegrad von Open Data weiter voranbringen. Zugleich entspricht die Bündelung der Datenressourcen in einer zentralen Anlaufstelle der spezifischen Leistungsstärke und dem Motto Europas 'in Vielfalt geeint'. Eine ähnlich positive konzeptionelle Zusammenarbeit erleben wir gerade bei Gaia-X, einem mindestens ebenso wichtigen Bestandteil der Dateninfrastruktur und digitalen Souveränität Europas.“

Marc Reinhardt hofft auf die Mitarbeit aller Bundesressorts bei der Umsetzung des Open-Data-Gesetzes
Marc Reinhardt hofft auf die Mitarbeit aller Bundesressorts bei der Umsetzung des Open-Data-Gesetzes
(© cap gemini)

Data.Europa.EU soll dazu beitragen, Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zur Wiederverwendung öffentlicher Datenressourcen zu optimieren und umzusetzen. Je mehr der daraus resultierende Einfluss auf wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische und ökologische Prozesse dokumentiert und nachvollziehbar ist, umso stärker werden der Zugang, die Auffindbarkeit und die Nutzung von Daten davon profitieren.

Die 2020 von Capgemini im Zusammenhang mit dem Europäischen Datenportal durchgeführte Studie beziffert das Marktvolumen für offene Daten in Europa auf 199 bis 334 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Marc Reinhardt ergänzt: „Die Bundesregierung hat Open Data in ihrer Anfang 2021 veröffentlichten Datenstrategie ebenfalls große Bedeutung eingeräumt und bereits entsprechend gehandelt. In der jährlichen Studie der EU-Kommission zum Open-Data-Reifegrad hat Deutschland 2020 mit dem achten Platz erstmals die Top Ten erreicht. Das Jahr 2021 wird für Deutschlands Rolle im europäischen Kontext entscheidend sein, da die Verabschiedung des angepassten Open-Data-Gesetzes und der PSI-Direktive anstehen. Die Ankündigung der federführenden Ministerien BMI und BMWi, ihre Vorhaben diesbezüglich zusammenzuführen, ist schon mal ein gutes Zeichen. Nun ist es an den anderen Ressorts, ebenfalls Flagge zu zeigen.“

Die Vereinbarung sieht neben der Verbesserung der bestehenden Leistungen vor, den Reifegrad von Open Data und die sozio-ökonomischen Auswirkungen offener und geteilter Daten in Europa zu erfassen. Die Unterstützung erfolgt für alle europäischen Länder gleichermaßen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Auffindbarkeit von Daten und der Verbesserung von Datenportalen, um ihre Wiederverwendung in jedem Land und jeder Kommune zu fördern.

Capgemini leitet das Projektkonsortium in Zusammenarbeit mit INTRASOFT International, zu dem auch Fraunhofer FOKUS, OMMAX, con terra, 52°North, Agiledrop, Timelex, die Stadtverwaltung von Lissabon und die Universidad Politécnica de Madrid gehören.

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