Benchmark-Studie der EU zu eGovernment

„Es wartet noch eine Menge Arbeit auf uns“

| Redakteur: Manfred Klein

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus der Studie für das eGovernment-Projekt der EU und welche für die deutschen Vorhaben, etwa die Nationale eGovernment-Strategie oder die Digitale Agenda, ziehen?

Reinhardt: Die Studie zeigt den Handlungsbedarf in Sachen eGovernment in Europa deutlich. Das beinhaltet an erster Stelle die notwendige konsequentere Ausrichtung an den Bedürfnissen der Nutzer. Der Bedienkomfort und das Antwortverhalten der Seiten und Anwendungen bedürfen einer Optimierung. Nicht nur die Betrachtung einzelner Lebens- und Unternehmenslagen, auch die des Lebenszyklus eines Bürgers könnte helfen, eGovernment-Nutzer und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und neue Anwendung gezielt darauf hin zu designen.

Die digitale Interaktionserfahrung muss so positiv werden, dass der Nutzer sie als Gewinn gegenüber anderen Kanälen ansieht und mit steigendem Vertrauen in eGovernment den digitalen Kanal wiederholt nutzt. Gerade für die deutsche Multikanal-Strategie wird sich der Onlinezugang nur durchsetzen, wenn er deutliche Vorteile gegenüber anderen Kontaktformen bietet.

Ein weiterer Punkt, den die Studie anmahnt, ist die Förderung der Transparenz des Verwaltungshandelns. Hier liegt Deutschland weit hinter dem EU-Durchschnitt, aber Initiativen wie das Transparenzgesetz aus Hamburg belegen, dass dies erkannt wurde.

Der Report fordert auch die weitere Öffnung von Verwaltungsdaten und deren Bereitstellung in maschinenlesbaren Formaten. Hier hat die EU gezeigt, dass sie Richtlinien schaffen kann, die Mindeststandards vorgeben, wie mit der sogenannten PSI-Richtlinie, deren Novellierungsumsetzung in deutsches Recht aktuell im Entwurf vorliegt. Solche Maßnahmen können zu Vereinheitlichung und Verbesserung über die Länder hinweg beitragen und Europa insgesamt nach vorne bringen.

Und abschließend ist zu nennen, dass der Benchmark ein klares Bekenntnis zu Innovation – etwa Mobile Government, Big Data Analytics, Cloud – fordert und darauf drängt, dass die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen, die sogenannten „eSkills“, aufgebaut und nachhaltig gefördert werden. Auch hier kann die EU für stärkere Vernetzung der Verantwortlichen und mehr Austausch sorgen.

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