eGovernment in NRW

Es geht auch ohne Zaubertrank

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Landes-CIO von NRW: Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke
Landes-CIO von NRW: Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke
(© MWIDE NRW/M. Hermenau)

Das digitale Bürgeramt scheint eines Ihrer Kernprojekte zu sein. 2022 wollen Sie damit in den „Vollbetrieb“ gehen. Wie g­enau definieren Sie den „Vollbetrieb“ des digitalen Bürgeramts?

Meyer-Falcke: Vieles, was bei der Digitalisierung geschieht, bleibt für den normalen Menschen unsichtbar. Oder es ist zu technisch, um es leicht nachzuvollziehen. Die Zusammenhänge müssen daher versinnbildlicht werden. Nur so kann ich sicherstellen, dass die Beschäftigten wissen, auf welches Ziel sie hinarbeiten. Nur so erhält aber auch die Allgemeinheit ein Verständnis davon, wie sie die digitalen Fortschritte nutzbringend einsetzen kann.

Wir sprechen nicht davon, eine Information in einem Netzwerk von Rechenzentren und Serverfarmen abzulegen oder eine Software im Internet laufen zu lassen. Stattdessen speichern oder betreiben wir etwas in der „Cloud“. Die „Wolke“ steht dabei symbolisch für die technischen Zusammenhänge und macht sie für den Technik-Laien erfahrbar.

Es geht hier nicht um Sprachspielchen. Wenn ich den Menschen, unseren Beschäftigten ebenso wie den Bürgern, nicht vermitteln kann, welches Gesamtkonzept hinter einer Digitalisierungsinitiative steht, erschwere ich die Umsetzung. Digitaler Fortschritt, der unverständlich präsentiert wird, wird von der Allgemeinheit nicht angenommen. Der Mensch, der sich nicht täglich mit Verwaltungsmodernisierung befasst, muss nicht wissen, was das OZG ist. Aber er kennt das Bürgeramt. Mithilfe der Metapher vom „digitalen Bürgeramt“ kann er sich erschließen, was wir mit den bereitgestellten Portalen und Suchmaschinen erreichen wollen, und sein Verhalten daran ausrichten.

Das digitale Bürgeramt ist aus unserer Sicht ein Symbol mit starker Wirkung. Die analogen Bürger­ämter aus Beton und Glas verfolgen dasselbe Ziel wie das digitale Bürgeramt: Verwaltung effizienter und kundenorientierter machen. Alle relevanten Verwaltungsleis­tungen sollen unter einem Dach mit kurzen Wegen angeboten werden. Also warum nicht auch Leistungen der Verwaltung, die jenseits des OZG liegen? eGovernment und SmartCity sind nicht zwei getrennte Welten, sondern stehen in einer engen Wechselbeziehung.

Das digitale Bürgeramt findet sich schon im Koalitionsvertrag der NRW-Regierung von 2017.

Es symbolisiert in diesem Zusammenhang alle Maßnahmen, die der Umsetzung des OZG dienen. Wenn allerdings Ende 2022 ein „Kunden-Schalter“ noch nicht fertig sein sollte oder nach 2022 noch ein zusätzliches „lokales Bürgerbüro“ eröffnet wird, ändert dies nichts an der Aussagekraft des Bildes vom „digitalen Bürgeramt“: Die Verwaltung ist Dienstleister der Allgemeinheit – in der analogen und der virtuellen Welt. Und das für alle unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Unternehmen.

Für 2022 hat sich NRW im Rahmen der Digitalisierungsstrategie 2.0 in den Bereichen Open- und eGovernment einiges vorgenommen. Wie kann das alles neben der Schlussphase der OZG-Umsetzung gelingen?

Meyer-Falcke: Die Umsetzung des OZG steht sicherlich für 2022 ganz im Mittelpunkt der digitalen Transformation der Verwaltung. Dennoch ist und bleibt das OZG nur ein Teilbereich der Verwaltungsdigitalisierung. Die anderen Bereiche zu Gunsten der OZG-Umsetzung zu „kannibalisieren“, wäre kurzsichtig.

Neue Formen der technologischen Zusammenarbeit wie Open Source, neue Technologien wie Cloud Computing, der Ausbau der Digitalkompetenz der Beschäftigten, die Arbeit am „Modern Workplace“ oder die Digitalisierung der internen Behördenabläufe haben als Themen nicht nur ihre eigene Berechtigung. Sie sind wichtige Stützen für das Gesamtgebäude, das wir errichten wollen: die digital transformierte Verwaltung. Schon mittelfristig wird ein Teil dieser Themen in der Diskussion um ein OZG 2.0 zusammenwachsen: Bereitstellung der Online-Dienste in der Cloud oder die Erweiterung des OZG-Umsetzungsprogramms auf die Binnendigitalisierung sind nur zwei Stichpunkte.

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