VIP-Forum elektronische Gesundheitskarte (Teil 2)

Es existieren bisher keinerlei Schutzmechanismen

| Autor / Redakteur: Dr. Edgar Franke, MdB / Manfred Klein

Milliardenprojekt elektronische Gesundheitskarte
Milliardenprojekt elektronische Gesundheitskarte

Die eGK führt das Leben eines Untoten. Immer wieder einmal wird sie für tot erklärt, ohne dass dies zu einem wirklichen Ableben führen würde. Auf der andere­n Seite ist die Karte weiter denn je davon entfernt, zu einem Stück Lebenswirklichkeit zu werden. eGovernmen­t Computing hat Experten befragt, wie es weitergehen soll: Dr. Edgar Franke.

MdB Dr. Edgar Franke
MdB Dr. Edgar Franke

Seitdem die Bundesministerin für Gesundheit, Ulla Schmidt, im Jahr 2003 die elektronische Gesundheitskarte als Leuchtturmprojekt gepriesen hat, sind einige Legislaturperioden vergangen. Jahre, in denen die elektronische Gesundheitskarte immer wieder kritisiert und in Frage gestellt wurde. Weder ihr Nachfolger als Gesundheitsminister, Philip Rösler, der ein erklärter Gegner der elektronischen Gesundheitskarte war, noch dessen Nachfolger, der derzeitige Gesundheitsminister Daniel Bahr, erscheinen als überzeugte Verfechter dieses zukunftsweisenden Projekts. Ich bin demgegenüber der festen Überzeugung, dass es richtig ist, die elektronische Gesundheitskarte endlich einzuführen. Ich orientiere mich dabei mehr an den Fakten als an den Spekulationen derer, die dieses Projekt immer abgelehnt haben.

Für die Patientinnen und Patienten unterscheidet sich die neue Karte zunächst lediglich in zwei Dingen von der alten: Auf der Vorderseite ist ein Foto des Versicherten. Die Rückseite ist so gestaltet, dass sich die Besitzer damit auch im europäischen Ausland behandeln lassen können. Alles weitere, wie elektronische Rezepte, Speicherung von Allergiedaten oder gar eine elektronische Patientenakte ist Zukunftsmusik.

Die bisherige Krankenversicherungskarte ist eine reine Speicherkarte mit einem Magnetstreifen. Ihre Informationen können derzeit mit einfachen Mitteln kopiert, gelöscht oder auch manipuliert werden. Es gibt bisher keinerlei Schutzmechanismen.

Bei der jetzt bereits vielfach an die Patientinnen und Patienten ausgegebenen neuen elektronischen Gesundheitskarte sind die Daten verschlüsselt. Selbst Experten wie der Datenschutzbeauftragte des Bundes spricht diesbezüglich von einem Schutz nahe 100 Prozent. Andere Institute, wie das Fraunhofer FOKUS Institut, kommen zu demselben Ergebnis.

Und wenn frühestens 2015 medizinische Angaben auf der Karte gespeichert werden können, werden diese doppelt abgesichert sein. Der Patient verwendet eine persönliche Identifikationsnummer (PIN) – wie bei der ec-Karte – und der behandelnde Arzt muss sich per Heilberufsausweis identifizieren.

Alle Kritiker des Datenschutzes müssen sich fragen lassen: Wo befinden sich aktuell die hochsensiblen Daten von Patientinnen und Patienten? Was geschieht mit Arztberichten? Und vor allem: Wie sieht eine Arzneimitteldokumentation aus? Niemand kann leugnen, dass die Datensicherheit aktuell nicht eben hoch ist. Die meisten Daten sind handschriftlich auf Karteikarten festgehalten, die sich in einem Schrank in der Praxis befinden.

Gerade bei der Dokumentation kann die neue elektronische Gesundheitskarte für die Patienten Gutes leisten. Sie hält alle Notfalldaten vor. Die behandelnden Mediziner können einfach nachvollziehen, welche Medikation der Patient bereits bekommen hat. Und er kann dann entscheiden, wie sich das mit weiteren Arzneimitteln der akuten Behandlung verträgt. Die Vernetzung von Arzt, Krankenkasse und Krankenhaus wird verbessert. Mit den Daten der elektronischen Gesundheitskarte werden künftig Doppeluntersuchungen vermieden. Das belastet den Patienten weniger und spart Zeit und erhebliche Kosten.

Abschließend will ich noch auf einen Punkt besonders hinweisen: Alle personenbezogenen Daten die zukünftig auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können, die also über die Stammdaten hinausgehen, bedürfen bei der Erhebung immer der Einwilligung des Karteninhabers. Das bedeutet, alle Patienten entscheiden selbst, ob sensible Patientendaten gespeichert werden. Zum Schutz vor Missbrauch werden zusätzlich die letzten 50 Zugriffe auf Daten und Verordnungen gespeichert, sodass jederzeit kontrolliert werden kann, wer wann mit den Daten zu tun hatte.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte die Möglichkeit bedeutet, medizinische Versorgung in Zukunft für alle zu optimieren. Sie hilft bei der Missbrauchsbekämpfung, der Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung und der Wirtschaftlichkeit. Das ist letztlich gut für die Patienten, deren Interessen im Mittelpunkt stehen müssen.

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Niemand kann leugnen, dass die Datensicherheit aktuell nicht eben hoch ist. Die meisten Daten sind...  lesen
posted am 31.07.2012 um 16:41 von woksoll

Zukunftsmusik und Orientierung an den Fakten ... nun gut. Technisches Verständnis wäre aber auch...  lesen
posted am 31.07.2012 um 12:34 von Unregistriert


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