SinkaCom-Vorstand Andreas Köninger im Interview „Es braucht ein ‚digiloges’ Angebot“

Das Gespräch führte Natalie Ziebolz

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Die Umsatzeinbußen im Zuge der Corona-Pandemie trafen zahlreiche Geschäfte und Gewerbetreibende empfindlich – und auch aktuell bewegen sich die Besucherzahlen noch häufig unter dem Vor-Krisen-Niveau. Um die Innenstädte wieder attraktiv zu machen, reicht es jedoch nicht, den Handel zu fördern, stattdessen bedarf es neuer und digitaler Ideen, die die Bürger abholen.

Andreas Köninger, Vorstand der SinkaCom AG, sprach mit eGovernment Computing über zukunftsfähige Innenstädte
Andreas Köninger, Vorstand der SinkaCom AG, sprach mit eGovernment Computing über zukunftsfähige Innenstädte
(© Jens Braune del Angel, Frankfurt)

Die Corona-Pandemie hat für leere Innenstädte gesorgt. Wie sieht es aktuell in den Stadtzentren aus?

Köninger: Der Bounce back funktioniert grundsätzlich besser als vermutet wurde, es gibt allerdings regional und standortbezogen massive Unterschiede. In einigen Städten bleiben wohl dauerhaft 30 Prozent der Besucher weg. Das ist ein Drama. Der Großteil der Städte und Kommunen erholt sich jedoch – zumindest, wenn man einschlägigen Studien der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing (BCSD) und Befragungen des Deutschen Städtebunds glauben kann. Wie vor Corona, ist es hier jedoch auch nicht. Die Frequenz ist zwar wieder da, aber die Angebotsstruktur verändert sich.

Reden wir Klartext: Niemand muss mehr zum Einkaufen in die Innenstadt fahren. Wir haben in den vergangenen Jahren alle gelernt, dass man Einkäufe auch online erledigen kann. Man bestellt die Waren und lässt sie sich bequem nach Hause liefern. Ähnliches gilt auch für das gastronomische Angebot. In dieser Beziehung war Corona fast schon ein Segen, da die Deutschen aus ihrer Komfortzone gerissen wurden, in IT investiert haben und diese Neuerungen auch zugelassen werden mussten. Dadurch sind Erkenntnisse entstanden, für die wir in Deutschland vermutlich noch 20 Jahre gebraucht hätten.

Sie sagen, die Angebotsstruktur in den Innenstädten verändert sich. Inwiefern?

Köninger: Die Innenstädte hatten bereits vor Corona strukturelle Probleme. Vielerorts war das Bild damals bereits von Leerstand geprägt. Das Modell aus den 60ern, das vor allem auf den Handel setzt, um die Menschen in die Stadt zu locken, funktioniert nicht mehr. Das Problem ist allerdings seit zehn Jahren bekannt. Statt es jedoch grundsätzlich anzugehen, hat man versucht, es mit kleinen Maßnahmen zu lösen: Hier einige neue Sitzbänke, dort ein, zwei Pflanzkübel, um die Aufenthaltsqualität zu steigern.

Das eigentliche Problem wurde dadurch jedoch nicht gelöst. Vielmehr braucht es neue kreative Ansätze: Ein Leerstand kann zum Beispiel für einige Jahre von der Stadt angemietet werden und diese vermietet die Flächen dann weiter, etwa an das lokale Handwerk. Schlosser können dort beispielsweise ihre Arbeit mit Show-Einlagen vorführen. Wir können uns das gar nicht vorstellen, dass ein Schlosserbetrieb in der Innenstadt ist oder ein Müller. Früher war das ganz normal.

Entscheidend ist dabei, einen Diskurs mit allen Beteiligten, also Ladenbesitzern, Anwohnern etc. zu führen und ein Konzept zu finden, das zur Stadt und zur Zielgruppe passt.

Junge Leute brauchen beispielsweise einen Treffpunkt und nicht nur geldgetriebene Angebote. Die wollen sich nicht auf vier Betonblöcke vor einen Brunnen setzen und dort einen Latte Macchiato für fünf Euro das Stück trinken.

Allerdings ist häufig zu beobachten, dass lieber Projekte umgesetzt werden, die in den lokalen Medien für Aufsehen sorgen, statt dass sich gezielt mit den Bedürfnissen der Bürger und Bürgerinnen auseinandergesetzt wird.

Fairerweise muss man auch sagen, nicht jede Zielgruppe lässt sich in jeder Stadt adressieren. Gibt es keine Touristen, braucht man sich natürlich keinen Kopf um touristische Angebote machen – auch wenn es der Bürgermeister oder der Stadtrat gerne hätten. Vielmehr sollte man analysieren, wer sich heute schon in der Innenstadt aufhält, für wen man attraktiv ist – und für wen nicht. Anschließend sollte man sich dann erst einmal auf die Zielgruppe konzentrieren, die Quick Wins verspricht.

Neben der Angebotsstruktur – wie können Kommunen und Städte die Vereinsamung der Innenstädte noch stoppen?

Köninger: Es braucht ein „digiloges“ Angebot, das heißt, eine digitale Entsprechung des analogen Angebots. Die Maßnahmen dafür sind simpel: erst einen Plan machen, sich Ziele stecken und dabei bodenständig bleiben. Die Digitalisierung und das Nutzen von digitalen Werkzeugen, um eine digiloge Welt zu erzeugen, bedingt kontinuierliches Arbeiten in iterativen Zyklen. In jedem Schritt müssen mehr Leute mitgenommen und involviert werden.

Auf der nächsten Seite: Wie ein digiloges Angebot konkret aussieht – und welche Hürden es gibt.

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