Länder stecken Milliarden in den Breitbandausbau

Erdrosselt die Telekom eGovernment in Deutschland?

| Redakteur: Manfred Klein

Vonseiten der Telekom heißt es zu den umstrittenden Managed-Service-Lösungen: „Grundsätzlich können natürlich auch eGovernment-Lösungen als Managed Service angeboten werden. Fakt ist, dass sich das Internet viel differenzierter entwickeln wird, als wir es heute kennen. Das liegt nicht daran, dass die Telekom das so will. Ursache ist, dass neue Dienste entstehen, die sehr unterschiedlich sind und deshalb unterschiedliche Qualitätsanforderungen haben. Bei einer eMail spielt es keine so große Rolle, ob sie einige Sekunden später ankommt.“

Das Geschäftsmodell der Telekom

Und: „Ein Videokonferenzdienst wird aber nicht auf Akzeptanz stoßen, wenn er keine bestimmte Qualität garantieren kann. Wir wollen Kooperationen zu sogenannten Managed Services anbieten, die in einer höheren und gesicherten Qualität produziert und gesondert vergütet werden. Das tun wir diskriminierungsfrei, das heißt, jeder kann einen Managed Service über unser Netz realisieren.“

Gegenüber eGovernment Computing erläuterte die Telekom auch ihr Geschäftsmodell: „Es wird häufig unterstellt, dass sich nur große Anbieter diese Managed Services leisten können. Das Geschäftsmodell sieht aber ganz anders aus: Die Partner müssen dafür nicht vorab bezahlen, sondern wir teilen uns die Umsätze. Gerade Newcomer haben so erst die Chance, neue und empfindliche Dienste zu starten.

Für Kunden bedeutet das: Sie werden in Zukunft aus unterschiedlichen Paketen das jeweils passende aussuchen können. Sie haben die Wahl und können nach ihren Bedürfnissen entscheiden.“

Bleibt die Frage, ob die Politik sich damit zufriedengeben wird. Der CIO von Rheinland-Pfalz, Staatssekretärin Heike Raab, sieht in dem Angebot jedenfalls die Gefahr, dass nur die Angebote anderer Unternehmen von der Verlangsamung betroffen seien, während Telekom-eigene Dienste auch nach dem Erreichen der Volumengrenze mit voller Geschwindigkeit zur Verfügung stehen sollten.

„Die Telekom verstößt damit auf ärgerlichste Weise gegen den Grundsatz der Netzneutralität. Ihre Aufgabe ist es, Datenpakete diskriminierungsfrei zu transportieren. Die Bevorzugung der eigenen Dienste ist nicht akzeptabel“, so Raab.

Zwei-Klassen-Gesellschaft im Internet?

Sie befürchtet zudem, dass sich auch andere Provider den rückwärtsgewandten Plänen zur DSL-Drosselung anschließen könnten, statt ihr Engagement in den Ausbau von schnellem Internet zu stecken.

Kritik übte Staatssekretärin Heike Raab auch an der Bundesregierung: „Nun treten offen die Probleme zutage, die dadurch entstehen, dass die Koalition in Berlin bei der digitalen Entwicklung seit Jahren falsche Schwerpunkte setzt und Netzneutralität und Wettbewerb eben nicht sicherstellt.“

Auch Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, sieht die Politik in der Pflicht: „Ein Zwei-Klassen-Internet, wo Provider eigenen Multi­media-Angeboten Vorfahrt einräumen und andere Web-Angebote ausgebremst werden, darf es nicht geben. Jetzt ist die Politik am Zuge!“

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Ein/das Grundproblem ist doch, dass die Gier nach immer größeren Bandbreiten letztlich dazu...  lesen
posted am 22.05.2013 um 09:19 von auchpferde


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