Grenzkontrollen vereinfachen und Grenzschutz verbessern

Elektronischer Reisepass in der vierten Generation

| Autor / Redakteur: Dr. Detlef Houdeau / Susanne Ehneß

Rund 200 Millionen Fluggäste zählten allein die deutschen Flughäfen im letzten Jahr. Ein EU-Förderprojekt zeigt, wie trotz zunehmenden Reiseaufkommens die Wartezeit an Grenzkontrollen verkürzt und der Grenzschutz verbessert werden kann.

Wer in den letzten zwei Jahren eine Reise über die Grenzen des Schengen-Raums hinaus unternommen hat, wird es bemerkt haben: Große internationale Flughäfen in Europa wie Fraport in Frankfurt, Schipol in Amsterdam und Heathrow in London haben automatisierte Grenzkontrollen, sogenannte eGates, installiert. Grenzkontrollen mithilfe von eGates sind nur deshalb möglich, weil seit 2006 alle 28 EU-Mitgliedsstaaten elektronische Reisepässe an ihre Bürger ausgegeben haben. Heute haben 35 Prozent der Bundesbürger einen Reisepass, nahezu alle davon sind elektronisch.

Elektronische Reisepässe mit digitalisierten und biometrischen ­Daten sowie Personenidentifizierung durch automatisierte Grenzkontrollen sind also schon heute Stand der Technik. Um auch in Zukunft höchste Sicherheitsstandards halten zu können, ist die Entwicklung neuer Produkte, Funktionalitäten und Standards von größter Bedeutung.

Ein Paradebeispiel ist das euro­päische Forschungsprojekt „New P@ss“. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung haben führende europäische Hersteller von Sicherheitschips und elektronischen Reisedokumenten wie Infineon oder Giesecke & Devrient Hardware und Software für hoheitliche Dokumente und eGovernment-Anwendungen entwickelt und getestet. Die Ergebnisse sind in die neuesten Standards der ICAO (International Civil Aviation Organization) für elektronische Reisedokumente eingeflossen.

Um die Zeitreise in die Zukunft elektronischer Reisepässe und der Grenzkontrolle besser einordnen zu können, bedarf es jedoch eines kurzen Rückblicks.

2003 bis 2015

Im Frühjahr 2003 hat die ICAO begonnen, weltweit gültige Standards für elektronische Reise­dokumente zu definieren. Damit verbunden war der Wechsel von einem reinen Sichtausweis zu einem Pass mit eingebetteter Mikro­elektronik. Dank Mikroelektronik für hoheitliche Dokumente konnten drei wichtige Ziele erreicht werden:

  • Einsatz elektronischer Sicherheit mit Chip-Technologie in den hoheitlichen Dokumenten,
  • verbesserte Identitätsprüfung mithilfe biometrischer Daten des Dokumenteninhabers und
  • verbesserter Grenzschutz durch Digitalisierung und automatisierte Grenzkontrollen.

Die EU-Kommission hat mit der Verordnung EC/2252/2004 Mindest-Sicherheitsstandards sowie den Einführungstermin für europäische Pässe in den EU-Mitgliedsstaaten einheitlich festgelegt. Für den Pass mit biometrischen Daten war das der 1. Juni 2006. Ab diesem Zeitpunkt mussten die ausgegebenen Pässe das Gesichtsfoto und die persönlichen Daten des Dokumenteninhabers auch auf ­einem Sicherheitschip im Reisepass ablegen. Der elektronische Zugang zu den Daten im Chip erfolgt über die maschinenlesbare Zeile („Machine Readable Zone“, abgekürzt MRZ), die sich im unteren Sichtbereich der Datenseite befindet. Der Dateninhalt dieser MRZ wird mit einer Hash-Funktion verarbeitet. Der daraus erzielte mathematische Wert ist der Zugangsschlüssel zum elektronischen Datenraum im Chip. Diese Pässe waren die sogenannte erste Generation der ePässe. Der Zugangsmechanismus zum Auslesen der Daten wird „Basic Access Control“ (BAC) genannt.

Bitte lesen Sie auf der nächsten Seite weiter.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43609500 / System & Services)