EU-Benchmark-Studie zu eGovernment

Elektronischer Flickenteppich ist kein typisch deutsches Problem

16.03.2010 | Redakteur: Manfred Klein

Tom Gensicke verantwortet den Geschäftsbereich eGovernment
Tom Gensicke verantwortet den Geschäftsbereich eGovernment

Capgemini hat im Auftrag der EU-Kommission eine aktualisierte Neuauflage der Benchmark-Studie zum europäischen eGovernment vorgelegt.

eGovernment Computing sprach mit Tom Gensicke, Leiter des Geschäftsbereichs Public Sector bei Capgemini Deutschland, über den Nutzen solcher Studien und darüber welche Schlussfolgerungen aus den Untersuchungsergebnissen zu ziehen sind.

Herr Gensicke, Österreich hat auch in der von Capgemini durchgeführten Benchmark-Studie der EU-Kommission gewohnt gut abgeschnitten. Eine Untersuchung der österreichischen Wirtschaftskammer übt nun harsche Kritik am eGovernment der Alpenrepublik, da nur jedes zweite Unternehmen die Angebote nutze. Widerspricht das nicht den Ergebnissen der Capgemini-Studie, schließlich wurde gerade Österreich für seine Bürgerorientierung in der Studie gelobt? Welchen Nutzen haben Untersuchungen zu eGovernment überhaupt, bei so widersprüchlichen Ergebnissen?

Gensicke: Die EU-Studie untersucht seit 2001 den Grad der elektronischen Bereitstellung und die Nutzerfreundlichkeit von Verwaltungsverfahren von der Fahrzeuganmeldung über Registeranmeldungen bis hin zu Sozialabgaben. Die von Ihnen angesprochene österreichische Studie hingegen hat die tatsächliche Nutzung dieser Verfahren speziell in Österreich untersucht und ist im Ergebnis für mich kein Widerspruch. Sie zeigt, dass es wichtig ist, neue Anwendungen so einzusetzen, dass Anreize zur Nutzung für die Beteiligten entstehen. Dazu gehören Kriterien wie die Qualität des Zugangs über Portale, Einfachheit der Bedienung, Möglichkeiten des Feedbacks oder der Bewertung von Services. Hier liegt Österreich im Ergebnis der EU-Studie keineswegs auf den vorderen Plätzen.

Zudem wird hier auf hohem Niveau geklagt, immerhin nutzen laut der österreichischen Studie 85 Prozent der Befragten FinanzOnline und etwas mehr als die Hälfte verschiedene andere eGovernment-Verfahren und das in der Regel vollständig, also mit einer elektronischen Unterschrift.

Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt haben im Jahr 2008 in Deutschland etwa 22 Prozent der Internetnutzer ausgefüllte Formulare an Behörden versendet, der Anteil an Verfahren mit der Möglichkeit, elektronisch zu unterschreiben, wurde gar nicht erst untersucht.

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