Trends & Perspektiven

Elektronische Dokumentensafes für Bürger und Unternehmen

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Geheimnisschutz für Treuhänder

Bei jenen „Datennotaren“ oder „Datentreuhändern“, die das erforderliche Sicherheits- und Vertrauensniveau bieten, sollte es sich um staatlich autorisierte, in ihrer Funktion wie Notare, Rechtsanwälte, Ärzte oder Steuerberater mit einem Vertrauens- und Geheimnisschutz ausgestattete Mittler handeln, die zwar vom Staat in ihrer Funktion kontrolliert werden, auf deren Datenbestände öffentliche Stellen aber keinen Zugriff haben. Solche Modelle erfordern allerdings ein tragfähiges, rechtliches Fundament und eine ausgereifte technische Plattform, die allen Ansprüchen an elektronische Dokumentensafes gerecht wird.

Mit dem 2006 vom Bundeskabinett beschlossenen Programm eGovernment 2.0 spricht sich der Bund erstmalig für den Aufbau von sogenannten „Bürger-Portalen“ öffentlicher und privater Akteure aus. Diese staatlich zertifizierten und dadurch definierten Sicherheits- und Vertraulichkeitsanforderungen entsprechenden Portale für Bürger sollen künftig eine sichere, elektronische Kommunikation garantieren, personenbezogene Daten schützen, die informationelle Selbstbestimmung gewährleisten und eine Identifizierung im Internet ermöglichen.

Strategisches Ziel

Das Land Baden-Württemberg hat zusammen mit T-Systems mit dem „Dokumentensafe“ im Portal service-bw bereits ein entsprechendes Konzept für Land und Kommunen umgesetzt, das in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. Vergleichbare Vorhaben werden zudem auf kommunaler Ebene verfolgt. Parallel dazu werden auch noch fachbereichsbezogene Vorhaben wie etwa der elektronische Gerichtsbriefkasten, eine elektronische Rechnungsstellung oder das elektronische Rezept und der elektronische Arztbrief verfolgt.

Ein elektronischer Dokumentensafe kann für Bund, Länder und Kommunen sowie viele Behörden ein strategisches Vorhaben ihrer eGovernment- und Portalstrategien sein, das sie in ihre Gebietskörperschafts- oder Behördenportale integrieren möchten. Einige Bürger werden sich auch darüber freuen, dass sie mehr als nur ein Schließfach besitzen dürfen. So, wie viele Bürger Konten bei mehreren Banken besitzen, werden sie auch Schließfächer bei unterschiedlichen Anbietern von Dokumentensafes einrichten wollen. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit muss jedoch frühzeitig hinterfragt werden, warum Entwicklung und Betrieb von jedem Akteur separat finanziert werden soll oder ob hier nicht frühzeitig eine verwaltungsebenenübergreifende Zusammenarbeit – gegebenenfalls zusammen mit privaten Akteuren – anzustreben wäre.

Erhebliche Nachfrage erwartet

Grundsätzlich wird es Bürgern jedoch schwer zu vermitteln sein, dass sie für Verwaltungskontakte mit unterschiedlichen Behörden mehrere Dokumentensafes nutzen müssen, wenn ihnen ein Dokumentensafe eigentlich ausreichen würde, insbesondere, wenn dieser von allen Fachanwendungen auch angesprochen werden kann. Da vergleichbare Dokumentensafes in Dänemark (e-Boks) und Schweden (ePostboxen) bereits seit mehreren Jahren verfügbar sind und auch hierzulande von einer erheblichen Nachfrage auszugehen ist, sollte eine Umsetzung in Deutschland möglichst zügig angegangen werden.

(ID:2007092)