Bis zu 80 Prozent

Einsparpotenzial bei der Rechnungsverarbeitung

| Autor / Redakteur: Matthias Gröschel / Susanne Ehneß

Interview

Markus Pichler
Markus Pichler (Bild: Abbyy)

Seit Juni 2014 wird der Vormarsch elektronischer Rechnungen durch ein neues Rechnungsformat weiter vorangetrieben. Ist ZUGFeRD der richtige Weg?

Pichler: Die Einführung des ZUGFeRD-Standards ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Der Austausch elektronischer Rechnungen zwischen Unternehmen der Privatwirtschaft, aber auch der Öffentlichen Verwaltung, bietet für beiden Seiten enorme Vorteile. Kosten und Zeitaufwand für Drucken, Versenden, Öffnen und Freigabe­umläufe werden nahezu eliminiert und hierbei sprechen wir lediglich von den Einsparungen durch Digitalisierung. Selbstverständlich vereinfacht ein solcher Standard auch die Automatisierung der Rechnungseingangsverarbeitung. Dadurch werden solche vollautomatischen Lösungen zukünftig auch für kleinere und mittelständische Unternehmen inte­ressant.

Wird damit in den kommenden Jahren der Rechnungsaustausch zwischen Unternehmen und Behörden nur noch elektronisch stattfinden?

Pichler: Selbstverständlich nicht. Bis zu einer flächendeckenden Umsetzung vergeht sicherlich noch einige Zeit und selbst dann verschwinden Papierrechnungen nicht vollständig. Somit werden auch OCR und Data Capture weiterhin ein Thema bleiben. Viele Kleinbetriebe oder Selbstständige, die von zu Hause aus arbeiten, werden auch weiterhin auf Papier setzen, da das Einsparpotenzial für ihre Zwecke zu niedrig sein wird.

Für Unternehmen und Behörden, die Kosten durch eine automatische Rechnungseingangsverarbeitung realisieren wollen, heißt das, dass eine solche Lösung immer alle Rechnungsformate unterstützen muss. Mit ABBYY FlexiCapture for Invoices erreichen wir genau das. Für den Buchhalter ergibt sich kein Unterschied bei der Verarbeitung: Eine ZUGFeRD-Rechnung wird genau wie eine gescannte Papierrechnung mit dem in der Lösung verankerten Regelwerk entsprechend dem §14 UStG überprüft - und dank nahtloser Integration kann die Verarbeitung sogar direkt in SAP stattfinden.

Es ist also noch ein langer Weg zu gehen, bis ZUGFeRD den Unternehmensalltag wirklich revolutioniert?

Pichler: In der Tat, denn auch wenn Deutschland vorangeht mit dem ZUGFeRD-Standard, kann das alleine in einer globalisierten Wirtschaft nicht die Lösung sein. Unternehmen und Konzerne agieren heutzutage international. Ein rein deutscher Standard kann deshalb kein Allheilmittel sein. Ein Grund mehr, weshalb ABBYY auch weiterhin andere Formate nicht außer Acht lassen will und kann.

Damit der neue Standard wirklich unsere Rechnungsverarbeitung revolutioniert, müssen auch andere Länder auf den Zug mit aufspringen. Langfristig bin ich jedoch durchaus positiv gestimmt, dass das gelingen kann. Doch lassen Sie mich erneut betonen, dass diese Entwicklung nicht von heute auf morgen funktionieren kann. So eine Umstellung auf internationalem Niveau braucht Zeit. ­Eine vollständige Ablösung von Papierrechnungen halte ich hingegen für Utopie.

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