Telemedizin

Einfache Krankheitsfälle outsourcen

| Autor: Ira Zahorsky

In Deutschland dürfen Ärzte bislang keine telemedizinische Erstbehandlung anbieten.
In Deutschland dürfen Ärzte bislang keine telemedizinische Erstbehandlung anbieten. (Bild: © leowolfert – stock.adobe.com)

Bereits heute fehlen vor allem in ländlichen Gebieten Hausärzte und die Prognose ist schlecht. Die vorhandenen Hausärzte können die wachsende Zahl an Patienten kaum stemmen, Zeit bleibt meist nur für eine kurze Standardbehandlung. Für unkomplizierte Fälle gibt es eine Alternative.

„Für einfache Angelegenheiten geht der praktizierende Arzt vor Ort meist nur einige standardisierte Punkte durch. Aber das ist kein besonders effektiver Einsatz seiner wertvollen Sprechstundenzeit. Aus meiner Sicht macht es stattdessen mehr Sinn, dass sich der Hausarzt in Zukunft stärker auf Fälle fokussiert, in denen der Patient individuelle Fragen hat oder tatsächlich Laboruntersuchungen nötig sind“, erklärt der Geschäftsführer von Fernarzt.com, Ahmed Wobi.

Rezept ohne Wartezeit

Wer keine Zeit hat, auf einen Termin zu warten, oder seine Zeit nicht im Wartezimmer verbringen möchte, dem bietet das Portal Fernarzt.com eine mögliche Alternative. Folgende Behandlungsfelder gibt die Plattform an:

  • Akne
  • Bakterielle Vaginose
  • Blasenentzündung
  • Chlamydien
  • Damenbart
  • Erektionsstörung
  • Haarausfall
  • Migräne
  • Heuschnupfen
  • Verhütung
  • Vorzeitiger Samenerguss

Auf Basis eines Online-Fragebogens wird eine Diagnose erstellt und rezeptpflichtige Original-Medikamente aus Deutschland verschrieben. Die Patienten müssen die Kosten der von Fernarzt.com vermittelten telemedizinischen Leistungen allerdings selbst tragen. Pro erfolgreicher, vermittelter Behandlung berechnet das Unternehmen eine Gebühr zwischen 8,50 und 29 Euro. Das Medikament, das über eine Partner-Apotheke bezogen wird, wird zusätzlich berechnet.

Umweg über Großbritannien

Derzeit erlaubt es die Gesetzgebung in Deutschland ansässigen Ärzten nicht, eine telemedizinische Erstbehandlung anzubieten. Deshalb arbeitet das Portal Fernarzt.com mit Ärzten in Großbritannien, die dort bei der britischen Ärztekammer (General Medical Council) registriert sind und als Hausärzte praktizieren.

Auf dem Ärztetag, der vom 8. bis 12. Mai 2018 in Erfurt stattfindet, könnte durch die Bundesärztekammer allerdings beschlossen werden, das Fernbehandlungsverbot aus der Musterberufsordnung zu lockern oder gar aufzuheben. Dazu Wobi: „Wir würden es begrüßen, wenn deutsche Patienten nicht mehr den Umweg über britische Ärzte gehen müssten. Je nach Ausgestaltung der neuen Berufsordnung ist es gut möglich, dass wir ihnen in Zukunft in Deutschland ansässige Ärzte vermitteln können.“

Voraussetzung für eine weitere Verbreitung wäre sicherlich auch die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenversicherungen.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45244183 / Telemedizin/Mobility)