Neustadt am Rübenberge

Update: Eine Stadt geht offline

| Autor: Susanne Ehneß

Neustadt am Rübenberge
Neustadt am Rübenberge (© R.-Andreas Klein - stock.adobe.com)

Die Stadtverwaltung von Neustadt am Rübenberge wurde Ziel eines Cyberangriffs. Aktuell ist die Verwaltung nahezu handlungsunfähig.

Update 17.9.: Die Stadtverwaltung ist nach wie vor nur eingeschränkt arbeitsfähig. Die Auszahlung des Elterngelds zum 15.9. war nicht möglich. „Wir streben an, das Elterngeld am 1. Oktober auszahlen zu können“, sagt Monika Baroke, Fachdienstleiterin Soziales. Benachbarte Kommunen können Neustadt beim Elterngeld leider nicht unterstützen, da die Akten, in denen die Daten der Empfänger und die Höhe der Zahlung verzeichnet sind, ausschließlich in Neustadt vorliegen. „Erst wenn diese Datenbank wieder funktioniert, ist eine Auszahlung möglich“, heißt es aus Neustadt.

Bürger, die ein Kfz an-, ab- oder ummelden möchten, müssen weiterhin noch einige Tage beispielsweise auf die Zulassungsstellen in Wunstorf oder in der Wedemark ausweichen.

Aktuell wird die Netzinfrastruktur der Stadtverwaltung komplett neu aufgebaut, insgesamt müssen rund 300 Geräte überprüft und neu aufgesetzt werden. Parallel dazu läuft ein erster Stresstest: Die wichtigste Software der Stadtverwaltung – die Finanzsoftware – wird neu installiert und alle Daten neu eingelesen. Wenn das erfolgreich abgeschlossen ist, fahren alle anderen Systeme nach und nach hoch. „Bei dem, was die Stadtverwaltung gerade stemmen muss, freuen wir uns über die breite Solidarität, die wir von unseren Nachbarkommunen, Softwarefirmen und den Neustädter Bürgerinnen und Bürger bekommen“, betont der Erste Stadtrat Maic Schillack.

Ursprünglicher Artikel vom 11.9.: Die Verwaltung von Neustadt am Rübenberge in der Region Hannover ist Opfer einer Cyberattacke geworden. „Das EDV-System der Stadt ist Opfer eines Emotet-Trojaners“, konkretisiert die Stadt. „Wir werden nach einer umfangreichen Schadensanalyse unsere Computer nach und nach wieder in Betrieb nehmen“, erklärt Bürgermeister Uwe Sternbeck. Das IT-Team der Verwaltung arbeite mit Unterstützung von externen Computerexperten unermüdlich daran, Daten zu sichern, Server herunter- und wieder hochfahren sowie Software neu aufzuspielen.

Seit 6. September ist die Stadtverwaltung offline, das Rathauspersonal ist nur telefonisch erreichbar, Mitarbeiter können weder eMails versenden noch empfangen. Im Stadtbüro sind die Mitarbeiter vor Ort, erteilen Auskünfte, können allerdings keine Anträge entgegennehmen. Die Kfz-Zulassungsstelle ist geschlossen, und die Bearbeitung und Ausstellung von Reisepässen oder Personalausweisen ist nicht möglich.

Die Bürger wurden gebeten, ihre Anliegen per Telefon oder persönlich vorzutragen. „Wir versuchen, alle Probleme möglichst zeitnah zu lösen. Dabei unterstützen uns nicht nur Experten der HannIT sondern auch die Kolleginnen und Kollegen der Nachbarkommunen“, so Sternbeck weiter. Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Computersysteme am kommenden Montag, 16. September, wieder einsatzbereit sind.

Aktuell unterstützen auch Experten des Landeskriminalamtes Niedersachsen und des N-CERT (Niedersächsisches Computer-Emergency-Response Team) des Innenministeriums die IT-Experten aus der Stadtverwaltung dabei, die Probleme zu beheben und herauszufinden, wie es zu der Attacke kommen konnte.

Reaktion des Innenministeriums

„Fälle wie diese machen klar, wie akut und realistisch die Gefahr von Cyberattacken auf Bürgerinnen und Bürger, für Verwaltungen, Unternehmen und auch kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Kraftwerke oder Energieversorger sind“, so der niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius. Pistorius weiter: „Wir legen seit Jahren einen politischen Schwerpunkt auf das Thema Cybersicherheit. Der aktuelle Vorfall in Neustadt am Rübenberge ist ein weiteres Beispiel dafür, welche Auswirkungen Cyberangriffe auch auf die öffentliche Hand haben können.“

Wie Pistorius erläuterte, werden im Kampf gegen Cyberangriffe verstärkt entsprechende Spezialisten in Polizei und Verwaltung eingestellt. „Das neue niedersächsische Polizeigesetz ist für uns dabei ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Kriminalität im digitalen Raum“, so Pistorius.

Eine Veranstaltungsreihe namens „Die Hacker kommen“ soll die Bürger auf die Gefahren im Cyberraum hinweisen. Einer „Security Expo“ im Alten Rathaus Hannover schließt sich die Live-Hacking-Roadshow an, die im Herbst in mehreren niedersächsischen Städten Station macht:

  • 12. September 2019 Hannover (Auftaktveranstaltung im Alten Rathaus)
  • 8. Oktober 2019 Göttingen
  • 16. Oktober 2019 Oldenburg
  • 17. Oktober 2019 Lüneburg
  • 24. Oktober 2019 Osnabrück
  • 28. Oktober 2019 Braunschweig

Mehr Informationen zur Veranstaltung gibt es online auf der entsprechenden Seite des Innenministeriums..

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