Landkreis Friesland

Eine Linux-Strategie zieht Kreise

27.11.2008 | Autor / Redakteur: Andreas Wolf / Gerald Viola

Spektakuläre Projekte der Öffentlichen Verwaltung, etwa von Windows auf Linux umzustellen, machen prompt auch bei vermeintlichen Problemen von sich reden. Andernorts kann man in Ruhe an Lösungen arbeiten. So im Landkreis Friesland, wo diese Migration planmäßig über die Bühne gegangen ist.

Ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein wird den Menschen im äußersten Nordwesten Deutschlands nicht zu Unrecht nachgesagt. Auf den Inseln und dem feuchten Land hinter den Deichen ist „friesische Freiheit“ eine gelebte Tradition. Selbst Microsoft bekam das früh zu spüren. Schon 2001 lehnte der Landkreis Friesland die neuen teuren Wartungsverträge („Software Assurance“) kurzerhand ab.

Inseln sind von der einst durch Windows-Monokultur gekennzeichneten IT-Landschaft noch geblieben. Nach und nach werden auch sie von der Open-Source-Flut abgetragen. Noch gibt es Fachverfahren, zum Beispiel in der Kfz-Zulassung, die es am Markt nur für Microsoft-Umgebungen gibt. Aber die liegen auf Windows-2003-Terminal-Servern, und die meisten Anwender greifen nicht mehr von Windows-, sondern von Linux-Desktops auf sie zu. Den Herstellern der Fachanwendungen gibt der Landkreis Friesland in Ausschreibungen vor, dass ihre Produkte nicht mehr nur Word und Excel, sondern auch das Büropaket OpenOffice unterstützen müssen.

Drei Jahre hat es gedauert, die IT-Verhältnisse hinter den Deichen von Grund auf umzubauen – genau so lang wie von Anfang an kalkuliert. Die Vorüberlegungen wurden 2004 aus einer Zwangslage heraus konkreter. Microsoft hatte angekündigt, das im Landkreis Friesland verwendete Betriebssystem Windows NT nicht mehr pflegen zu wollen. Die notwendige Umstellung auf XP hätte aber die betagte Hardware überfordert und beträchtliche Investitionen verlangt. Das Maß war voll, der Landkreis wollte sich nicht mehr alle paar Jahre von Microsoft auf ein neues Betriebssystem und neue Hardware zwingen lassen.

Nach einer positiv ausgefallenen Machbarkeitsstudie der Universität Oldenburg fasste der Kreistag 2004 den Beschluss, die Server und Desktops in einer „sanften Migration“ abschnittsweise und so weit wie technisch möglich auf Linux und Open-Source-Anwendungen umzustellen. Die erklärten Ziele waren, die Herstellerabhängigkeit und die Kosten der IT zu reduzieren. Die Initiative dazu kam nicht – wie andernorts – aus der Politik, sondern von den IT-Administratoren des Landkreises. Sie hatten errechnet, dass ihr Etat jährlich von rund 40.000 Euro Lizenzkosten entlastet würde. Weitere Ersparnisse würden sich dadurch ergeben, dass sich die Desktop-Hardware mit wenig Aufwand weiter verwenden ließe. Höhere Systemstabilität und geringere Virengefahr würden einer sanften Migration weiteren Rückenwind geben.

 

DAs Projekt

 

Auf ein Wort, Herr Wolf!

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