Digitalgipfel

Eine Cloud für Europa soll's jetzt richten

| Autor: Manfred Klein

Das Cloud-Netzwerk Gaia-X soll so unter anderem europäischen Firmen den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen
Das Cloud-Netzwerk Gaia-X soll so unter anderem europäischen Firmen den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen (© Cybrain - stock.adobe.com)

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat auf dem Digitalgipfel das GAIA-X Papier über eine europäische Dateninfrastruktur in der Cloud vorgestellt. Reicht das, um den Rückstand zu den USA und China aufzuholen?

Deutsche und europäische IT-Anbieter sollen sich künftig zu einem Netzwerk zusammenschließen, in dem Unternehmen und Verwaltungen ihre Daten sicher und selbstbestimmt speichern und verarbeiten können. Das ist der Kern des ambitionierten Projekts für eine europäische Daten-Infrastruktur als Alternative zu Diensten amerikanischer Internet-Riesen, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf dem Digital-Gipfel in Dortmund präsentierte.

Das Cloud-Netzwerk Gaia-X soll so unter anderem europäischen Firmen den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen. Viele Fragen wie Kosten, Finanzierung oder Bedarf an Software-Entwicklern blieben bei der Vorstellung jedoch noch offen. So heißt es in der Präambel des Dokuments zur Zielsetzung von GAIA-X: „Das Projekt dient dem Ziel,

  • 1. die technische und wirtschaftliche Konzeption einer solchen Infrastruktur zu konkretisieren,
  • 2. auf dieser Basis ein gemeinsames Ökosystem von Anwendern und Anbietern aus Organisationen der Öffentlichen Verwaltung und des Gesundheitswesens, Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu schaffen, und
  • 3. unterstützende Rahmenbedingungen und Strukturen zu etablieren.“

Weiter heißt es: „Wir verstehen das Projekt als Wiege eines offenen digitalen Ökosystems, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit weiteren europäischen Ländern für Europa, seine Staaten, seine Unternehmen und seine Bürgerinnen und Bürger die nächste Generation einer vernetzten Dateninfrastruktur zu schaffen, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert.“

Zur Umsetzung wird im GAIA-X-Dokument folgender Lösungsansatz beschrieben: „Getrieben durch die Entwicklung (Industrie 4.0, Edge und Cloud Computing etc.) steigt die Bedeutung von Multi-Cloud-Strategien und damit der Interoperabilität rapide an. Die Anwender erwarten Flexibilität, Funktionalität, Anwendungsfreundlichkeit, weltweite Verfügbarkeit, unternehmensübergreifende Services, Spezialisierung von Services sowie eine verteilte Datenverarbeitung und Datenhaltung.“

Zudem müsse die einfache Migration zu anderen Cloud-oder Edge-Anbietern und eine weitgehende Interoperabilität möglich sein. Gleiches gelte für die Transparenz der angebotenen Dienste. Nur so würden auch für klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) die Einstiegshürden beim Cloud Computing sinken.

Erste positive Reaktionen aus der Wirtschaft auf die Initiative gibt es auch schon. So erklärte der Verband der Internetwirtschaft e.V., eco: „Europa braucht einen intelligenten Mix an digitalen Infrastrukturanbietern und eine Stärkung des Standorts für Anbieter ebensolcher Angebote.“

Und der Bitkom meint, dass GAIA-X für eine europäische Cloud- und Dateninfrastruktur einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der digitalen Souveränität leisten werde. GAIA-X solle von Anfang an europäisch gedacht werden. Zudem müssten Funktionalität, Nutzerfreundlichkeit und Kosten im Wettbewerb bestehen können. Und: „Wenn GAIA-X zum Erfolg werden soll, muss die öffentliche Hand eine Vorreiterrolle einnehmen“, so Bitkom-Präsident Achim Berg.

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