Verzeichnisbasierend Ein Zuständigkeitsfinder für Deutschland

Autor / Redakteur: PD Dr. Jörn von Lucke / Gerald Viola

Bürger, Unternehmer und Verwaltungsmitarbeiter wissen vielfach nicht, welche Einrichtung für welche Verwaltungsleistungen in welchen Gebieten zuständig ist. Aus ihrer Sicht wäre es wünschenswert, wenn es ein Angebot gäbe, mit deren Hilfe sie eine ebenso kompakte wie transparente Darstellung der für sie relevanten Zuständigkeiten der Verwaltung erhielten.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Zuständigkeitsfinder können helfen, sachliche und örtliche Zuständigkeiten von Behörden und Einrichtungen offen zu legen. Inhaltlich muss dabei zwischen vier Modellen unterschieden werden. Ein „lokaler gebietskörperschaftsbezogener Zuständigkeitsfinder“ informiert nur über die Zuständigkeiten der eigenen Behörden innerhalb einer Gebietskörperschaft.

Ein „lokaler verwaltungsebenenübergreifenden Zuständigkeitsfinder“ gibt Auskunft zu den Zuständigkeiten der Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung sowie der Europäischen Union innerhalb einer örtlich begrenzten Gebietskörperschaft. Ein „nationaler Zuständigkeitsfinder“ für Deutschland kennt die Zuständigkeiten aller Verwaltungsebenen in der Bundesrepublik. Ein „fachbereichsbezogener Zuständigkeitsfinder“ informiert dagegen nur über die Zuständigkeiten der Verwaltung innerhalb eines Fachbereichs. Diese inhaltlichen Dimensionen erzeugen bereits eine erhebliche Komplexität, die sich durch unterschiedliche technische Ansätze weiter erhöhen lässt.

Neben den hier vorzustellenden verzeichnisbasierenden Zuständigkeitsfindern gibt es Zuständigkeitssuchmaschinen, Content-Management-System-basierende Zuständigkeitsfinder und Wiki-basierende Zuständigkeitsfinder sowie den Zentralen Zuständigkeitsfinder als Vermittlungsdienst (ZZ), der über den zuständigen lokalen Zuständigkeitsfinder informieren soll. Aus diesen Erfahrungen lassen sich Anregungen zur Verbesserung der Datenstrukturen, der Schnittstellen, der Ontologien, der Ergebnisqualität und der Nutzerakzeptanz gewinnen.

Ein „verzeichnisbasierender Zuständigkeitsfinder“ versucht, mithilfe ausgewählter Verzeichnisse und zielgerichteter Abfragen Zuständigkeiten zu bestimmen. Dies erleichtert die Suche nach der zuständigen Behörde oder dem Ansprechpartner. Dafür müssen zumindest ein Verzeichnis von Verwaltungsleistungen, ein Verzeichnis von Gebietskörperschaften und ein Verzeichnis der Behörden beziehungsweise Einrichtungen vorliegen.

Ein Verzeichnis von Verwaltungsleistungen (Leistungsverzeichnis der Öffentlichen Verwaltung) wird benötigt, um die sachliche Zuständigkeit abbilden und um Verwaltungsleistungen eindeutig identifizieren zu können. Ein umfassend angelegtes „Deutsches Leistungsverzeichnis“ würde all jene Verwaltungsleistungen beinhalten, die in Deutschland im öffentlichen Auftrag erbracht werden. Die Grundlage zu einem solchen Verbund könnte ein noch zu standardisierendes Datenaustauschformat X-Leistung werden.

Neuer Standard X-Behörde?

Ein Verzeichnis von Gebietskörperschaften (Gebietskörperschaftsverzeichnis) ist erforderlich, um die örtliche Zuständigkeit abbilden zu können. Ein umfassendes „Deutsches Gebietskörperschaftsverzeichnis“ beinhaltet alle Gebietskörperschaften, in denen Einrichtungen im öffentlichen Auftrag tätig werden können. Mit Blick auf deutsche Botschaften und Konsulate muss es weltweit ausgelegt sein. Ein noch zu standardisierendes XML-basierendes Datenaustauschformat X-Gebietskörperschaft könnte einen Austausch über Gebietskörperschaften ermöglichen. Ein Verzeichnis der Einrichtungen (Einrichtungsverzeichnis) wird benötigt, um die zuständige Einrichtung abbilden zu können. Es beinhaltet Behörden und Einrichtungen der Wirtschaft und des Dritten Sektors, die öffentliche Aufgaben wahrnehmen. Zum Datenaustauschformat sollte über ein noch zu standardisierendes X-Behörde nachgedacht werden.

Idealtypisch werden die drei Verzeichnisse durch ein Zuständigkeitsverzeichnis ergänzt, in dem die strukturellen Beziehungen zwischen diesen drei Verzeichnissen hinterlegt sind. Diese lassen sich durch lokale Ergänzungen erweitern. Informationen zu den Zuständigkeiten könnten über lokale verzeichnisbasierte Zuständigkeitsfinder hinweg ausgetauscht werden. Grundlage zu einem solchen Verbund wäre ein künftiges Datenaustauschformat X-Zuständigkeit.

Der Ansatz des verzeichnisbasierenden Zuständigkeitsfinders setzt auf systematisch konzipierten Verzeichnissen auf, die sich über eindeutige Schlüssel miteinander verknüpfen lassen. Verzeichnisbasierende Zuständigkeitsfinder überzeugen, wenn die dazugehörigen Verzeichnisse stets vollständig und aktuell gehalten werden können, ohne dass die Kosten für den technischen Betrieb und die redaktionelle Pflege zu hoch sind. Eine solche Aufbereitung ermöglicht es, von Verwaltungsleistung und Gebietskörperschaft auf die zuständige Einrichtung zu schließen, für Einrichtungen die örtlichen Zuständigkeiten zu Verwaltungsleistungen darzustellen und für Gebietskörperschaften die sachlichen Zuständigkeiten einer Einrichtung anzuzeigen. In denkbaren Ausbaustufen könnte ein solcher Ansatz um Rechtsquellen-, Formular-, Lebenslagen-, Geschäftslagen-, Verwaltungslagen- und Personenverzeichnisse ergänzt werden. Werden verzeichnisbasierende Zuständigkeitsfinder Lotsen- und Auskunftsdiensten wie den D-115-Service Centern, einheitlichen Ansprechpartnern (EU-DLR), Callcentern, Bürgerämtern, Infotheken oder webbasierenden Verwaltungsportalen zur Verfügung gestellt, koordinieren sie so das Zusammenwirken der verschiedenen Stellen innerhalb des Staates. Bürger und Unternehmen könnten sich dann also selbst informieren, wer für ihr Anliegen örtlich und sachlich zuständig ist sowie bei wem sie Entscheidungen dieser Stellen überprüfen lassen können.

Politische Unterstützung erforderlich

Wirken Umsetzungen gebietskörperschaftsbezogener verzeichnisbasierender Zuständigkeitsfinders anspruchsvoll, so erscheint der Ansatz eines gemeinsamen verzeichnisbasierenden Zuständigkeitsfinders für Deutschland durch seine Komplexität ehrgeizig und ambitioniert zu sein. Schließlich gilt es, Leistungen, Einrichtungen und Zuständigkeiten der Verwaltung bundesweit für alle Verwaltungsebenen zu erfassen. Hierzu sind verschiedene Redaktionsmodelle denkbar, auch solche mit Beteiligung privater Dienstleister. Gelänge es, diese Daten für alle Gebietskörperschaften vor Ort zu erfassen, ließen sich die Datenbestände virtuell zusammenführen. Obwohl sich dazu ein zentraler nationaler Ansatz eignen könnte, erscheint für Deutschland ein nationaler Verbund lokaler gebietskörperschaftsbezogener oder ein nationaler Verbund lokaler verwaltungsebenenübergreifenden Zuständigkeitsfinder realistischer zu sein. Die bisher gesammelten Erfahrungen zur redaktionellen Pflege entsprechender Verzeichnisse und die Anforderungen des Praxisbetriebs zeigen, dass sich weder ausschließlich zentrale noch ausschließlich dezentrale Redaktionsmodelle eignen. Vielmehr werden Mischformen mit einer zentralen Chefredaktion und lokalen Fachredakteuren benötigt. Hohe Zielvorgaben zum Füllstand lassen sich allerdings ohne verbindliche Vorgaben und politische Unterstützung nur schwer erreichen. Die EU-Dienstleistungsrichtlinie oder das Bürgertelefon D115, die nationale Zuständigkeitsfinder für Einheitliche Ansprechpartner und Service Center benötigen, können hier jedoch als Katalysatoren wirken.

FOKUS setzt sich im Rahmen der durch interne Programme der FhG geförderten Forschergruppe „Hochleistungsportale“ seit Oktober 2007 wissenschaftlich mit der Erstellung einer Architektur für einen gemeinsamen verzeichnisbasierenden Zuständigkeitsfinder und der Konzeption der zugrunde zu legenden Verzeichnisse auseinander. Ziel ist die eine Lösung mit offener Architektur, die neue Möglichkeiten eröffnet, sich in die bestehenden Lösungen einfügt und mit diesen kommuniziert, weitere Entwicklungspotenziale aufzeigt und zugleich Redundanzen und Doppelarbeit vermeidet.

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(ID:2008397)