Interview

Ein Netzwerk für die digitale Bürgergesellschaft

| Redakteur: Manfred Klein

Und die Risiken? Nach den aktuellen Spionageaffären und Überwachungsskandalen reagieren viele Bürger zunehmend verunsichert auf alles Digitale. Wie kann diesen Ängsten begegnet werden und welche Rolle soll die Initiative D21 dabei spielen?

Müller: Die D21 spielt hier schon eine wichtige Rolle, indem sie Transparenz schafft. In unseren Studien zeichnen wir ein Lagebild. Das hilft, die Risiken besser zu verstehen und sachlich zu diskutieren. Es mag banal klingen, aber es baut schon Vorbehalte gegenüber einer Technologie ab, wenn man Nutzern sagt, was mit ihren Daten passiert, wenn sie etwa eine Verwaltungsleistung online nutzen.

Sicher steht das auch im Gesetz. Das reicht vielen Fachexperten aus Wirtschaft und Verwaltung. Aber nicht jede Bürgerin und jeder Bürger kennt alle Gesetze. Auch für deren Perspektive möchten wir Bewusstsein schaffen. Transparenz ist sicher kein Allheilmittel, aber ein Mosaikstein für mehr Vertrauen in IuK. Dieses Beispiel für die Nachvollziehbarkeit stammt übrigens aus einer Diskussionsrunde zu den Ergebnissen des eGovernment MONITORS. Das Beispiel zeigt den Ansatz der D21: Akteure zu Themen der digitalen Gesellschaft zusammenbringen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Der zweite Punkt, wo wir anpacken, ist die Medienkompetenz. Wenn ich ein komplexes Thema nicht verstehe, verunsichert mich das. Ich bin dann eher zurückhaltend und lasse vielleicht sogar die Finger davon. Aufklärung kann hier helfen.

Wir haben zum Beispiel zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz und für Verbraucherschutz eine Broschüre veröffentlicht, die der eher Internet-skeptischen Generation 50+ einen Einstieg gibt und Funktionsweisen erklärt.

Wenn ich sage: Wir müssen alle mitnehmen, ihnen die Chancen zeigen und die Kompetenzen zur Interaktion in der digitalen Gesellschaft vermitteln, dann meine ich auch solche Maßnahmen.

Die Digitalisierung wird Gesellschaft und Politik vermutlich in einem bisher nicht gekannten Ausmaß verändern. Wie will die D21 diesen Wandel begleiten?

Müller: Ja, das sind enorme Veränderungen, schon heute. Und diese Veränderungsprozesse werden sich fortsetzen und vielleicht noch weiter beschleunigen. Das ist einerseits sehr spannend, bedeutet aber andererseits, das wir immer am Ball bleiben müssen, um der Politik Trends und Entwicklungen aufzuzeigen. Das versuchen wir in Studien, wie dem D21-Digital-Index oder eGovernment MONITOR, wo wir die Entwicklung des eGovernment in sechs Ländern in den Blick nehmen.

Dazu kommt unsere Rolle als Dialogplattform und die Aufklärungsarbeit. Also die Veranstaltungen und thematische Broschüren, bei denen wir viel von unserem großen Netzwerk profitieren. Letztlich geht es darum, den Dialog zu allen Fragen des digitalen Wandel lebendig zu halten, Verständnis zu erzeugen und Medienkompetenz bei allen Akteuren der digitalen Gesellschaft, von der Politik über Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu fördern.

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