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Infrastruktur für Verkehrsmanagement, Zusammenarbeit, Videokonferenzen und IT Ein Netz für Wasser, Straße & Schiene

Autor / Redakteur: Ulrich Baldauf / Gerald Viola

Die Hamburg Port Authority hat vier bislang getrennte Infrastrukturen vereinheitlicht. Dadurch reduzierte sie die Kosten für Betrieb und Management deutlich und erhielt gleichzeitig ein höher verfügbares, leistungsfähigeres Netz. IT-gestütztes Verkehrsmanagement, Datenaustausch sowie Video- und Telefonkonferenzen laufen nun über ein System.

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Mit gut 1.800 Beschäftigten betreibt das HPA ein zukunftsorientiertes Hafenmanagement aus einer Hand (F'oto: Gregor Schlaeger)
Mit gut 1.800 Beschäftigten betreibt das HPA ein zukunftsorientiertes Hafenmanagement aus einer Hand (F'oto: Gregor Schlaeger)

Damit werden Frachtcontainer auf Wasser, Straße und Schiene schneller weitergeleitet. Spediteure und Privatpersonen profitieren von weniger Staus und Minimierung von Stillstandszeiten. Und die Mitarbeiter des Hamburger Hafens können durch neue Anwendungen effizienter kommunizieren sowie unabhängig von Ort und verwendetem Endgerät weiterarbeiten.

Von der 345 Meter langen Queen Mary 2 bis zu den größten Containerschiffen der Welt: Jedes Jahr laufen etwa 12.000 Schiffe in den Hamburger Hafen ein. Entsprechend komplex und aufwendig ist das Transportmanagement auf dem 7.200 Hektar großen Gelände. Insbesondere die zahlreichen Frachtcontainer stellen eine große Herausforderung dar. Sie müssen möglichst effizient auf dem Wasser von der Einfahrt in die Hafenregion bis zur Kaimauer und anschließend auf Straße und Schiene weitertransportiert werden. Dazu ist ein umfassendes Verkehrsmanagement für Schiffe, Lkw und Züge nötig.

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Um dies zu gewährleisten, wurde im Jahr 2005 die Hamburg Port A­uthority (HPA) als Anstalt des öffentlichen Rechts gegründet. In ihr sind die hafenbezogenen Zuständigkeiten verschiedener Hamburger Behörden zusammengefasst. Mit gut 1.800 Beschäftigten betreibt die HPA ein zukunftsorientiertes Hafen­management aus einer Hand. Sie ist Ansprechpartner für alle Fragen der wasser- und landseitigen Infrastruktur, der Sicherheit des Schiffsverkehrs, der Hafenbahnanlagen, des Immobilienmanagements und der Arbeitsbedingungen im Hafen.

Aus vier Netzen mach eines

Bislang nutzte die HPA für Verkehrsmanagement und Kommunikation vier verschiedene Netze von unterschiedlichen Herstellern. Sie wurden jeweils für das Radarsystem, die Bahn sowie Telefonie und IT eingesetzt. Eine Kommunikation zwischen diesen Netzen war nicht möglich. Zudem standen sie nicht im gesamten Hafengelände zur Verfügung. So konnte zum Beispiel auf der Wasserfläche nicht telefoniert werden und an Land gab es kaum Zugang zum Radarsystem.

„Um die Kommunikation zu verbessern und die Effizienz der Arbeitsabläufe zu optimieren, wollten wir die vier Netze in ein einziges überführen“, erklärt Dr. Sebastian Saxe, CIO bei der Hamburg Port Authority. „Unsere Vision war dabei, dass sich die Nutzer an jedem beliebigen Ort im Hafen einfach mit dem neuen HPANet verbinden können, unabhängig vom verwendeten Gerät. Dies haben wir durch ein umfassendes intelligentes Netzwerk von Cisco erreicht.“

Zukunftssicher und l­eistungsfähig

„Die Entscheidung für die Cisco-Technologie stand von Anfang an fest“, so Sebastian Saxe weiter. „Bei meinem vorherigen Arbeitgeber habe ich ausgezeichnete Erfahrungen mit den Lösungen gesammelt. Zudem steht Cisco als größter Anbieter in diesem Bereich für Zukunftssicherheit und aktuelle State-of-the-Art-Technologien. Damit können wir neue Lösungen für das Hafenman­agement entwickeln und auch den Unternehmen zur Verfügung stellen, die auf unserem Gelände tätig sind.“

Die Einführung des neuen Netzwerks dauerte von Juli 2009 bis Dezember 2010. Nach Bestandsaufnahme, Planung und Einrichten des Kernnetzes wurden die verschiedenen LANs angebunden. Als Hardware von Cisco sind nun Nexus und Catalyst Switches, Catalyst Wireless Controller, Security Router, ASA Firewall, Call Manager und Telefone im Einsatz. Die Anzahl der Netzkomponenten wurde auf 200 halbiert, die Zahl der Core-Standorte von 16 auf 10 gesenkt.

Trotz dieser Konsolidierung ist das Netzwerk nach wie vor ausfallsicher. Vereinbarte Service Level Agreements gewährleisten sogar eine noch höhere Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit. Das neue Netz ermöglichte auch eine umfassende Server-Virtualisierung. So betreibt die HPA ihre Infrastruktur heute mit 48 statt 242 Servern. Die Investitionskosten wurden entsprechend mit 576.000 Euro auf ein Fünftel reduziert.

Umfassendes Verkehrssystem

Das Netzwerk bildet die Basis für sämtliche IT-gestützte Anwendungen. Dazu zählt vor allem das Verkehrsmanagement. Zum Beispiel ermittelt es für den Hafenlotsen auf dem Schiff den optimalen Weg von der Einfahrt in den Hafen bis zur Kaimauer. Die Ortung der Schiffe erfolgt über den Radar-Teil des Netzes.

Die Zugführer erfahren über den zentralen Fahrplan, wann sie welche Strecken des 300 Kilometer langen Schienennetzes im Hamburger Hafen benutzen können. Sie müssen zur Kaimauer und aus dem Hafen heraus fahren sowie Lokomotiven und Waggons rangieren und abstellen. Dabei sind 83 Eisenbahnverkehrsunternehmen aus verschiedenen Ländern zu koordinieren.

Für die Lastwagen- und Autofahrer stehen drei große sowie 14 kleinere digitale Anzeigetafeln als Verkehrsleitsystem an den Straßen. Um den Verkehrsfluss zu messen, werden etwa 300 Detektoren genutzt. Hier werden nicht nur konventionelle Induktionsschleifen eingesetzt, sondern auch innovative Techniken – wie beispielsweise Bluetooth.

Damit lässt sich ständig prüfen, wie viele Fahrzeuge zum Beispiel die sensible 53 Meter hohe Köhlbrandbrücke passieren, um sie bei hohem Verkehrsaufkommen schnell zu informieren. Zudem werden dadurch die Standzeiten der Lkw und Pkw auf dem Hafengelände minimiert, der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert, und die Spediteure können wirtschaftlicher arbeiten.

Effektive Zusammenarbeit

Neben dem Verkehrsmanagement verbesserte das neue HPANet auch die Zusammenarbeit mithilfe von Videokonferenzsystemen deutlich. Dazu verwendet die HPA sowohl Telepresence-Raumsysteme als auch die Online-Konferenzlösung WebEx von Cisco.

Sie erleichtern die interne Kommunikation zwischen den verschiedenen Standorten auf dem weitläufigen Hafengelände wesentlich. Aber auch der Austausch mit anderen Häfen weltweit funktioniert nun durch Videokonferenzen deutlich schneller und effektiver. Zudem wird dadurch das Klima geschont, da Autofahrten und Flüge entfallen. Die Mitarbeiter der HPA haben die neue Technologie schnell akzeptiert: Schon kurz nach der Einführung führten sie zwei- bis dreimal pro Woche virtuelle Konferenzen durch.

Auch mobiles Arbeiten ist erstmals über die eingebettete WLAN-Technologie möglich. Damit könnten sämtliche Mitarbeiter von jedem Ort im Hafen aus auf Kontakte, Daten und Anwendungen zugreifen. Mit dem neuen Netz führte die HPA auch Microsoft SharePoint ein.

Mit dieser Lösung lassen sich Dokumente austauschen und gemeinsamen bearbeiten. Sie wird in allen Abteilungen der HPA eingesetzt, zum Beispiel um die Infrastruktur strategisch zu planen, neue Kaimauern und andere Bauwerke zu entwerfen, Immobilien auf dem Hafengelände zu vermieten oder die Hafenbahn zu koordinieren.

Kosten senken mit A­uszeichnung

Durch die neue Netzinfrastruktur kann die HPA alleine die Betriebskosten über sieben Jahre von 5,3 auf 1,5 Millionen Euro reduzieren. Im Vergleich zu den nötigen Investi­tionen in die vier alten Netze ging der Aufwand von 2,4 auf 1,6 Millionen Euro zurück.

Zudem ist die deutlich einfachere Administration zu erwähnen, zum Beispiel durch die erstmals mögliche Fernwartung, die ebenfalls zu geringeren Managementkosten führt. Die neue Lösung überzeugte nicht nur die HPA, sondern auch die Jury des 11. eGovernment-Wettbewerbs 2011. Dort wurde sie als „Bestes Modernisierungsprogramm Deutschlands“ ausgezeichnet.

„Auf diesen Preis sind wir natürlich sehr stolz, doch ohne Unterstützung durch Cisco und unsere Lösungspartner hätten wir ihn nie erhalten“, so Sebastian Saxe. „Die bewährte Zusammenarbeit mit Cisco war auch bei diesem Projekt sehr professionell und zukunftsweisend. Die Support Services liefern immer schnell die richtigen Antworten. Mit den Dienstleistern hatten wir ebenfalls ständigen Kontakt und sie entwickelten gemeinsam mit Cisco die optimalen Lösungen.“

Am Projekt waren insgesamt vier weitere Partner beteiligt. Dataport war für die Verlegung der Leitungen zuständig, Computacenter für die Hardware, Dakosy für die Software und Lufthansa Systems als Projektplaner für das Hafenbahnnetz.

In Zukunft geht noch mehr

„In naher Zukunft wollen wir Unified Communications mithilfe des bereits eingesetzten Cisco Call Man­agers einführen“, führt Sebastian Saxe aus. „Damit könnten unsere Mitarbeiter sofort sehen, wie der gewünschte Gesprächspartner am besten erreichbar wäre. Zudem ließe sich ein Chat schnell zu einer Videokonferenz erweitern.“ Außerdem möchte die HPA die noch vorhandenen drei Leitstände zur Koordinierung des Verkehrs auf Wasser, Straße und Schiene in einen Leitstand integrieren.

Gleichzeitig plant sie, eine neue Applikation für die Steuerung der Hafenbahn zu installieren. Damit will sie das vorhergesagte Umsatzwachstum bewältigen. Bis 2025 wird sich nämlich der Container-Durchsatz im Hamburger Hafen im Vergleich zu heute verdoppeln. Da die Hafenfläche bereits vollständig genutzt wird und keine neuen Wasser- oder Landwege verfügbar sind, muss die HPA ihre Prozesse optimieren.

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