TMT-Studienreihe „Intelligente Netze“

Ein Milliardenmarkt in der Warteschleife

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Die drei Ebenen des eHealth-Marktes
Die drei Ebenen des eHealth-Marktes (Grafik: Deloitte)

Der Trend ist klar ersichtlich: Smartphones oder Tablets sind der neue Motor für Gesundheitsdienste. Immer mehr Konsumenten verwenden ihre mobilen Endgeräte als Fitness-Tools oder zur Messung von Vitaldaten und über 100.000 verschiedene Apps ermöglichen inzwischen quasi jede Facette digitaler Gesundheitsangebote.

Laut einer Studie von Media & Telecommunications (TMT) dienen Tablets und Smartphones heute vielfach zur Messung von Vitaldaten, was durch eine Menge von verschiedenen Apps unterstützt wird. Darüber hinaus haben sich Gesundheitsportale als beliebte Quellen für Gesundheitsinformationen im Internet etabliert. Nach Deloitte-Schätzungen (siehe Kasten) werden am Ende des Jahres 2014 bereits 45 Prozent der Deutschen ihre privaten Endgeräte für digitale Gesundheitsangelegenheiten im Einsatz haben.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass EHealth erst in den letzten Monaten an Fahrt aufgenommen hat. Dabei hat der Markt in Deutschland bereits heute eine respektable Größenordnung erreicht. Im deutschen Gesundheitswesen betragen die Ausgaben für IT und Netzwerktechnik 2014 nach Angeben des Bitkom rund fünf Milliarden Euro. Fast alle Kliniken, Apotheken und niedergelassenen Ärzte setzen inzwischen Informationstechnologien ein.

Doch meist handelt es sich bislang um digitale Insellösungen, die nicht oder nur wenig miteinander vernetzt sind – und mit denen der Endverbraucher nur in den seltensten Fällen in Berührung kommt.

Das digitalisierte Gesundheitswesen ist noch weit entfernt

Deutschland ist somit von einem vollständig interoperablen und digitalisierten Gesundheitssystem noch weit entfernt. Dabei sollten Initiativen wie die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) die Digitalisierung der Gesundheitsbranche nachhaltig fördern. Die bisherigen Ansätze folgten dem Bestreben, den Markt über digitale Großprojekte zu entwickeln. Übergreifende Infrastrukturen und Prozesse wurden als notwendige Grundlage für weitere eHealth-Angebote betrachtet.

Bislang bleibt der Aufbau einer Makro-Ebene jedoch deutlich hinter den früheren Ambitionen zurück. Datenschutzbedenken, aber auch ein fehlender Konsens hinsichtlich Anforderungen und Standards sowie offene Finanzierungsfragen verhinderten bislang die Schaffung eines übergreifenden Rahmens.

Stattdessen scheint eHealth nun Rückenwind aus einer völlig anderen Richtung zu erhalten: In jüngster Zeit haben sich unterschiedlichste digitale Angebote als erfolgreich erwiesen, die allesamt dem sogenannten „zweiten Gesundheitsmarkt“ zuzuordnen sind. Zu diesem zählen ausschließlich privat finanzierte Gesundheitsprodukte, -dienste und -applikationen. Der zweite Gesundheitsmarkt stellt damit die Konsumenten-Ebene innerhalb des eHealth-Ökosystems dar.

Neu und bemerkenswert ist die Tatsache, dass die wesentlichen Impulse bei der Gestaltung der neuen Gesundheitsprodukte von der Konsumentenseite ausgehen. Alle am Markt erfolgreichen Consumer- Lösungen orientieren sich erkennbar an den Wünschen der Nutzer. Ausgangspunkt für die Entwicklung von eHealth sind also weniger ambitionierte Großprojekte, sondern vielmehr konkrete Anforderungen der Kunden.

Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Die Konsumenten-Ebene steht für alle eHealth- Angebote des zweiten Gesundheitsmarktes, beispielsweise Web-basierte Gesundheitsportale, Apps, Mess-und Assistenzsysteme oder digitale Fitness-Tools.
  • Die professionelle Ebene umfasst digitale Gesundheitsangebote, die in der Regel von den traditionellen Akteuren des Gesundheitssektors initiiert und/oder finanziert werden. In diese Kategorie fallen insbesondere die unterschiedlichen telemedizinischen Dienste.
  • Die Makro-Ebene soll künftig als übergreifender Rahmen die einzelnen digitalen Gesundheitsangebote vernetzen. Sie stellt Netzinfrastrukturen bereit, gewährleistet Schutz und Sicherheit von Patientendaten und regelt einen Sektor-übergreifenden Informationsfluss zwischen Patienten, Ärzten, Krankenhäusern und Kostenträgern.

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posted am 06.06.2014 um 14:01 von woksoll


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