Ideale Plattform zur Erarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen

„Ein Marshall-Plan für eGovernment in Deutschland“

| Redakteur: Manfred Klein

Optimierung der föderalen Zusammenarbeit

Zur notwendigen Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Gemeinden erklärte Marc Reinhardt, Head of Public Sector and Health bei Capgemini: „Wirtschaft, Gesellschaft und Politik erwarten, dass Bund, Länder und Kommunen bei der Digitalisierung nun liefern. Gründe für ein Warten oder Verzögern der Umsetzung lassen sich sicher finden, werden aber nicht akzeptiert werden. Die Verwaltungen aller drei Ebenen und ihre Dienstleister sind in einer Art Schicksalsgemeinschaft verbunden – allein oder gegeneinander agierend wird keiner das geforderte Pensum schaffen können. Deswegen müssen alle Beteiligten besonders sensibel miteinander umgehen und das für die Zusammenarbeit nötige Vertrauen erhalten und ausbauen.“

Flankiert werden müsse dies durch ausreichende Mittel und Unterstützung von den politischen Spitzen aller drei Ebenen. Wenn die Beteiligten mit Verteilungskämpfen um Macht oder Ressourcen belastet würden, so Reinhardt, koste das Energie und Zeit und beschädige genau dieses Vertrauen. Alle Parteien müssten ins selbe Boot.

Ganz ähnlich sieht das auch Jochen Michels, Head of Public Affairs bei der Fujitsu Technology GmbH. Die Beteiligten müssten sich, so Michels, auf gemeinsame Ziele verständigen und diese auch gemeinsam verfolgen. Zur Umsetzung erklärte Michels: „Hierzu müssen meines Erachtens Konkurrenzsituationen oder Konkurrenzempfindungen abgebaut und psychologische Hürden überwunden werden. Das hat aber nicht ursächlich mit der Digitalisierung zu tun. Es trifft auf alle Aspekte von staatlicher Zusammenarbeit zu.“

Einen eher technischen Ansatz verfolgt Andreas Gremm, Senior Business Technology Architect bei CA Technologies Deutschland. Er schlägt einen Wissenspool vor, den Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam nutzen. Gremm dazu: „Zur Verbesserung der Zusammenarbeit dient ein zu definierender gemeinsamer ‚Datentopf‘, in dem die definierten Programme und Masterpläne mit ihren Projekten zur Umsetzung des OZG und andere Digitalisierungsportfolios vereint werden. Aus diesem Datentopf können dann transparent Informationen gewonnen werden, die für gemeinsame weitere Entscheidungen als Basis dienen.“

Einen ähnlichen Weg schlägt auch Klaus Poensgen, Leiter des Geschäftsbereiches Länder und Kommunen bei T-Systems, vor: „Die effektivste Strategie zur Überwindung der vorgegebenen Hürden besteht in der Einrichtung von Serviceplattformen zur Bündelung von Angeboten und Aufgaben der Verwaltung. Diese können sowohl durch die Verwaltung betrieben werden als auch an private Dienstleister beziehungsweise in Mischformen, sogenannten Public Private Partnerships, vergeben werden.“

Diesen Prozess anzustoßen, so Poensgens, erfordere allerdings zunächst eine umfassende Aufgabenkritik, die einhergehen muss mit einer daraus abgeleiteten Steigerung der Effizienz in der Öffentlichen Verwaltung.

Der Weg zum Once-only-eGovernment

Optimistisch schätzte Andreas Kleinknecht die künftige Zusammenarbeit im Föderalismus ein. „Im IT-Planungsrat scheint sich ein neuer Geist zu entwickeln und mehr Wille zur Zusammenarbeit, zum Ziehen am gleichen Strang. Besonders wichtig erscheint mir, die Rolle und den Einfluss der Kommunen im IT-Planungsrat signifikant zu stärken. Das wirkliche Leben findet in den Städten und Gemeinden statt, hier entfaltet sich der Nutzen des OZG. Bürgern und Unternehmen sind formale Zuständigkeiten, Subsidiaritäten, Ressortprinzipien und Verwaltungsstrukturen im Alltag völlig egal. Mehr umsetzen – weniger theoretisieren, mehr Teamplay und Kompromissbereitschaft – weniger kleinstaatliche Eitelkeiten und Schaulaufen, mehr Wirkungsorientierung – weniger Risikofixierung. Das würde schon sehr helfen.“

Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer in der Frage, wie digitale Verwaltungsleistungen benutzerfreundlicher zu gestalten seien. So meinte Marc Reinhardt: „Benutzerfreundlichkeit beginnt mit der Einbeziehung von Nutzern in den Entwicklungsprozess und zwar möglichst früh. Man orientiert sich an den Lebens- beziehungsweise Unternehmenslagen und an dem erwarteten Ergebnis des Verwaltungsvorgangs. Dann überlegt man gemeinsam, wie dieses Ergebnis mit minimaler Belastung der Bürger oder Unternehmen zu erreichen ist.“

Auch Stocksmeier betonte diesen Aspekt, als er ausführte: „Indem man die Nutzer bei der Entwicklung der Angebote einbezieht! Wir müssen ihre Lebenslagen in den Vordergrund stellen und integriert betrachten. Ebenso wichtig ist es, bei der Wahl der Technologien darauf zu achten, dass die Verwaltung keine technologischen Sonderwege geht, sondern bestenfalls die Tools einsetzt, die die Nutzer bereits verwenden. Auch die Zuständigkeitsverteilung innerhalb der Öffentlichen Verwaltung sollte in der Analyse- und Entwicklungsphase der Verwaltungsangebote erst einmal keine Rolle spielen.“

Diskutiert werden aber auch die kritischeren Aspekte der Benutzerfreundlichkeit. So meinte Dirk Stocksmeier: „Für nutzerfreundliche Services werden absehbar auch rechtliche Änderungen notwendig sein, um Digitalisierungshürden zu beseitigen. Erforderlich werden sicherlich auch Registerschnittstellen, um schlanke Services zu ermöglichen, in denen keine Daten erfragt werden müssen, die bereits an anderer Stelle in der Verwaltung vorliegen. In den beiden europäischen Once-Only-Projekten, an denen wir beteiligt sind, TOOP für Unternehmen und SCOOP4C für Bürgerinnen und Bürger, haben wir konkrete Use Cases herausgearbeitet und aufgezeigt, welches große Potenzial für Vereinfachung und Bürokratieabbau darin schlummert, wenn Daten zwischen Behörden ausgetauscht werden, statt immer wieder die Nutzer zu fragen.“

Fazit

Schon an dieser kleinen Themenauswahl zeigt sich, dass der eGovernment Summit auch in diesem Jahr wieder allen Erwartungen gerecht werden wird. Stell­vertretend für viele Teilnehmer meinte Marc Reinhardt: „Der eGovernment Summit ist ein einzigartiges Format, in dem Experten und Entscheider aller föderalen Ebenen sich abseits des offiziellen Protokolls treffen und sich offen darüber austauschen können, was bei ihnen funktioniert und was warum fehlgeschlagen ist. Sie können gemeinsam ausloten, welche Kompromisse oder neuen Modelle denkbar sind, die dann im Tagesgeschäft umgesetzt werden können. In informeller Gesprächs­atmosphäre kann Verständnis für die Sorgen und Nöte der anderen Seite leichter gefunden werden als in den offiziellen Gremien.“

Ralf Schneider ergänzte: „Der eGovernment Summit ist bedingt durch seine Besetzung die ideale Plattform zur Erarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen und Verbesserungsvorschläge für den IT-Planungsrat.“

Und Klaus Poensgen meinte: „Wir sehen in der Veranstaltung die Chance, dass Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenrücken und gemeinsam Perspektiven entwickeln, da sich der Erfolg des einzelnen letztendlich auch positiv auf die anderen auswirkt. Ein erfolgreiches eGovernment liegt im Interesse ­aller. Wir sind überzeugt, dass der Summit 2018 effektiv dazu bei­tragen kann, dieses Ziel zu erreichen.“

In der Bildergalerie dieses Artikels sehen Sie die Sponsoren des diesjährigen eGovernment Summit sowie einige Bilder aus dem vergangenen Jahr. Weitere Impressionen gibt es in unserer Bildergalerie zum eGovernment Summit 2017.

mk

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Ist ja alles nett, aber hätten hier nicht auch Frauen zu Wort kommen müssen?  lesen
posted am 11.11.2018 um 15:10 von Unregistriert


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