Interkommunales Geografisches Informationssystem

Ein GIS für Kreis & Gemeinden

16.09.2008 | Autor / Redakteur: Gerald Viola / Gerald Viola

Landratsamt Cham
Landratsamt Cham

„Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen ein schnelleres und effektiveres Handeln der Verwaltung. Gerade im ländlichen Raum ist das ein bedeutender Standortfaktor“, sagt Landrat Theo Zeller. Und deshalb setzt der Landkreis seit Jahren konsequent auf eGovernment. 2002 bereits hat das Landratsamt ein GIS-Projekt gestartet.

Und dafür gab’s wieder einmal eine Auszeichnung. In San Diego (Kalifornien, USA) wurde der Landkreis für seine innovative Pionierarbeit auf dem Gebiet der Geografischen Informationssysteme (GIS) mit dem ESRI-SAG-Award (Special Achievement in GIS) ausgezeichnet. Dieser Preis wird US-amerikanischen und internationalen GIS-Anwendern für ihre herausragenden Leistungen verliehen. Bei der Verleihung hat ESRI-Präsident, Jack Dangermond, betont, dass dieser Preis unter mehr als einer Million Anwendern stets nur den „best of the best of the best“ zuteil wird.

Theo Zellner, Landrat des Landkreises Cham und Präsident des bayerischen Landkreistages, freut sich über die internationale Würdigung der Leistungen des Landkreises Cham: „Mit Cham hat nun erstmalig ein deutscher Landkreis diese Auszeichnung erhalten. Das zeigt, dass zukunftsorientierte Technologien wie Geografische Informationssysteme auch im ländlichen Raum erfolgreich entwickelt und genutzt werden können. Wir können damit die Öffentliche Verwaltung im Sinne unserer Bürger dienstleistungsorientierter, wirtschaftlicher und schneller machen.“ Besonders bedankte er sich bei seinen Mitarbeitern Reinhard Babl, Leiter der EDV des Landratsamtes Cham, und Dr. Ulrich Huber, Beauftragter für das interkommunale Geografische Informationssystem (IkGIS) des Landkreises.

Der Landkreis Cham nimmt in Bayern auf dem Gebiet der kommunalen Geoinformationssysteme nach wie vor eine Vorreiterrolle ein. Die Kreisverwaltung und alle kreisangehörigen Kommunen setzen seit 2003 bei ihren eGovernment-Aktivitäten auf digitale Karten und eine moderne, raumbezogene Informationsverarbeitung. Wie die Veranstaltung eindrucksvoll belegen konnte, muss sich der Landkreis auch international keinesfalls verstecken.

Dr. Ulrich Huber stellte das Chamer Projekt bei der Konferenz, an der offiziell nahezu 15.000 Experten aus Verwaltung und Industrie teilnahmen, vor. Einer der wesentlichen Punkte für das erfolgreiche Projekt ist, dass der Landkreis für seine 39 Gemeinden alle zentralen IT-Dienstleistungen betreibt. Das ermöglicht auch für die Bürger beispielsweise bei der Kfz-Zulassung einen einmaligen Service in Richtung One-Stop-Government, denn in jeder Gemeinde kann ein Fahrzeug abgemeldet werden. Und diese gemeinsame IT-Ausstattung ermöglicht auch das interkommunale GIS. Huber: „ArcInfo wird für das Erfassen, die Pflege und die Analyse der Daten eingesetzt. Mit ArcReader und ArcGIS Server werden die Daten ins interkommunale Intranet eingespeist. Die Datenverwaltung erfolgt mithilfe von ArcSDE auf der Basis des Datenbankmanagementsystems SQL-Server 2005.“

Die konsequent zentralisierte Konzeption, so Dr. Huber, sei eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes gewesen, die durch das kommunale Intranet ermöglicht wurde, in dem die rund 600 Arbeitsplätze des Landratsamtes und seiner Behörden und die der Kommunen vernetzt sind. Das Chamer Netz ist darüber hinaus mit dem Bayerischen Behördennetz verbunden. Durch zentral gesteuerte IT-Komponenten wird auch sichergestellt, dass alle Geodaten zentral und redundanzfrei gespeichert werden und dadurch den Nutzern immer ein aktueller Datenbestand angeboten wird. Für Recherche und zum Drucken steht eine ausgefeilte ArcReader-Citrix-Umgebung zur Verfügung mit der die Fülle der Einzeldaten bewältigt werden kann. Nur so könnten auch die strengen Datenschutzvorschriften bewältigt werden. Und dass GIS nicht nur für die Liegenschaftsverwaltung eingesetzt wird, machte Huber an einigen Beispielen deutlich:

  • Die Einbindung von Naturschutzgebieten,
  • Hochwasserschutzgebiete (hier können mögliche Überschwemmungen simuliert werden),
  • die Nutzung für die Fischerei- und Jagdverwaltung,
  • die Weiterentwicklung von Gewerbegebieten,
  • die Wasserversorgung („Wir registrieren alle Schieber, jede Armatur und jede Leitung mit ihren technischen Daten – das wird noch ein paar Jahre brauchen“),
  • die demografische Entwicklung („Politiker brauchen diese Karten, um auf Veränderungen der Bevölkerungsstrukturen zu reagieren und Defizite in der Infrastruktur zu erkennen“).

 

Interview: Es geht auf keinen Fall ohne Fachpersonal

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2014943 / Fachanwendungen)