Zwischen Urlaubskarte und Blockchain

Ein Digitallotse für jedes Rathaus

| Autor / Redakteur: Ilona Benz/Franz-Reinhard Habbel / Manfred Klein

Open-Data voranbringen

Allerdings haben viele Führungskräfte in den Kommunen Sorgen, sich mit Bereitstellung von öffentlichen Daten Probleme des Datenschutzes oder der Verwertungsrechte ins Haus zu holen, so ­Losert weiter. Da sei noch viel Überzeugungsarbeit notwendig, meinte der Referent abschließend.

Vorbild in Sachen Open Data war das Transparenzportal der Stadt Hamburg. Um Vertrauen in der Bevölkerung aufzubauen, werden dort Entscheidungen der Verwaltung bekannt gemacht. Angesprochen wurden auch weitere eGovernment-Instrumente wie Beteiligungsportale oder Mängelmelder.

Ilona Benz, Referentin beim ­Gemeindetag Baden-Württemberg und Leiterin der Stabsstelle Digitalisierung beim Kommunalen Spitzenverband und Co-Autorin dieses Beitrags, nahm die Teilnehmer im Anschluss mit auf eine ­Reise durch die Digitalisierungsprogramme und -projekte des Landes Baden-Württemberg.

Sieht es der Gemeindetag Baden-Württemberg doch als eine seiner derzeit zentralsten und wichtigsten Aufgaben an, die Städte und Gemeinden zur Gestaltung des ­digitalen Wandels zu befähigen. Unter dem Dach seiner Initiative „Städte und Gemeinden 4.0 – ­Future communities“ unterstützt der Gemeindetag Baden-Württemberg seine 1.063 Mitgliedsstädte und –gemeinden mit Workshops, Förderprogrammen, Vernetzungsveranstaltungen und vor-Ort-­Beratung.

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Schwesterverbände, Städtetag und Landkreistag Baden-Württemberg, hat sie das Qualifizierungsprogramm „Kommunale Digitallotsen“ maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Sie zeigte zunächst auf, wie sich das Umfeld der Verwaltung durch die Digitalisierung verändern wird und was das für die Kommunen bedeutet. Digitalisierung geht weit über eGovernment und Breitbandausbau hinaus und umspannt alle Lebensbereiche. Anhand ­konkreter Beispiele wie der Smart City Wendlingen, dem Reallabor Schorndorf oder dem FABLab in Neuenstadt am Kocher verdeutliche die Referentin, welche Möglichkeiten für Kommunen in der Digitalisierung stecken. Eine der Hauptbotschaften ihres Vortrags war: „Digitalisierung ist keine ­Frage der Größe der Kommune.“

Erarbeiten Sie ein Smart-City-Konzept

In einer Praxisübung erarbeiteten die Teilnehmer ihre persönliche Smart City bzw. Smart Village-­Vision. Sie definierten Ziele für ­eine smarte Stadt oder Gemeinde, die dafür notwendige Infrastruktur, die relevanten Lebensbereiche und die Rollen der Kommunalverwaltung, der Bürgerinnen und Bürger sowie weiterer betroffener Akteure.

Markus Guth und Christoph Ludwig von ITEOS stellten innovative Lösungen für eine moderne Verwaltung vor, erläuterten die Vorgehensweise bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes sowie die Angebote von „service-bw“, der zentralen eGovernment-Infrastruktur von Land und Kommunen. Im Grundlagenteil ging es auch um die Bausteine zur Verwaltungsmodernisierung und um Aspekte der Datensicherheit. Vermittelt wurden darüber hinaus erste Ansätze neuer Projektmethoden. Die Kommunalen Digitallotsen lernten, wie man ein positives Klima der Veränderung erzeugt.

Ergänzendes zum Thema
 
Multiplikatoren gesucht

In verschiedenen Praxisübungen erarbeiteten die Teilnehmer daneben Vorschläge, welche Dienstleistungen in der fiktiven Verwaltung der Gemeinde Entenhausen im Jahre 2026 digital angeboten werden sollten.

Das Spektrum reichte von Mobilitätsplattformen, Trackingsystemen für Verwaltungsverfahren, dem Einsatz von LoRa-Wan zur Messung und Übertragung von Sensordaten über eine papierlose Verwaltung, Gebäudeleitsysteme à la Google Maps, Sharing-Plattformen bis hin zu Co-Working-Spaces. Anschließend wurden in fünf Kleingruppen Handlungsempfehlungen zur Umsetzung ausgewählter Themenfelder skizziert, die Vorteile und den Nutzen für Bürger und Verwaltung herausgearbeitet sowie Gefahren identifiziert.

Grundlage neuer Verwaltungsangebote

Hartmut Gündra von der GeoNet.MRN e. V. in Heidelberg stellte die Potenziale der Nutzung von Verwaltungsdaten als Treibstoff der Digitalisierung vor. Dazu zählte er beispielsweise einen Mobilitätsdatenmarktplatz, auf dem Daten aus dem Verkehrsbereich zusammengeführt werden. Sein Beitrag beschäftigte sich zudem schwerpunktmäßig mit der Nutzung geografischer Informationen wie zum Beispiel den Leitungsauskünften und dem Aufbau eines Baustellenatlas.

Johann Scheidner, Kommunikationsexperte und Moderationstrainer von Odem Rhetorik aus Stuttgart gab einen eindrucksvollen Ein- und Ausblick in die Welt der neuen Kommunikation. Er öffnete seinen Vortrag mit der These, dass Digitalisierung die Art der Kommunikation fundamental verändern wird. „Tec“ und „Touch“ seien die zwei zentralen Merkmale, die diesen Prozess kennzeichnen würden, so Schneider.

Kommunikation, Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität seien die Buzz-Words, die den vor uns liegenden Weg beschreiben würden. Dahinter verberge sich die Notwendigkeit, sich mit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen und offen zu sein für neue Technologien und Prozesse. Führungskräfte müssen den Beschäftigten Vertrauen entgegenbringen und Mut machen mit dem Alten zu brechen und Neues auszuprobieren und dabei auch Fehler zuzulassen, wiederholte Schneider das Credo der Veranstalter.

„Gefragt sind Pfad-Finder und nicht Hürdensucher“, brauchte es Johann Scheidner in seinem Vortrag auf den Punkt. Die Führungskraft der Zukunft in der Verwaltung beschäftige sich zudem auch intensiv mit Changemanagement in der Verwaltung. Den Digitallotsen gab er wertvolle Hinweise und Tipps zu ihrer Rolle als Change-Maker in der Verwaltung.

Ohne engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde die Digitalisierung in den Verwaltungen nicht vorangebracht werden können. Wer denke, die Kommunalverwaltung stecke geistig noch im Zeitalter der Lochkarten und bewegt sich in einem Kreativitätsradius in der Größe des eigenen Schreibtisches, irre sich gewaltig, Schneider.

Potenziale der Digitallotsen nutzen

Die Kommunalen Digitallotsen erkennen die Chancen der Digitalisierung und konfigurieren bereits zahlreiche richtungsweisende Ideen auf der kognitiven Festplatte. Um diese menschliche Potenziale nutzbar zu machen, ist eine breit angelegte Qualifizierungsoffensive notwendig. Baden-Württemberg macht dazu mit dem Qualifizierungsprogramm „Kommunale Digitallotsen“ den Anfang. Mit dem Ziel des Community-Aufbaus planen Gemeindetag, Städtetag und Landkreistag Baden-Württemberg nun in einem zweiten Schritt die Zusammenführung der Digitallotsen in einem Netzwerk.

Fazit

Tatsächlich ist der Netzwerkaustausch einer der größten Mehrwerte des Programms. Digitallosten sind Wandelgestalter, Potenzial­entdecker und Beziehungsmanager für ihre Kommunen. Baden-Württembergs Städte, Gemeinden und Landkreise haben sich auf den Weg zur digitalen Zukunftskommune gemacht.

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