Deutschlands Verwaltung im Jahre 2020

Ein Blick nach vorn

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Was ist die Alternative?

Wir brauchen eine neue Politik, welche die kreativen Kräfte der Gesellschaft mobilisiert. Das gilt besonders für die Klein- und Kleinstunternehmen. In der Kultur- und Kreativwirtschaft sind 97 Prozent der Unternehmen Kleinstbetriebe, die mit zündenden Ideen für den entscheidenden Wissensvorsprung sorgen. Das hat eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ergeben.

Schon heute ist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein wirtschaftliches Schwergewicht. Sie liegt mit 61 Milliarden Euro gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfung nach der Automobilindustrie und der chemischen Industrie bereits an dritter Stelle in Deutschland.

Ein wichtiger Hebel für Reformen ist die IuK-Technik. Informations- und Kommunikationstechnik ist Politik. Und Technikgestaltung ist Gesellschaftsgestaltung. Schon immer haben technologische Durchbrüche Strukturen und damit ganze Gesellschaften verändert, oftmals wesentlich intensiver als der Gesetzgeber mit seinen Regelwerken. So waren es zum Beispiel die Postkutschen, die mit dem Aufkommen der Automobile vom Markt verschwanden. Dies geschah erst zögerlich, da viele das Ende der Pferdedroschken nicht wahrhaben wollten. Sie scheiterten schließlich mit ihren Angeboten aus der Vergangenheit. Der Umstieg von der Kutsche auf das Auto hatte gravierende Auswirkungen auf die Mobilität der Menschen und die gesellschaftlichen Strukturen. Der Raum war leichter überwindbar, die Betriebe konnten von weit her erreicht werden. Berufsbilder veränderten sich, neue Branchen bis hin zur Werkstätten, Tankstellen und Versicherungen entstanden. Der Staat musste die ersten Verkehrszeichen aufstellen.

Noch viel gravierender sind die Folgen beim Aufstieg der Informationstechnologie. Das Internet lässt keinen Stein auf dem anderen. Wie wir leben, arbeiten, uns bilden und unsere Freizeit verbringen, hängt inzwischen maßgeblich vom Internet ab. Experten sprechen davon, dass das Internet unsere Arbeitswelt auf eine Art revolutionieren wird, die bisher nur ansatzweise zu erahnen ist. Co-Creating und Collaboration heißen hier die Zauberwörter.

Das Internet hat die alten Telekommunikationsunternehmen und die Musikindustrie bereits vom Platz gefegt, jetzt ist die Buchindustrie dran. Das wird so weitergehen und auch Verwaltung und Politik erreichen. Sie werden sagen, das geht nicht, denn der Staat hat das Gewaltmonopol. Darauf nimmt das Neue wenig Rücksicht. Blogs, Wikis und Videos verleihen dem Einzelnen ungeahnte Möglichkeiten zum Publizieren, Präsentieren und Senden, wo früher staatliche Lizenzen erforderlich waren. Das Monopol und die Staatlichkeit enden an den nationalen Grenzen. Internationale Regelwerke fehlen weitgehend. Wir merken das gerade am Beispiel des Datenschutzes.

Das Internet ist lange noch nicht in der Verwaltung angekommen. Wenn das so wäre, dann gäbe es zum Beispiel beim Konjunkturpaket II ähnliche Webseiten wie in den USA mit stimulus.watch auf denen Bürgern die Maßnahmen und die Geldflüsse vom Bund zu den Kommunen finden können und sie die Möglichkeit haben, selbst Vorschläge zu unterbreiten und zu Projekten ihre Meinung äußern zu können.

Erst zaghaft beginnen deutsche Kommunen, die Möglichkeiten des Infrastruktur zur Verfügung und welche Ebenen produzieren überwiegend nur Bürokratie? Die Menschen werden nach optimaler Leistungserbringung fragen und nicht nach den Namen der Behörden. Sie erwarten auf die einzelne Person optimal abgestimmte Leistungen, wie sie das zunehmend in der Wirtschaft gewohnt sind.

Ich sehe daher einen weiteren Bedeutungsgewinn der Kommunen. Die Länder werden sich auf ihre Rolle als regionale Identitätsstifter und Wachstumstreiber konzentrieren müssen. Diese neue Form von Steuerung wird mit wesentlich weniger Personal und Behörden – siehe das Beispiel in Schleswig-Holstein – erfolgen.

Den eigentlichen Reformprozess haben wir noch vor uns. Dazu zählt unter anderem eine klare Kundenorientierung.

Auch hier wieder ein Beispiel aus der Automobilindustrie: Die Automobilindustrie hat damit begonnen, das Fahrzeug um den Kunden herum zu bauen. Es geht darum: Wie kann ich die Mobilität des Einzelnen unterstützen? Welche Instrumente sind dazu in welchem Raum zu welcher Zeit erforderlich? Das Auto ist nur noch ein Teil des Mobilitätsservices. Die Unternehmen werden sich über den Mobilitätsservice unterscheiden. Dabei werden die Bedürfnisse des einzelnen Kunden im Mittelpunkt stehen. Die Konsumenten von morgen werden in unvermindert hohem Maße Mobilität, aber nicht mehr schwerpunktmäßig Automobilität kaufen. Das hat auch Auswirkungen auf andere Verkehrsbereiche. So beginnt in Deutschland bereits eine Fluggesellschaft damit, an Flughäfen Telepräsenzplätze einzurichten, um Kurzflüge zu vermeiden.

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Es stellt sich die Frage: „Wird es auch der Verwaltung gelingen, ihre Administration um den einzelnen Bürger oder Kunden herumzubauen? Dazu brauchen wir eine themenorientierte Verwaltung, die sich an den Lebensbereichen Bildung, Arbeit, Gesundheit, Mobilität und Alter ausrichtet.

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