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Code of Conduct Ein Artikel und seine Folgen!

Autor: Manfred Klein

Im August 2019 erschien in der eGovernment Computing ein Artikel­ von Staatssekretär Henning Lühr unter der Überschrift „Plädoyer für einen Code of Conduct!“ Der Beitrag setzte sich nicht nur ­kritisch mit der Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Unternehmensberatungen auseinander – er zeigt nun auch Wirkung.

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Verwaltungen und Beratungsunternehmen stellen ihre Zusammen­arbeit auf eine neue Basis
Verwaltungen und Beratungsunternehmen stellen ihre Zusammen­arbeit auf eine neue Basis
(© momius – stock.adobe.com)

Der Artikel kritisierte insbesondere die fehlende Augenhöhe zwischen Auftraggebern und Beratern, die fehlende „Selbstreflexion“ der Berater, die „Rundum Sorglospakete“ in Rahmenverträgen und die fehlende Nachhaltigkeit.

Sowohl auf der staatlichen/kommunalen Seite als auch bei Beratungsunternehmen hat man auf diese Kritik inzwischen reagiert. So wurden in einer Beschafferkonferenz für öffentliche Auftraggeber die Probleme analysiert und nach Fehlerquellen bei der in Anspruchnahme von Beratungsunternehmen­ gesucht.

Der öffentlich-rechtliche IT-Dienstleiter der norddeutschen Länder, Dataport, reagierte mit einer Veränderung seiner Ausschreibungsbedingungen für Beratungsleistungen. Und das Land Bremen hat inzwischen eine Neufassung des Leitfadens für die Vergabe von Beratungsleistungen vorgelegt. Bei der Qualifizierung von Führungskräften, Projektleitungen, Vergabe­experten wird die Vergabe von Beratungsleistungen eine viel größere­ Rolle spielen.

Auf der Seite der Beratungsunternehmen hat der renommierte Branchenverband Bitkom mit einer Fachkonferenz, an der alle renommierten Beratungsunternehmen teilgenommen haben, am 17. Februar 2020 den Dialog eröffnet.

Dazu Henning Lühr gegenüber eGovernment Computing: „Ich freue mich über die Resonanz auf den Artikel und die sehr sachliche Diskussion über Lösungsansätze. Es besteht die Chance, jetzt viele Fragen zu klären und zukunftsorientierte und nachhaltige Verfahren­ festzulegen.“

Unabhängig von dem in der eGovernment Computing erschienen Artikel sei die Vergabe von Beratungsleistungen im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Verteidigung Gegenstand eines Untersuchungsausschusses und damit der politischen Diskussion geworden. Die Ergebnisse der Untersuchung des Ausschusses würden derzeit in einem Bericht zusammengefasst, der noch vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause 2020 vorgelegt werden soll, so Lühr.

„Auch von der Politik und Entscheidern in der Verwaltung werden vom Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses 'Berateraffäre' neben der Aufarbeitung und Bewertung der konkreten Vorgänge klare Aussagen und Regeln über den Einsatz von Beratungsunternehmen in künftigen Projekten erwartet. Diese Ergebnisse werden natürlich auch mit in die Erarbeitung von Lösungen einbezogen“, so Lühr abschließend.

Inzwischen plant Dataport für das zweite Quartal 2020 in einer prominenten Vergabe im Bereich Dienstleistung das Thema „Code of Conduct“ verbindlich umzusetzen. Dazu sollen die Bieter verpflichtet werden, einen verbindlichen Verhaltenskodex zur künftigen Zusammenarbeit zu gestalten, welcher dann in den Verhandlungen ausführlich erörtert werden soll. Ziel ist die Vereinbarung einer konkreten und verbindlichen Klausel, eher im Sinne einer „Rules of Engagement-Klausel“, als bloß einer Absichtserklärung. Natürlich werden wir die weitere Entwicklung begleiten. mk

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