Welche Anwendung lohnt sich?

Eignungstest für Blockchain-Projekte

| Autor / Redakteur: Mustafa Cavus / Sylvia Lösel

Drum prüfe, wer sich an die Blockchain binde....
Drum prüfe, wer sich an die Blockchain binde.... (Bild: © Denys Rudyi - stock.adobe.com)

Für die meisten Unternehmen ist die Blockchain-Welt noch Neuland. Andere haben bereits Ideen für praktische Anwendungen, zweifeln aber, ob Blockchain die richtige Technologie ist. Doch es gibt eine Methode, mit der man Blockchain-Ideen auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen kann. Damit wird der Ansatz auch für Öffentliche Verwaltungen interessant.

Mit der Potenzialanalyse Blockchain legte der Management- und Technologieberater Sopra Steria Consulting im Oktober 2017 aktuelle Zahlen aus deutschen Unternehmen vor. Danach nimmt die Verbreitung der Blockchain-Technologie in der deutschen Wirtschaft deutlich an Fahrt auf: Fast jedes zweite befragte Unternehmen, in dem Blockchain bereits bekannt ist (47 Prozent), prüft den Einsatz im eigenen Haus, 21 Prozent arbeiten schon an Prototypen. Einsatzszenarien sind die schnellere Zahlungs- und Kaufabwicklung sowie das Managen von Identitäten.

Erfahrungswerte fehlen

Der Mehrheit fehlt es allerdings noch an Erfahrungswerten. Nur sieben Prozent der Fach- und Führungskräfte halten die Technologie aktuell für marktreif. (n=204 Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen verschiedener Branchen).

Die gute Nachricht ist: Nicht alle diese Erfahrungen müssen Unternehmen auch selbst machen. Tatsächlich reicht es im Moment, die komplizierte Blockchain-Technologie den wenigen Fachleuten zu überlassen, die sich damit wirklich auskennen. Für Unternehmenslenker ist es wichtiger sich die Frage zu stellen, ob die Technologie tatsächlich für das eigene Unternehmen taugt.

Selbsterkenntnis auf dem Weg in die Zukunft

Für die Antwort auf diese strategisch sehr wichtige Frage hat Sopra Steria Consulting eine Art Eignungstest entwickelt. Mit diesem können Unternehmen prüfen, ob und wie sie für Blockchain-Anwendungen infrage kommen. Im Kern handelt es sich bei dem Test um ein fünfstufiges Self-Assessment. Dazu gehört es zum einen, das Potenzial der Blockchain im eigenen Markt- und Wettbewerbsumfeld zu erkunden.

Zum anderen sollten Unternehmen die mögliche disruptive Wirkung auf bestehende Geschäftsmodelle und Strukturen bewerten. Schließlich gilt es, den eigenen digitalen Status quo, bisherige Investitionshorizonte sowie Implikationen für die Mitarbeiter und die betriebliche Organisation eingehend zu betrachten.

Durch den Trichter

Für den Test bedient sich Sopra Steria Consulting der Analogie eines Trichters: Mit jeder durchlaufenen Prozessstufe verjüngt sich der Trichterhals: Je enger der Trichter, umso feinmaschiger ist das Sieb. Am Ende kommen nur die Use Cases durch, für die eine Blockchain-Anwendung umsetzbar ist.

Auf dem Weg zur Blockchain gilt es, die folgenden drei Schritte zu durchlaufen: Rahmenbedingungen prüfen, Ziele definieren, Umsetzbarkeit prüfen.

Rahmenbedingungen prüfen

Nicht jedes Unternehmen, nicht jedes Szenario kommt für Blockchain infrage. Das sind die Voraussetzungen:

  • Assets, also Güter materieller oder immaterieller Art, müssen zwischen zwei oder mehreren Parteien transferiert werden, zum Beispiel Autos, Immobilien, Geld, Patente oder Kunstwerke.
  • Alle am Projekt Beteiligten sind über ein Netzwerk miteinander verbunden.
  • Es existiert keine zentrale Instanz, alle Transaktionen zwischen den Teilnehmern erfolgen über dezentrale Kommunikation.
  • Die Anzahl an Transaktionen pro Sekunde ist begrenzt. Zurzeit ist die Blockchain-Technologie für sehr hohe Transaktionsvolumen (> 50 Transaktionen pro Sekunde) nur schwer zu implementieren

Ziele definieren

Ein Use Case für die Blockchain sollte mindestens eins dieser fünf Ziele erfüllen können:

  • Kostenreduktion durch automatisierte Prozesse oder den Wegfall zentraler Instanzen,
  • erhöhte Sicherheit durch redundante Speicherung und Verschlüsselung,
  • schnellere Transaktionen durch Automatisierung und Dezentralisierung,
  • mehr Vertrauen bei der Gestaltung von Beziehungen zu Kunden und Lieferanten,
  • bessere Vernetzung der Stakeholder.

Umsetzbarkeit prüfen

Nicht alles, was mit einer Blockchain technisch machbar oder theoretisch umsetzbar wäre, kann auch wirklich implementiert werden. Strenge Haftungsregelungen oder Gesetze können ebenso dagegen stehen wie die Organisation, die personellen Ressourcen sowie die technische Ausstattung des eigenen Unternehmens. Wie bei jedem anderen Projekt stehen natürlich auch KPIs wie direkte Kosten, ROI oder die benötigte Projektdauer auf dem Prüfstand.

Erst nach der eingehenden Prüfung dieser Voraussetzungen geht es um die Vorbereitung, das Design und schließlich die Umsetzung des Blockchain-Projekts. Das mag nach einem weiten Weg klingen, aber tatsächlich wird am Ende derjenige schneller ans Ziel kommen, der unterwegs die wichtigsten Meilensteine konsequent abgelaufen hat.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal IT-BUSINESS.

Über den Autor: Mustafa Cavus ist Senior IT-Architect und Technology Consultant bei Sopra Steria Consulting

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