conhIT 2017

eHealth im Fokus

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Interoperabilität

Damit unterschiedliche IT-Lösungen im deutschen Gesundheitswesen besser miteinander kommunizieren können, sieht das eHealth-Gesetz ein Interoperabilitätsverzeichnis vor. Bei einer von bvitg-Geschäftsführer Ekkehard Mittelstaedt moderierten Podiumsdiskussion zum Interoperabilitätsverzeichnis betonte Christof Greife von der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik), dass der gesetzlich vorgegebene Termin für den Start des Interoperabilitätsverzeichnisses (30. Juni 2017) eingehalten werde: „Ab diesem Zeitpunkt werden wir Anträge annehmen. Bis dahin wollen wir auch die Experten benannt haben, die die Kommentierung der Standards vornehmen.“

Derzeit herrsche in der Branche noch reichlich Verwirrung über die genaue Ausgestaltung des neuen Verzeichnisses. Kritisiert werde unter anderem, dass Experten bereits für eine Teilnahme angefragt wurden, obwohl noch nicht einmal eine Geschäfts- und Verfahrensordnung vorliege. Dies sei sicher nicht optimal, gab Greife zu. Es sei aber nötig gewesen, um den gesetzlichen Starttermin einzuhalten. Experten, die grundsätzlich zur Teilnahme bereit sind, erhalten nach Genehmigung durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) von der gematik ausführliche Informationen über Aufgaben und Arbeitsumfang. Niemand müsse die Katze im Sack kaufen, so Greife.

Für das BMG kündigte Stefan Bales an, dass die endgültige Fassung der Geschäfts- und Verfahrensordnung zeitnah vorgelegt werde. Aktuell befinde sich die zweite Version zur Genehmigung beim Ministerium. Die erste, von der gematik Ende 2016 erstellte Geschäfts- und Verfahrensordnung, hatte das BMG als unzureichend abgelehnt.

Die Diskussionsrunde verdeutlichte, dass es noch eine Reihe unterschiedlicher Vorstellungen im Hinblick auf die Finanzierung des Interoperabilitätsverzeichnisses und im Hinblick auf die Verbindlichkeit der dort aufgeführten Standards gebe. Vorgesehen sei, dass eingereichte Standards von Experten kommentiert und dann inklusive der Kommentare veröffentlicht würden, so Greife.

In einem zweiten Schritt könne die gematik dann bestimmte Standards konkret empfehlen. eHealth-Anwendungen, die andere Standards nutzen, sollen dann nicht mehr von der GKV bezahlt werden. Hier stelle sich die Frage der konkreten Umsetzung, betonte Mittelstaedt. Bales erläuterte, dass es beispielsweise denkbar sei, dass Pauschalen für elektronische Arztbriefe nur noch dann bezahlt werden, wenn von der gematik empfohlene Standards genutzt würden. Auf diese Weise entstehe jene Verbindlichkeit, die viele Kritiker des Verzeichnisses vermissen.

Greife kündigte an, dass das Einstellen von Standards in das neue Verzeichnis kostenpflichtig werde. Das war bisher noch unklar. Er betonte auch, dass ehrenamtliche Standardisierungsorganisationen von dieser Gebühr befreit würden. Die Kommentierung der Standards durch die Experten werde allerdings nicht vergütet. Hier sehen viele die Gefahr, dass dadurch offene, internationale Standards benachteiligt werden. In jedem Fall soll es bereits Ende 2017 einen ersten Zwischenbericht der gematik geben, der die bis dahin gemachten Erfahrungen auswertet – auch um besser beurteilen zu können, ob nicht doch Änderungen am Prozedere nötig sind.

Medikationsplan

Der bundeseinheitliche Medikationsplan (BMP) ist aus Sicht der meisten Stakeholder im Gesundheitswesen ein großer Erfolg, da es erstmals gelungen ist, sie alle unter einen Hut zu bringen. Die Erweiterung allerdings wirft mindestens ebenso große Herausforderungen hinsichtlich der Standardisierung und Interoperabilität auf wie sie in der Vergangenheit bewältigt worden sind.

Die Frage, ob mit dem BMP die Tür zu eHealth geöffnet sei, beantworteten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf der conhIT sinngemäß mit: „Ja, aber sie geht sehr langsam auf.“ Zwar ist der BMP seit 1. Oktober 2016 obligatorisch, aber genutzt wird er bislang offenbar nur selten, wie eine Befragung im Publikum ergab. Moderator Ekkehard Mittelstaedt vom Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) nannte ihn einen „großen Schritt vorwärts“. Es dauere eben langsam, bis sich so grundlegende Veränderungen in der Gesellschaft durchsetzten, sagte Amin-Farid Aly von der Bundesärztekammer. Aus der Gesamtsicht heraus sei die Einigung auf diesen Plan, der zunächst auch nur in Papierform vorliegen muss, ein „sehr einfaches Projekt“ gewesen. Genau das prädestiniere ihn aber als Grundlage für eine schrittweise Weiterentwicklung.

Till Moysies von der Gesellschaft für Telematikanwendungen in der Gesundheitskarte (Gematik) lobte den BMP als sektorenübergreifend transportfähigen Datensatz. Nur so sei eine Erweiterung für Belange der Prüfer der Arzneimittelsicherheit und für die Patienten möglich. Moysies versprach, in der Gematik werde eine Stelle für Standardisierungsfragen eingerichtet.

„Wir haben gefeiert“, sagte Frank Oemig von der HL7 Deutschland, einer Organisation zur Förderung der Standardisierung im Gesundheitswesen. Der BMP sei ein Leuchtturmprojekt, „das zeigt, wie es läuft“. Nur wenn die Beteiligten auf „Altherrenmentalität im Sinne: Mein System ist das Beste“ verzichteten und sich entschlössen, es zusammen schaffen zu wollen, funktioniere es auch.

Daniel Diekmann vom bvitg wies darauf hin, dass immer noch viele „Freitexte“, also nicht katalogisierte Anmerkungen erlaubt seien, die eine Standardisierung erschwerten. Aly bestand aber darauf, dass Freitexte erforderlich seien, weil eine Standardisierung leicht zu gefährlichen Verwechslungen führen könne. Er mahnte: „Die Anwender sind nicht für die IT da“, sondern umgekehrt. Die Ärzte würden sich nur mit ihr anfreunden können, wenn sie etwas nütze. Dazu sagte Moysies, am Anfang der IT-Lösung müssten die Daten eben erst einmal erhoben werden. Später sei es dann einfacher: „Die Harmonisierung kommt mit der Nutzung.“

Eindrücke von der diesjährigen conhIT:

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