eHealth am Dauertropf

18.06.2009 | Redakteur: Manfred Klein

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sieht die Gesundheitskarte auf einem guten Weg. Ausgemacht ist das aber noch nicht Quelle: BMG
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sieht die Gesundheitskarte auf einem guten Weg. Ausgemacht ist das aber noch nicht Quelle: BMG

eHealth kommt in Deutschland nicht vom Fleck, sondern taumelt stattdessen von Krise zu Krise. Ob Patientenakte oder elektronische Gesundheitskarte – stets markieren Pannen und Patzer den Weg. Und der Datenschutz bleibt meist auf der Strecke.

So kommt die Studie Krankenhaus Trend 2009 der Steria Mummert Consulting bezüglich der Patientenakte zu folgendem Ergebnis: „Deutsche Kliniken haben hier, insbesondere Krankenhäuser in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft, noch Nachholbedarf.“

Und so bestimmten nach wie vor papierbasierende Prozesse den Alltag von Ärzten und Pflegekräften in Deutschlands Krankenhäusern. Dabei spare die digitale Erfassung der Patientendaten Geld und sei weniger fehleranfällig als die Papierakte. Informationen zu Vorerkrankungen, Untersuchungen und Therapien stünden damit zudem schneller zur Verfügung. Das spare Zeit, die den Patienten zugutekomme, so Mummert.

Vielleicht hat der technologische Rückstand aber auch sein Gutes. So hat der Datenschutzbeauftragte der Hamburger Krankenhäuser massive Defizite beim Einsatz der elektronischen Patientenakte ausgemacht (Seite 15). Da laut Mummert neun Zehntel aller Kliniken die informationstechnische Vernetzung, ist einem unkontrollierten Datenmissbrauch damit vermutlich Tür und Tor geöffnet. Auf der Wunschliste der Krankenhäuser stehen Kooperationen mit niedergelassenen Ärzten und die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern ganz oben. Der digitale Austausch von Daten, auch über die kritisierte Patientenakte, ist dafür eine wesentliche Voraussetzung.

Auch von der elektronischen Gesundheitskarte gibt es wenig Erfreuliches zu berichten. So stößt die Praxis der Kassen für die Ausstellung der Karte von ihren Mitgliedern ein Foto einzufordern, zunehmend auf die Kritik der Datenschützer. Sie bemängeln vor allem, dass nicht sichergestellt sei, dass die Abbildung auch tatsächlich den Versicherten zeige und fürchten einen Missbrauch der Karten.

In der Roll-out-Region NRW ist es derweilen zu einem Rücktritt der Vorstände der Kassenärztlichen Vereinigung gekommen. Leonhard Hansen und Klaus Enderer haben ihre Posten im Streit um die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte aufgegeben. Beide hatten sich sehr für den Roll-out eingesetzt und waren dafür von den Mitgliedern heftig kritisiert worden. Die beiden Vorstände sollen die Mitglieder dazu aufgefordert haben, die Lesegeräte für die Karte zu bestellen und handelten damit entgegen einem Beschluss der eigenen Ärztekammer, die noch im Mai dazu aufgerufen hatte, von einer Bestellung abzusehen.

Verwirrung pur, denn das Bundesgesundheitsministerium (BMG) meldet, die Einführung der Gesundheitskarte in der Pilotregion liege im Plan. Der zuständige Staatssekretär im BMG, erklärte dazu: „Das klare und eindeutige Bekenntnis der Beteiligten zur planmäßigen Umsetzung gibt für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und deren Infrastruktur ein eindeutiges Signal. Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Krankenhäuser in der Startregion Nordrhein können sich jetzt konkret darauf einstellen, dass ab Anfang Oktober Patienten mit elektronischen Gesundheitskarten zu ihnen kommen werden.“

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